Kurz gesichtet Retro und Regenbogen

Ikea lanciert zum 75. Geburtstag Vintage-Serien. Auftakt: Möbel aus den Sechzigern. Der Rainbow-Pencil macht gute Laune - sogar beim Spitzen.

Von Anne Goebel und Julia Rothhaas
(Foto: IKEA)

Ikea feiert sein 75-jähriges Bestehen mit einer Geburtstagskollektion. Die Möbelserie umfasst auch die Neuauflage von Vintagestücken aus den vergangenen Jahrzehnten, in denen die schwedische Firma den Möbelmarkt revolutionierte. 1943 wurde das Unternehmen von Ingvar Kamprad ins Leben gerufen, der bereits als Siebenjähriger im südschwedischen Småland von Hof zu Hof geradelt sein soll, um Zündhölzer oder Pflanzensamen zu verkaufen. Mit 17 gründete er Ikea - und war bei seinem Tod vor knapp acht Monaten längst einer der reichsten Männer der Welt. Die "Gratulera"-Reihe umfasst Klassiker wie das erste Klippan-Sofa und den Sessel Ekenäset. Die Retromöbel zum Jubiläum werden in drei Etappen lanciert. Entwürfe aus den Fünziger- und Sechzigerjahren wie den spitzfüßigen Tisch Lövet gibt es ab Mitte August. Im Oktober und Dezember folgen, jeweils als Doppeljahrzehnt, die 1970er- bis 2000er-Jahre.

Rote Linie bei Prada: Die italienische Marke legt ihre sportliche Kollektion Linea Rossa neu auf. In den Neunzigerjahren hatte der Modekonzern mit Entwürfen aus High-Tech-Material den Markt aufgemischt und enorme Umsätze erzielt, auch dank der Wiedererkennbarkeit durch den markanten Farbstreifen. Nun soll an den Erfolg angeknüpft werden - Hintergrund ist der anhaltende Trend zu Luxus-Sportswear. Goretex, wasserdichte Nähte: Auch beim Relaunch der Linie mit Westen in Pink oder kantigen Bomberjacken geht es um wetterfeste Oberflächen. Und das rote Band ist auch wieder dabei. Prada kann einen Verkaufsschub gut gebrauchen. Im ersten Halbjahr 2018 stieg der Reingewinn des Unternehmens erstmals wieder - nach vier Jahren Rückgang.

(Foto: Wunderkind)

Wunderkind galt mal als Label, mit dem Mode aus Deutschland international Aufsehen erregen kann. 2003 gegründet von Wolfgang Joop, gab es einen verheißungsvollen Start in New York, Schauen auf der französischen Modewoche - dann mussten nach und nach Stores schließen, etwa in Berlin und Hamburg. Joop hat die Marke inzwischen an seinen Geschäftspartner Peter Kappler übergeben, der sie mit geradlinigen Entwürfen neu aufstellen will. Einen Vorgeschmack gab es bei der Präsentation einiger Stücke auf der Berliner Fashionweek, auf der sich der neue Chef geheimniskrämerisch gab: Die Designer hinter dem umgekrempelten Wunderkind-Look wollte er nicht verraten. Demnächst soll die erste komplette Kollektion für Frühjahr/Sommer 2019 gezeigt werden - in Paris. Offenbar ist der Neustart gleich als Höhenflug geplant.

Nicht mehr lang bis zum Bauhaus-Jubiläum: 2019 wird der 100. Geburtstag der einflussreichen Kunstschule aus Weimar gefeiert. Ein neues Buch bereitet kompakt auf die zu erwartende Flut an Artikeln und Abhandlungen vor: Mit 50 Bauhaus-Ikonen, die man kennen sollte von Josef Strasser (19,95 Euro, Prestel-Verlag) ist auch der Laie für jede Diskussion gerüstet über Walter Gropius' Architektur oder Wilhelm Wagenfelds Lampen. Auf dem Titel: Marcel Breuers legendärer Sessel aus Stahlrohr. Der Regenbogen kann alles. Er ziert die Shirts der "New Ager", die Fahne für Frieden und die für sexuelle Freiheit. Er wurde von Judy Garland besungen - und er kann sogar Müll schöner machen: Wer den "Rainbow Pencil" anspitzt, einen Bleistift des britischen Designstudios Duncan Shotton, bekommt Spanabfall in Bunt - fast zu schön, um ihn wegzuwerfen! (Set mit drei Stück, ca. 6,70 Euro + Versandkosten, dshott.co.uk)

Bei Magazinen verschwimmt die Grenze zwischen Bild und Werbung. Den Unterschied zwischen einer redaktionellen Fotostrecke und Anzeigen von Modemarken können Leser oft kaum erkennen. Was, vorsichtig ausgedrückt, billigend in Kauf genommen wird - Absicht würden wir hier niemals unterstellen! Die Septemberausgabe der amerikanischen Vanity Fair ist nun in Verdacht geraten, den Bogen zu überspannen. Das Cover zeigt Michelle Williams in Louis Vuitton. So weit, so üblich - die Schauspielerin ist nun mal sogenannte Botschafterin der Marke. Nur, die Aufmachung des Fotos ist nahezu identisch mit der Bildsprache der aktuellen Vuitton-Kampagne (und der Titel und die Werbung stammen beide von der Fotografin Collier Schorr): kein Schnickschnack, Williams in ungeschminktem Look, dunkler Hintergrund. Fehlt eigentlich nur noch das Logo LV.