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Kurz gesichtet:Fernweh

Diptyque-Kerzen, die wie eine Sommerbrise duften. Ein Collier mit Sensor, das Mitmenschen auf Distanz hält. Und türkise Asics-Sneakers, die beim Anschauen kühlen.

Von Anne Goebel, Julia Rothhaas, Max Scharnigg, Silke Wichert

(Foto: Hersteller)

Exotische Reiseziele dürften viele Menschen für dieses Jahr aus ihrem Reisekalender gestrichen haben. Trotzdem ein bisschen Jet-Set- und Karibik-Atmosphäre für zu Hause, das bietet jetzt aber eine verheißungsvolle Kooperation von zwei Instanzen des schönen Lebens: Das legendäre Eden Rock Hotel St. Barths und das Pariser Parfumhaus Diptyque haben zusammen einen Duft kreiert, der nicht nur den Aufenthalt in dem Luxushotel unter Palmen abrunden, sondern auch das Fernweh daheim ein bisschen lindern soll. Den Hauptbestandteil der neuen Komposition verrät schon der Name "Ylang". Die hier verwendeten kostbaren gelben Blüten des Ylang-Ylang stammen aus einem nachhaltigen Entwicklungsprogramm auf der Insel Moheli im Indischen Ozean. Kerzen, Textilsprays und Düfte mit dem Geruch der großen weiten Inselwelt sind jetzt über den Hotelshop edenbeing.com erhältlich.

(Foto: Hersteller)

Ein paar Accessoire-Ideen, mit denen man seine Mitmenschen zum Einhalten des Mindestabstands bekommen kann, gab es gleich zu Anfang der Pandemie: Reifröcke, Schwimmtiere, runde Tresen zum Umschnallen. Jetzt gibt es zur Abwechslung eine so funktionale wie formschöne Idee: Das indische Architekturbüro Architecture Discipline hat den sChoker entworfen, eine Halskette mit eingebautem Wärmesensor. Wenn sich ein Lebewesen nähert, werden die Informationen an einen Mikrochip gesendet, der dann auswertet, ob sich der "Eindringling" im persönlichen 360-Grad-Radius noch im grünen, gelben oder bereits im roten Bereich befindet. Der Träger wird dann per Licht- oder Audiosignal informiert, um wieder auf Abstand gehen zu können. Das Collier besteht aus Carbonfaser und stammt aus dem 3D-Drucker, noch existiert es nur als Prototyp, könne später aber auch in beliebigen Designs, mit Nieten oder in Leder, produziert werden, heißt es aus Neu-Delhi. Womöglich schon jetzt das Must-have des neuen normalen Alltags.

In den vergangenen Jahren war in der Beauty-Branche häufig von "Glow" die Rede, also von einer sanft glänzenden und jung wirkenden Haut. Es wurde also reichlich gepeelt und gecremt. Im Sommer, der jedes Jahr ein Stückchen wärmer wird, muss man für den herbeigesehnten Glow eigentlich nur zehn Minuten in der prallen Sonne sitzen. Der Glanz auf Stirn und Wange sieht dann allerdings einfach nur verschwitzt aus. Dem soll das mattierende Gesichtsgel von Susanne Kaufmann entgegenwirken, mit einer Kombination aus Weiderinde und Apfelessenz. Das leichte Gel soll die Poren verfeinern, genug Feuchtigkeit spenden und für ein ebenmäßigeres Hautbild sorgen. Also für den perfekten Glow (50 ml für 57 Euro, susannekaufmann.com).

Erinnert spontan an Wassereis für die Füße: Der neue Schuh von Asics und dem deutschen Label GmbH in frostigem Weiß und Türkis samt der durchsichtigen Gel-Partie an den Seiten, die wie Eiswürfel in der Sonne glänzt, ist der perfekte Sommersneaker (wenn auch noch ohne eingebautem Kühleffekt). Die Neuinterpretation des 90er-Jahre-Modells namens "Gel-Nandi 360" ist bereits die dritte Zusammenarbeit der japanischen Sportmarke mit den Berliner Designern Benjamin Huseby und Serhat Isik, die für prestigeträchtige Nachwuchswettbewerbe wie den LVMH-Prize und den Woolmark Prize nominiert waren. Das Design des futuristisch wirkenden Sneakers ist inspiriert von organischen Formen, wie Muskelstränge, die sich über die Außenhaut spannen. Wer will, kann den Gel-Nandi natürlich auch einfach als sanft gefederten Laufschuh verwenden (180 Euro im ausgewählten Handel).

(Foto: Hersteller)

Der französische Parfumeur Frédéric Malle versteht sich gern als eine Art Kurator, der Kollegen zu Höchstleistungen anspornt und die Ergebnisse dann Duftliebhabern als exklusive Auflage präsentiert: Die Serie "Editions de Parfums" wurde vor 20 Jahren ins Leben gerufen, eines der Highlights war 2010 die Komposition "Portrait of a Lady" seines Landsmanns Dominique Ropion. Der Duft mit hohem Anteil an kostbarer Rosenessenz ist im Jubiläumsjahr als Badeöl erhältlich, in einer schlichten schwarzen Flasche. Sehr edel, aber Ropion hat nicht nur Luxusdüfte entworfen, sondern auch ein Parfum für "The Bodyshop" und sagte mit sympathischer Offenheit einmal in einem Interview: "Man kann mit sehr teuren Rohstoffen auch sehr schlechte Parfums machen" (fredericmalle.com).

© SZ vom 04.07.2020
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