Kurz gesichtet Alles für den Sommer

Ein aufblasbarer Schmetterling für die Anspruchsvollen, ein Parfüm, das den Duft frischer Bettlaken heraufbeschwören soll, und eine Schwimmerin, die als Männermodel aktiv war.

Von Anne Goebel und Veronika Wulf

Nein, das aufblasbare Einhorn ist keine Erfindung der Gegenwart, bereits Rita Hayworth schipperte auf einem albernen Luftpferd durch den Pool. Aber diesen Sommer hat man sich ziemlich sattgesehen am schwimmenden Getier in See und Freibad. Wobei ein Vorteil nicht zu bestreiten ist: Richtig viel Platz - kein verkrampftes Liegen auf nassen Rillenpolstern wie früher, zu Zeiten der ordinären Luftmatratze. Die kalifornische Firma Funboy versucht mit dem Butterfly Float, Komfort und Stil zu vereinen. Das Modell, entwickelt in Zusammenarbeit mit Missoni, ist mit den typisch bunten Mustern der Modemarke versehen. Die Flügel des aufblasbaren Schmetterlings bieten die nötige Fläche für Sonnenanbeter-Haltung (ca. 130 Euro, funboy.com).

Storytelling ist in der Mode ein reichlich ausgeleierter Begriff. Angeblich verkauft sich jedes Produkt zigmal besser, wenn eine Geschichte damit verbunden ist. Rhumaa ist eine junge niederländische Marke, bei der die Stränge der Geschichte scheinbar weit auseinanderliegen: in Amsterdam und Kapstadt. Und in diesem Fall ist Storytelling wirklich zutreffend. Für seine lässigen, sehr tragbaren Entwürfe arbeitet das nachhaltige Label mit afrikanischen Künstlern zusammen, deren Werke die Grundlage für die grafischen Prints bilden. Im Hemd der Kollektion "Holding onto Wholeness" zum Beispiel steckt ein Stück der Geschichte von Sthenjwa Lutuli. Der 26-Jährige beschäftigt sich mit der Spannung zwischen modernen Lebensformen und der traditionellen Kultur seiner Heimat Südafrika. Ein Teil des Erlöses von Rhumaa geht an die Förderung junger Künstler (rhumaa.com).

So explizit politisch ist Laufstegmode selten: Der dänische Designer Reza Etamadi hat seine Models bei der Copenhagen Fashion Week in Niqab und Hijab gehüllt - zwei traditionelle muslimische Kopfbedeckungen. Andere Models trugen Polizeiuniformen und überreichten den Verschleierten Blumen. "Ich habe die Pflicht, die Rede- und Gedankenfreiheit aller Frauen zu unterstützen", sagte der Gründer des Labels MUF10 zu seiner Aktion. In Iran, wo Etamadi geboren wurde, kämpften Frauen für das Recht anzuziehen, was sie wollen - und seit dem neuen dänischen "Bedeckungsverbot" für Gesichtsschleier sieht der Designer die Freiheit der Frauen auch in seiner neuen Heimat gefährdet. "Kein Mann sollte entscheiden, was Frauen zu tragen haben."

Die Düfte dieses Sommers riechen nach frischer Wäsche. Mehrere Hersteller haben neue Kreationen lanciert, die an den Geruch strahlend weißer Bettlaken erinnern sollen, die im Wind flattern - diese Assoziation legen allein die Namen nahe: "Blanche" von Byredo oder "Warm Cotton" von Clean. Dem dürfen die schicken Berliner Duftmanufakturen natürlich nicht nachstehen, auch wenn ein unschuldig reinliches Aroma nicht unbedingt das ist, was man mit der Stadt verbindet. Das Label "Frau Tonis Parfum" hat seine neue Komposition nach dem guten alten Waschsalon benannt, was auf Englisch natürlich hübscher klingt. Laundrette riecht nach Freesien, weißen Blüten, schwarzen Johannisbeeren - kurz: Sonntagmorgen auf dem Land (50ml kosten 70 Euro).

Dass Männer Mode für Frauen auf dem Laufsteg präsentieren, ist nicht neu. Andrej Pejic, der inzwischen zu Andreja Pejic geworden ist, machte das 2011 vor - auf der Pariser Fashion Week in langer Robe von Jean Paul Gaultier. Umgekehrt ist das Phänomen selten. Casey Legler war die erste Frau, die bei der Agentur Ford Models als Männermodel unter Vertrag genommen wurde. Damals war sie 36 und hatte eine Karriere als olympische Schwimmerin hinter sich. Jetzt sind Leglers Memoiren unter dem Titel "Godspeed" erschienen. Die Amerikanerin, mit zwölf Jahren bereits 1,88 Meter groß, sagte einmal in einem Interview: "Ich wurde in Männerkleider gesteckt, weil ich in Männerkleider passte." Inzwischen hat sich Legler vom Modeln weitgehend zurückgezogen. Die 41-Jährige engagiert sich als Gender-Aktivistin und lebt mit ihrer Frau in New York. In ihrer Autobiografie beschreibt sie, wie ihre Jugend von einem existenziellen Gefühl geprägt war: anders zu sein.