Kurz gesichtetSymbole der Hoffnung

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Duftkerzen sind wieder sehr beliebt, der Taschenhersteller Freitag lässt die Kunden beim Design mitreden und Saint Laurent sagt die Fashion Week ab. Die Stil-News.

Von Anne Goebel, Tanja Rest, Julia Rothhaas, Silke Wichert

Der Regenbogen war schon immer ein Symbol der Hoffnung - auch in der Corona-Krise ist er zum Mutmacher geworden. Für viele Kinder ist das Rot-Gelb-Grün-Blau, aus Fingerfarben am Fenster oder auf selbstgemalten Bildern an der Tür, ein Solidaritätszeichen: Hier wohnt auch ein Kind, das gerade nicht mit seinen Freunden spielen kann. Ein bisschen Trost spendet da der Regenbogen der australischen Firma Sunnylife, in das Handtuch aus Baumwolle kann man sich prima einkuscheln. (40 Euro plus Versand, eu.sunnylife.com).

Als Marke präsent bleiben in Zeiten von Corona? Der Schweizer Taschenhersteller Freitag versucht das, indem Kunden in den Produktionsprozess eingebunden werden. In "privaten Bag Design Sessions" klinkt man sich per Video-Anruf in die Werkstatt ein und lässt sich einen Shopper individuell zusammenstellen. Alle Einzelteile des Modells F718 BUH werden selbst aus den recycelten Lkw-Planen ausgewählt, zwei bis drei Wochen später ist das Unikat fertig. Eine halbstündige Design-Sitzung kostet knapp 180 Euro ( freitag.ch).

Was jetzt die halbe Modewelt predigt - dass die Beschleunigung zu groß war, Dinge ohne Reife auf den Markt geworfen wurden -, hat Azzedine Alaïa schon lange gesagt. Der Ende 2017 verstorbene Designer mit tunesischen Wurzeln zeigte Kollektionen in seinem Studio in Paris erst, wenn sie ihm gut genug erschienen - und manchmal eben gar nicht. "Taking Time" heißt der Bildband, der jetzt auf Französisch und Englisch bei Rizzoli erscheint. Das Buch versammelt Gespräche zwischen Künstlern der Alaïa-Fangemeinde, Isabelle Huppert unterhält sich mit Robert Wilson, der Drehbuchautor Jean-Claude Carrière mit Julian Schnabel. Für gute Gespräche muss man sich schließlich Zeit nehmen. Jetzt wäre ein guter Moment dafür.

Der Dresscode daheim: Hauptsache, bequem. Jersey und Strick heißen die Materialien der Stunde, sieht ja kaum jemand, wenn die locker fallenden Teile ausgebeult sind. Dass Gestricktes auch richtig adrett aussehen und sich trotzdem geschmeidig anfühlen kann, zeigt die Firma mit dem behaglichen Namen Molli. 1886 gegründet in der Schweiz als Spezialist für Babyausstattung, ist die Marke längst fest in französischer Hand und bekannt für edle Sweater oder Röcke im Rippen- oder Lochmuster. Die aktuelle Frühjahrskollektion setzt auf leuchtende Farben wie Mimosengelb, luftige Maschen aus kühler Baumwolle - und ist, nein, eben nicht zu schön für zu Hause ( molli.com).

Sich eine dieser sündteuren Duftkerzen in die Wohnung zu stellen, war früher ja oft reine Angeberei. Jetzt stehen die fast schon wieder aus der Mode gekommenen Luftverbesserer geradezu verzweifelt hoch im Kurs. Wir alle brauchen schließlich geruchstechnisch Abwechslung, wenn schon keine Reise ans Meer möglich ist und aus der Küche jeden Abend der gleiche Hauch von Tomatensoße durch den Flur zieht. Da helfen Kerze, Duftstäbchen oder Spray: Sie lüften den Kopf durch, beflügeln die Fantasie oder, sollte das wirklich jemand nötig haben, beruhigen den Geist. Neben Neuigkeiten, etwa von Jo Malone ("Lavendelland"), empfiehlt sich Altbewährtes von Diptyque oder Aesop, dessen Spray "Cythera" nach einem Garten im Mondlicht riechen soll. Der beste Naturerlebnis-Ersatz: Die Kerzen "Cliff Breeze" von Haeckels (riecht nach Atlantik) und "Big Sur After Rain" von D. S. & Durga, da weckt allein der Name Fernweh.

Eine Pariser Fashion Week im September, Hunderte Menschen aus aller Welt aneinandergequetscht in schlecht belüfteten Räumen? Das erscheint schwer vorstellbar. Prompt hat die erste Maison ihre Teilnahme abgesagt: Das Haus Saint Laurent teilte mit, man werde auf einer Fashion Week im Herbst nicht zeigen. "Angesichts der aktuellen Entwicklungen hat Saint Laurent entschieden, selbst über sein Tempo zu bestimmen und die Planungen zu revidieren", hieß es in einem Statement. Eine Laufsteg-Show in diesem Jahr ist nicht ausgeschlossen, allerdings in kleinerem Rahmen und unabhängig von anderen Labels. Die Pariser Männer-Schauen sowie die Haute-Couture-Woche im Sommer wurden bereits abgesagt.

© SZ vom 02.05.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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