bedeckt München 23°

Kurz gesichtet:Richtig clever

Mit Kleidern von Ivy&Oak wird der Herbst schöner. Es gibt neue Sweatshirts von Sacai - mit dem Konterfei von Albert Einstein. Und die junge Manufaktur Freifrau hat ihren ersten Holzstuhl präsentiert. Die Neuigkeiten der Woche.

Von Anne Goebel, Tanja Rest,Max Scharnigg, Silke Wichert

(Foto: Hersteller)

"Schöne neue Welt" - das war bei Aldous Huxley mehr Dystopie statt Utopie. In dem Roman ist die Welt der Zukunft vordergründig friedlich, letztlich aber eine genetisch manipulierte Hölle. Wenn das Label Ivy & Oak seine neue Kollektion mit "Brave New World" betitelt, ist das allerdings durchaus wörtlich zu verstehen. Vor allem in der Modewelt ist, was positiven Wandel angeht, ja noch Luft nach oben. Die 2016 in Berlin gegründete Marke setzte von Anfang an auf Entschleunigung, Nachhaltigkeit, Transparenz; die Designs sollen zeitlos sein, die Entwürfe umweltfreundlich und fair produziert werden. Auf der Webseite kann man einen Blick in die Ateliers in Bulgarien und Nordmazedonien werfen, wo der Großteil gefertigt wird. Auch das Shipping ist mittlerweile klimafreundlicher durch CO2-Kompensation. Wie die neue Welt für die nächsten Monate konkret aussieht? Handbestickte Mäntel, Tuxedos für selbstbewusste Frauen, Kleider in Naturtönen. So oder so - 2020 kann im Herbst nur schöner werden (ivy-oak.com).

Man darf die Analogie gewiss nicht zu weit treiben, aber es gibt schon ein paar Dinge, die Chitso Abe, Kopf des herrlich widerspenstigen Labels Sacai, mit Albert Einstein verbinden: eine Lust am Experimentellen, das Hinterfragen gewohnter Wahrnehmungen - und eine gesunde Dosis Selbstironie. Insofern passt es eigentlich ganz gut, dass sich der Kopf des Schweizer Physikers (selbstverständlich mit rausgestreckter Zunge) nun auf Unisex-T-Shirts und -Hoodies aus dem Hause Sacai wiederfindet. Garniert ist das geniale Anlitz mit einem ebensolchen Zitat. Ins Deutsche übersetzt: "Ich glaube an Intuitionen und Inspirationen. Manchmal glaube ich, dass ich recht habe. Ich weiß nicht, ob es so ist." Wer würde da widersprechen? (sacai.jp)

Die junge Möbelmanufaktur Freifrau aus Lemgo hat sich in wenigen Jahren schon einen Namen als Spezialist für hochwertige Sitzmöbel gemacht, um genauer zu sein: Für gepolsterte Sitzmöbel, vom gemütlichen Esszimmerstuhl über smarte Sessel bis zum Sofa. Jetzt hat das Unternehmen mit der weichen Tradition ein wenig gebrochen und den ersten puren Holzstuhl vorgestellt. Der Anspruch: Auch das vergleichsweise nüchterne Design des Modells "Stella" soll Sitzkomfort bieten, als wäre der Stuhl gepolstert. Trick ist die kühn geschwungene Lehne aus gebogenem Schichtholz, die sich bequem an den Rücken des Sitzenden anschmiegt - und beim Sitzen leicht nachgibt. Wie üblich bei Freifrau ist der Stuhl in vielen Farb- und Materialvariationen - auch mit Polster auf der Sitzfläche - zu haben und wird in Deutschland hergestellt (freifrau.com).

(Foto: Sacai)

Second-Hand-Mode boomt, und die Plattform Vestiaire Collective ist immer noch eine der größten Anlaufstation für Luxus-Vintagemode im Netz. Für seine Fans und Fashionliebhaber startet das Unternehmen jetzt einen Podcast mit dem Titel "What Were You Thinking?". Als Moderator fungiert der Modedesigner Henry Holland, der in jeder Folge mit Gästen über besondere Kleidungsstücke und Outfits sprechen wird, die sie im Laufe der Zeit getragen haben - also ein gemeinsames Wühlen im Kleider- und Giftschrank. Die Gästeliste der ersten Staffel liest sich beeindruckend: Alexa Chung, Beth Ditto, Paul Smith und etliche andere Branchengrößen werden zu Wort kommen. Der Podcast steht unter anderem auf Apple Music und Spotify zur Verfügung und kann auf Instagram unter @whatwereyouthinkingpodcast verfolgt werden.

(Foto: freifrau)

Was tun mit der Ware, wenn die Geschäfte schließen? Durch die Pandemie sind überall bergeweise saisonale Bekleidung, Schuhe und Accessoires liegen geblieben, als durch den Lockdown das öffentliche Leben zum Erliegen kam. Bei der italienischen Luxusmarke Brunello Cucinelli hat man eine Lösung gefunden, die nicht nur Gutes bewirkt, sondern das Unternehmen auch gut aussehen lässt: Unverkaufte Neuware im Wert von rund 30 Millionen Euro werde an gemeinnützige Organisationen gespendet, heißt es in einer Mitteilung des Kaschmir-Herstellers. Ein eigens gegründetes Gremium soll entscheiden, welchen Gruppen oder Projekten die Pakete zugutekommen sollen. Versehen sind die gespendeten Teile jeweils mit einem waschfesten Label, auf dem "Brunello Cucinelli for Humanity" zu lesen ist.

© SZ vom 25.07.2020
Zur SZ-Startseite