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Kurz gesichtet:Wandelbar

Umziehen nach dem Schwimmen? Muss nicht sein bei Stellwear von Stella McCartney. Weitere Neuigkeiten: Kim Jones wird Designer bei Fendi, und die ikonischen Afrikaaufnahmen des Society-Fotografen Peter Beards sind in einem Prachtband versammelt.

Von Anne Goebel und Silke Wichert

Schönes Abfallprodukt: der Barhocker "Mask" von Mater.

(Foto: PR)

Und wieder eine neue Variante in Sachen Upcycling: Das dänische Label Mater hat einen Hocker aus den Resten von Biermaische präsentiert, zu sehen gab es den Entwurf bei der Messe 3 Days Of Design in Kopenhagen. Das Modell "Mask", höhenverstellbar und mit solidem Stand auf vier Beinen, hat die Gestalterin Eva Harlou konzipiert. In Zusammenarbeit mit der Universität Kopenhagen wurde ein Verfahren entwickelt, um aus getrockneter Maische samt recyceltem Plastikabfall eine Masse zu gewinnen, die sich formstabil zu Möbelelementen verarbeiten lässt. Im Fall von "Mask" besteht die runde Sitzfläche aus dem neuartigen Material. Harlou sagte in einem Interview mit dem Online-Magazin Dezeen, sie halte das Verfahren für wegweisend, es eröffne auch anderen Unternehmen die Möglichkeit, aus den Abfällen ihrer jeweiligen Produktion "großartiges Design werden zu lassen". Der neue Hocker ist noch nicht im Verkauf, Mater präsentierte aber auch eine aktualisierte Variante des Erfolgsmodells "Earth Stool" (materdesign.de).

Badebekleidung und Unterwäsche in einem: Stellawear von Stella McCartney.

(Foto: PR)

Warum bitte kommt das erst jetzt? Nachdem wir wieder einen Sommer lang zwischen Unterwäsche und Badezeug hin- und hergewechselt haben - weil man als Kind gelernt hat: Schwimmsachen nicht drunter lassen, da kann die Haut nicht atmen! Stella McCartney hat diese Woche "Stellawear" herausgebracht, Badebekleidung und Unterwäsche in einem. Eine Capsule Collection, die einerseits atmungsaktiv, andererseits körperformend und chlorresistent ist. Und so sportlich schick gestaltet, dass die Bandeau-Tops mit Höschen oder der Body auch als Badezeug durchgehen. Auf Rüschen und Spitze wird verzichtet und lieber mit Netzoptik gearbeitet. Das soll im Ergebnis nicht nur praktischer, sondern - wie fast immer bei der britischen Designerin - auch nachhaltiger sein: Statt Dessous und Schwimmsachen könne man einfach nur Allroundwear kaufen. Merken wir uns vor, für nächste Saison dann (stellamccartney.com).

Doppelt hält besser: Der britische Designer Kim Jones hat einen zweiten Job in der Luxusgruppe LVMH bekommen. Jones ist künftig verantwortlich für die Frauenlinie bei dem italienischen Label Fendi - und behält gleichzeitig seinen Job als Chefdesigner für die Männermode von Dior. Wie der französische Mutterkonzern beider Häuser verlauten ließ, habe sich Jones als "großes Talent" erwiesen, der das Erbe einer traditionsreichen Marke bewahren und sie gleichzeitig erneuern könne. Der 46-Jährige war 2018 als Kreativchef zu Dior gestoßen und hat mit vielbeachteten Kollektionen eine neue Aufmerksamkeit für Männermode im Luxusbereich erzeugt. Jones' Vorgänger bei Fendi war Karl Lagerfeld, der bis zu seinem Tod jahrzehntelang die Frauen-Entwürfe der Luxusmarke aus Rom verantwortete.

Schlicht Y hieß das erste Parfum von Yves Saint Laurent, ein Damenduft, der 1964 lanciert wurde. Im Jahr 2017 folgte die Variante für Männer, und die wird demnächst Lenny Kravitz in einer neuen Kampagne bewerben. Ein erstes YSL-Video zeigt den amerikanischen Sänger im schmal geschnittenen Leder-Zweiteiler. Kravitz wurde auch als Model für die aktuelle Herbst/Winter-Kollektion des französischen Labels engagiert.

Klassiker der Afrikafotografie: eine Elefantenherde, festgehalten von Peter Beard.

(Foto: Taschen Verlag/ Peter Beard, Courtesy Peter Beard Studio.)

Der Fotograf Peter Beard bewegte sich zwischen zwei Polen, die eigentlich als schwer vereinbar gelten. Er war Umweltaktivist und Celebrity-Fotograf, der sich ebenso gern in die Einsamkeit der Natur zurückzog wie er Mannequins in exotischen Looks ablichtete: Veruschka von Lehndorff in Kolonialkluft, David Bowies spätere Ehefrau Iman springt im Zebra-Bikini durch Savannengras. Als der Yale-Absolvent vor zwei Jahren 82-jährig starb, wurde das Buch The End of the Game als sein wichtigstes Vermächtnis gefeiert: ein Klassiker der Afrikafotografie, der die Zerstörung des Kontinents offenlegt. In Bild- und Textcollagen zeigt Beard die fatalen Folgen auf, die der Einzug der westlichen Zivilisation auf Afrika und seine Tierwelt hatte. Bereits in den Sechzigerjahren dokumentierte er die Ausrottung von Elefanten, Nashörnern, Nilpferden. Das Leben sei nach und nach aus Steppen und Buschland entwichen, schrieb Beard, "es verschwand in der Masse an Jagdtrophäen, Fellen und Kadavern". Jetzt gibt es "The End of the Game" in einer Neuauflage, ergänzt durch ein Interview und Essays (Taschen Verlag, 75 Euro, taschen.com).

© SZ vom 12.09.2020
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