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Ladies & Gentleman:Kinder des Zorns

Beim Parteitag der Republikaner kamen viele Menschen mit dem Namen Trump zu Wort, auch die Präsidentensprösslinge Donald Trump Junior und Tiffany Trump.

Für sie: Ein Mann namens Ärger

Der Mann, den wir hier sehen, ist für zwei Dinge berühmt: Erstens ist er der Sohn des amtierenden US-Präsidenten. Zweitens gibt es ein Foto von ihm, auf dem er stolz neben einem erlegten Leoparden posiert. Diesen Mann aus Stilsicht zu besprechen, ist also überflüssig. Aber sein Propagandaauftritt für den Vater ist trotzdem ein Beispiel für Männer, vor denen man Reißaus nehmen sollte. Was er da gesagt hat, wissen wir nicht mehr, aber Gesagtes ist selten maßgeblich bei der Männersuche. Viel zu einfach heutzutage, Schlauheit vorzugaukeln! Schon eher ist ausschlaggebend, wie er dabei aussieht. Die glänzende Krawatte, der enge Haifischkragen, aus dem muränenartig ein Kopf mit kalten, kleinen Augen und furchterregend weißen, von einem Dienstleister aufgereihten Zähnen wächst, sind ein Alarmzeichen. Donald Trump Junior streckt zudem seinen Brustkorb oft so stark nach vorne, dass dem Zuhörer nur vom Hinsehen das Kreuz schmerzt. Seine wilden Handbewegungen haben meist keinen Zusammenhang mit seinen Worten. Wahnsinniger kann ein Pfau sich nicht aufbauen, höchstens vor einem Weibchen, das noch wahnsinniger ist - wie seine Freundin Kimberly Guilfoyle, die einen Tag zuvor äußerlich an das globale Plastikproblem erinnerte, obwohl sie zu dem Thema gar nichts gesagt hatte. Mit Qualität haben solche Männer also nichts am Hut und Junior ist leider nicht der einzige dieser Gattung da draußen. Augen auf beim Pfauenkauf! JULIA WERNER

Für ihn: Eine Frau namens Tiffany

Tiffany Trump, das geht glatt über die Zunge, ein Name wie aus Stahl und Zuckerwatte. Und irgendwie hat es die Trägerin zum Familien-Parteitag auch geschafft, genau so auszusehen, wie man sich Tiffany aus USA vorstellt. Ein All-American-Girl mit unnatürlich weißen Zähnen und einem Lachen wie ein Kinnhaken. Als Beobachter fühlt man sich sofort ins Kino versetzt, schließlich treten Tiffanys in der US-Filmgeschichte seit jeher als Benchmark des Banalen, Biederen oder Bösen auf, etwa in Highschool- oder Horrorfilmen. Da muss die blonde Klassenschönheit Tiffany entweder die hohle Nuss spielen, die den Außenseitern das Leben schwer macht. Oder deren scheinbar perfektes Leben entzweigeht. Oder die selbst entzweigeht (Horrorfilm). Tiffany Trump nun hat, das darf man annehmen, auch ein filmreifes Leben - als eher ungeliebte Tochter eines eher unbeliebten Machtkolosses, neben der zuletzt bei Fashionshows keiner mehr sitzen wollte. Modisch versiert ist die Juristin trotzdem - sie weiß traumwandlerisch sicher, was vor dem Star-Spangled-Banner gut wirkt. Und sie beherrscht schon diesen sehr amerikanischen Stil Marke "Senatorengattin" - also feminin, stark gespachtelt und weit weg von Tabus. So bleibt als Fußnote hier nur, dass sie Blazer und Hose in der Farbe Rotkehlchenei trug. Und die wiederum ist, wie sich manch einer erinnern wird, seit gut 175 Jahren das Markenzeichen von, tja: Tiffany & Co. Max Scharnigg

© SZ vom 29.08.2020
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