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Kurz gesichtet:Zurück im Leben

Aufbruch: Die Pariser Modewoche im September soll stattfinden, trotz Pandemie. Auffallen: Street Couture aus Berlin für glänzende Sommerlooks - und künstlerisch gestaltete Pralinen als Geschmackserlebnis.

(Foto: Sian)

Man mag es ihr nicht ansehen, aber diese Kette gibt es nur dank eines Algorithmus'. Damit alle Elemente der nussähnlichen Form geometrisch in Verbindung zueinander stehen, rechnet ein Computer sämtliche möglichen Formen aus, die dann perfekt aufeinander abgestimmt sind. Am Ende besteht die "Neta Pendant" von Sian Design aus zwei übereinanderliegenden Gittern, die sich nicht berühren. Dieser Aufwand für ein besonders filigranes Ergebnis kostet einiges (2600 Euro, aus 18-Karat-Gold), aber dafür hat man ein wahres Wunderwerk aus Technik und Handwerkskunst um den Hals hängen (sian-design.com).

Street Couture ist eine seltsame Wortschöpfung, die besagen soll, dass ein Look gleichzeitig bequem und aufgetakelt aussieht: Glitzerpants zum Sweatshirt oder Jogginghosen mit Raubtierprint. Das ist Geschmackssache, gerade ist unter dem Titel ein Buch erschienen über den amerikanischen Streetwear-Pionier Willi Smith (Rizzoli Verlag). Und in Deutschlands Hauptstadt sitzt mit Marcell von Berlin ein Designer, der die Kombination aus Komfort und Glamour zu seinem Markenzeichen gemacht hat. In seiner aktuellen "Make it shine"-Kollektion vereint Marcell Pustul überweite Schnitte bei Hosen und Overalls mit Neon und bedrucktem Denim. Vor allem glänzen die Teile durch metallische Stoffoberflächen. Schließlich gibt es einiges nachzuholen, nachdem wieder Leben in die Straßen kommt - auffallen ist alles (marcellvonberlin.com).

(Foto: MARCELL Berlin)

Der Modebetrieb gerät wieder in Bewegung nach Monaten des Stillstands: Die Pariser Fashion Week soll Ende September offenbar starten, trotz anhaltender Unsicherheit, wie sich die Pandemie weiterentwickelt. Zwar weiß niemand, ob die zweite Welle der Covid 19-Infektionen anrollen wird, aber den "fashion month", den Modemonat September, will die Branche für dieses Jahr nicht aufgeben. Das berichtet das Nachrichtenportal Business of Fashion. Dior hatte angekündigt, den "Kalender einzuhalten" und in Paris zu zeigen. Die Fédération de la Haute Couture et de la Mode verkündete als Termin den 28. September bis 6. Oktober. Fendi will die traditionell vor Paris stattfindende Mailänder Modewoche angeblich ebenfalls mit einem "physischen Event" eröffnen, allerdings in Rom. Erwartet wird bei aller Unübersichtlichkeit eine Signalwirkung auf andere Labels, weitere Schauen in Aussicht zu stellen. Für die Fashion Week in London hat Burberry eine Präsentation "auf dem Land" geplant. Die Männer-Modewochen waren abgesagt worden oder laufen als digitale Formate.

Häufig herbeigesehnter Traum für die Post-Corona-Zeit: Eine riesige Party schmeißen! Für diesen Anlass darf es knallen, und das auch optisch. Die kunstvoll gestalteten und per Hand gefertigten Pars-Pralinen der Künstlerin und Konditorin Kristiane Kegelmann passen da perfekt. Und die Füllungen (Wilder Hopfen und Lavendel zum Beispiel oder gerösteter Buchweizen und Kirschblüten) machen die Vorfreude nur noch größer (Party Edition mit 25 Stück für 99,90 Euro, parspralinen.com).

(Foto: PARS Pralinen)

Das Logo von Dior im Großformat, perlende Klaviermusik, dann kommen der CEO und die Designerin ins Bild: Die erste Videopressekonferenz des ehrwürdigen Hauses hatte einen unerwarteten Effekt. So nah wie jetzt, wo alle von Distanz und Unzugänglichkeit reden, ist der Durchschnitts-Modejournalist den Granden von Dior selten gekommen - ausgerechnet. Mit ihrem wie stets tiefschwarzen Augen-Make Up saß Kreativdirektorin Maria Grazia Chiuri in Sommersandalen vor der Kamera, um den zugeschalteten Medien mit rollendem R zu erklären, wie aufgeregt sie sei. "It's very emotional." Geschäftsführer Pietro Beccari parlierte routiniert, während Chiuri zwischenzeitlich zu ihren Notizen greifen musste - ein sympathischer Auftritt, Gold wert für die Markenbindung in Zeiten, in denen dem Luxussektor gerade die Geschäfte wegbrechen. Ach ja, verkündet wurde auch etwas: Die verschobene Cruise-Show von Dior wird am 22. Juli stattfinden, mit echten Models und echten Gästen, wenn auch in streng reduzierter Zahl. Ort: die Piazza von Lecce, eine Stadt in der süditalienischen Region Apulien. Von dort stammt Chiuris Vater, dem sie die Kollektion gewidmet habe. Mode im Jahr 2020 ist eben eine emotionale Angelegenheit.

© SZ vom 27.06.2020
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