Kopien in der Mode Louboutin klagt, wenn ein anderer Schuhe mit roter Sohle produziert

In Europa gibt es im Gegensatz zu Amerika immerhin das "Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb". Aber bis eine "sklavische Nachahmung" tatsächlich festgestellt wird, muss man sich schon sehr dreist bedienen. Meist sind es ohnehin eher kleine Marken, die klagen, wenn sie das Gefühl haben, beklaut worden zu sein.

Dieser goldfarbene, plissierte Lamérock gehört zur aktuellen Kollektion des belgischen Designers Dries Van Noten. Ein erstaunlich ähnliches Exemplar gibt es bei H&M - für weniger als zehn Prozent des Preises. Fotos: dpa, PR

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Und natürlich Christian Louboutin, der zuverlässig vor Gericht zieht, wenn irgendwo Pumps mit roter Sohle auftauchen, seinem Markenzeichen. Gegen Yves Saint Laurent hatte er Erfolg, gegen Inditex aber, den Mutterkonzern von Zara, verlor er mit der Begründung, 49-Euro-Schuhe könne man mit seinen zigmal so teuren nicht verwechseln.

"Sorgen mache ich mir erst, wenn ich nicht mehr kopiert werde"

Miuccia Prada, mit ihren Linien Prada und Miu Miu eine der meistkopierten Designerinnen unserer Zeit, erklärte dagegen kürzlich, ihr Job sei es, etwas Interessantes mit Ideen anzufangen. Wenn die dann kopiert würden, sei ihr das völlig egal: "I couldn't care less".

Céline-Designerin Phoebe Philo erzählte der amerikanischen Vogue, auch Freunde von ihr besäßen Kopien, selbst ihre Mutter habe eine nachgemachte Tasche. "I love it!", sagte sie. "Sorgen mache ich mir erst, wenn ich nicht mehr kopiert werde." Ein Standard-PR-Satz, den mancher Designer wahrscheinlich selbst nicht glaubt, der aber so falsch nicht sein dürfte.

Es ist nämlich gar nicht bewiesen, dass die Fast-Fashion-Konzerne das Geschäft der großen Luxuslabels beeinträchtigen. Im Gegenteil, die Umsatzzahlen von vielkopierten Labels wie Prada, Céline, Givenchy oder Isabel Marant steigen deutlich, statt zu sinken. Und schaut man sich die Preisentwicklung über die letzten Jahrzehnte an, so haben die Preise der Spitzen-Labels deutlich angezogen, während die für Kleidung im mittleren Bereich relativ stabil geblieben sind.

Der Modekonsum ist wie das Anfüttern mit sanften Drogen

Trotzdem verkauft sich das teure Chanel-Jäckchen vorzüglich. Würde es tatsächlich im direkten Wettbewerb mit all den Chanel-Kopien stehen, müsste der Preis nachgelassen haben, argumentieren Wirtschaftswissenschaftler. Sie legen nahe, worauf auch die Luxuskonzerne hoffen: dass die Kunden, die Kopien tragen, sich nur marginal mit denen überschneiden, die das Original kaufen.

Im besten Fall konvertieren sie sogar irgendwann. Glaubt man der "Knockoff Economy" der Juraprofessoren Christopher Sprigman and Kal Raustiala, ist der Modekonsum von "Fast Fashion" wie das Anfüttern mit soften Drogen. Die Kunden werden auf den Geschmack gebracht und wollen später doch den harten Stoff, das echte Label. Gerade junge Käufer sind durch Blogs und Magazine gut informiert.

Auch in Deutschland werden, wenn auch weniger offensichtlich, die Trends vom Laufsteg mit günstigen Marken übersetzt. Eine Redakteurin der New York Times schrieb einmal eine Reportage darüber, wie sie der Zara-Kopie ihres liebsten Designerteils nach Europa hinterherjettete. Die echten Marken verlieren ihre Strahlkraft dadurch nicht. Ihr Einfluss auf das, was die Leute auf der Straße tragen, wird sogar größer.