Kurz gesichtet:Sanfte Töne

Kurz gesichtet: Pullover der Re-Edition von Iris von Arnim.

Pullover der Re-Edition von Iris von Arnim.

(Foto: Hersteller)

Kaschmir in Upcycling-Qualität, Designobjekte als Lärmschlucker - und als Kontrast: eine Hommage an das wilde Berlin der Zwanziger.

Von Anne Goebel, Max Scharnigg und Silke Wichert

Der Name Iris von Arnim steht seit 40 Jahren für Kaschmirmode der Luxusklasse. Jetzt hat sich das Label aus Hamburg mit dem beschäftigt, was bei der Produktion seiner aufwendigen Strickteile übrig bleibt. Herausgekommen ist eine eigene "Zero Waste"-Kollektion, die Produkte unter dem Namen "Re-Edition" sind dabei erstmals vollständig aus Reststoffen und -garnen gefertigt. Nach Angaben der Marke ist ein gewisser Überschuss in der Produktion oft noch nicht vermeidbar. Jetzt aber sollen durch die Verwendung auch kleinster Mengen und Reste für bestimmte Produkte die Nachhaltigkeit und der Produktionszyklus optimiert werden. Zum Auftakt wurden mit den Überbleibseln echte Kaschmir-Basics aufgelegt, etwa ein Crew-Neck Pullover oder ein Schal, natürlich in gewohnter Qualität. Da es sich um Restgarne handelt, sind die Sachen ab dem 21. Februar aber nur in begrenzter Stückzahl zu haben (irisvonarnim.com).

Erst Küche, dann Bad: Der Münchner Carsten Wille will nachhaltiges Wirtschaften voranbringen. Zunächst als Gründer des Food-Start-ups Etepetete, das aussortiertes Obst und Gemüse vertreibt, damit es nicht als optisch unzureichend im Müll landet. Jetzt hat Wille mit zwei Geschäftspartnern Future Stories ins Leben gerufen, eine Firma für umweltbewusste Pflegeprodukte. Duschgel und Flüssigseife werden jeweils als Starterset geliefert, mit Pumpflakon und drei Tütchen Kosmetikpulver, die nach Limette, Koriander oder Mango duften und mit Wasser zu Waschgel angemischt werden. Dadurch soll Plastikmüll vermieden werden, die Inhaltsstoffe sind vegan, mit jedem verkauften Pflegeprodukt wird die Wiederaufforstungs-Initiative Eden Projects unterstützt. So viel Gutes zu tun, ist nicht ganz billig: Ein Starterset kostet 29,99 Euro (future-stories.com).

Kurz gesichtet: Schön still: Akustik-Kaktus von Marie Aigner für Pinta.

Schön still: Akustik-Kaktus von Marie Aigner für Pinta.

(Foto: Hersteller)

Bitte mal kurz leise: In Zeiten von Home-Office kann es anstrengend sein, beim Arbeiten die Nebengeräusche aus Küche oder Kinderzimmer auszublenden. Diese Zusatzarbeit lässt man sich besser von sogenannten Absorbern abnehmen, das sind professionelle Schalldämmungen - die im Fall von Marie Aigner nicht so öde aussehen, wie sich der Begriff anhört. Die Architektin hat für den Hersteller Pinta Acoustic Objekte entworfen, die optisch an die quietschbunte Welt der Designgruppe Memphis aus den Achtzigern erinnern. Hergestellt aus recycelten PET-Flaschen, einem hochverdichteten Material, dienen die Akustik-Skulpturen der Serie "Knock Out" gleichzeitig als Sessel oder, wie bei dem mehrarmigen Kaktus, als Kleiderständer. Der ist neben dezentem Grau und Weiß auch in umwerfendem Gelb zu haben (www.aigner-architecture.com).

Das Berlin der Zwischenkriegsjahre bleibt en vogue. Im Frühjahr sollen die Dreharbeiten der vierten "Babylon Berlin"-Staffel beginnen, für Sommer ist der Kinostart von "Fabian" vorgesehen, einer Verfilmung von Erich Kästners Großstadtroman. Um die Zeit der Stenotypistinnen mit Bubikopf, der glamourösen Lichtspielhäuser und gescheiterten Lebensträume geht es auch in den Büchern von Irmgard Keun. Mit Das kunstseidene Mädchen landete die Schriftstellerin 1932 einen Bestseller über eine junge Frau aus der Provinz, die in der Hauptstadt unbedingt ganz nach oben will. Den Orten, Chausseen, Lokalen in Keuns Romanen ist der neue Band der Reihe "Literarische Schauplätze" gewidmet. Autor Michael Bienert erzählt von Politikprominenz im Adlon, Pelzmänteln auf dem Kurfürstendamm, Etablissements wie der Jockeybar. Eine lesens- und sehenswerte Hommage ("Das kunstseidene Berlin", 25 Euro, verlagberlinbrandenburg.de).

Kurz gesichtet: Metropole mit Stil: Aus dem Band "Das kunstseidene Berlin".

Metropole mit Stil: Aus dem Band "Das kunstseidene Berlin".

(Foto: Zentral- und Landesbibliothek Berlin)

Die London Fashion Week dieses Wochenende geht im Corona- und Brexit-Gewirr leider ein bisschen unter. Burberry zeigt nur die Männerkollektion, Victoria Beckham veröffentlichte ihr Lookbook bereits vorab, dafür mischte das italienische Label Tod's mit und präsentierte in Zusammenarbeit mit dem Central Saint Martins College ein "Legacy Project": 35 Studenten konnten sich am Handwerk und den ikonischen Produkten der Marke austoben. Entstanden sind ganz neue Patchwork-Designs wie Gommino-Plateaus oder Loafer, die in ihre Einzelteile zerlegt werden können. Mit Spannung erwartet: die Präsentation von Harris Reed, Shootingstar einer zwischen den Geschlechtern fließenden Mode. Im Dezember sorgte er mit einem Tüll-Outfit für den Popstar Harry Styles auf dem Cover der Vogue für Aufsehen.

© SZ
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