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Kurz gesichtet:Exponiert

Aufgewertete Show: Riccardo Tisci hat sich bei seiner gestreamten Schau für Burberry Unterstützung von der Performance-Künstlerin Anne Imhof geholt. Bunte Botschaften: Ein Bildband erzählt die Geschichte der Sticker.

Von Anne Goebel, Julia Rothhaas, Silke Wichert

(Foto: Hersteller)

Wenn Modenschauen mehrheitlich digital präsentiert werden, braucht es ein bisschen mehr als "Laufen pur", um die Zuschauer vor den Bildschirmen bei der Stange zu halten. Burberrys Kreativdirektor Riccardo Tisci holte sich für seine am Donnerstag präsentierte Show Unterstützung bei der deutschen Performance-Künstlerin Anne Imhof (im Bild), die 2017 mit dem Goldenen Löwen in Venedig ausgezeichnet wurde. Statt auf einem Laufsteg liefen die Models durch einen Wald. Zu Musik von Eliza Douglas bewegten sich Imhofs ganz in Weiß gekleidete Darsteller auf einer Lichtung von weißen Sockeln herab, rangen synchron miteinander, um sich später stumm anzuschreien oder den Burberry-Boot in den Boden zu rammen. Präsentiert wurde das Ganze auf der Streaming Plattform Twitch, mit mehreren, teils zeitversetzten Bildausschnitten - was tatsächlich sehr viel mehr Gehalt als die üblichen Livestreams rüberbringt. Die Kleider schauen wir uns dann später mal gesondert an.

(Foto: Hersteller)

Es gibt Menschen, die müssen permanent an etwas herumspielen: am Bierdeckel in der Kneipe, an der Nase während einer Zoom-Konferenz, am Kissen vor dem Fernseher. Sie dürfen sich nun freuen, dass sich Levi's mit Lego zusammengetan hat - und sie ihr Spielzeug am Leib tragen können. Auf Klassikern wie Jeansjacke, Sweatshirt oder Jeans ist eine biegsame Lego-Basisplatte aus Silikon aufgenäht. Dazu gibt es eine Tüte mit 110 bunten Steinchen, die sich nach Lust und Laune auf die Platte stecken lassen. Die Kollektion richtet sich an Kinder wie an Erwachsene - einzige Voraussetzung: unbändiger Spieltrieb (ab 1. Oktober, lego.com).

(Foto: Hersteller)

Von der treuherzigen Werbung für einen Erholungpark bis zum Slogan "Anarchy in the UK" der Sex Pistols: Anstecker transportieren unterschiedlichste Botschaften, und das seit ihrer Entstehung. Das Buch Button Power präsentiert die Geschichte der Plaketten, für die 1896 eine Firma aus New Jersey das Patent anmeldete. Pins waren da schon länger im Einsatz, vor allem in den Wahlkämpfen angehender US-Präsidenten - aus dieser Frühzeit stammen auch harmlose Reklame- und Souvenir-Buttons: für den Hershey Park der gleichnamigen Schokoladenfabrik oder die Stadt Detroit ("Where life is worth living"). Für die Autorin des Bildbands, Christen Carter, Inhaberin der Firma "Busy Beaver Button", erzählen Anstecker Gesellschaftsgeschichte: Sie zeigen, was Menschen in einer bestimmten Zeit bewegte, vereinte, entzweite - ob Atomkraft oder die Beatles. Wobei Carter den spontanen Charakter der Pins betont, die eher momentane Gefühlslagen ausdrückten. Wohl wahr: Das Foto von vier jugendlichen Parteigängerinnen Barak Obamas, die Outfits schier gepflastert mit Fan-Abzeichen, spiegelt die Euphorie im Wiederwahl-Jahr 2012 wider - heute wirkt das Bild wie aus einer endlos weit entfernten Zeit ( 23 Euro, papress.com).

© SZ vom 19.09.2020
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