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Kopien in der Mode:Wie Anfüttern mit sanften Drogen

Ein Kleid, ein Statement: Schwarze und weiße Blockstreifen, arrangiert von Lanvin (oben) und von Mango (rechts).

(Foto: style.com; PR)

Dior oder Zara, Givenchy oder H&M: Kurz nachdem die Designer ihre neue Mode auf den Schauen gezeigt haben, ziert sie auch schon die Schaufenster der Billigketten. Davon profitieren aber längst nicht nur die Kopisten.

Der Etuirock mit seitlichen Plisseefalten? Erinnert ziemlich an ein Kleid von Victoria Beckham aus der aktuellen Sommerkollektion. Dieser "Arty-Print" mit wilden Pinselstrichen? Ganz klar: Céline. Und das nudefarbene Trägerkleid mit der luftigen Naht an der Taille? Ah, Moment, das ist ein bisschen schwieriger zuzuordnen. Chloé? Nein, Valentino - letzter Sommer!

Für Leute, die sich mit Mode auskennen, ist ein Besuch bei Zara, H&M oder Mango ein bisschen wie Memory spielen. Überall hängen Teile, die zusammen mit einem Designerentwurf ein Pärchen bilden. Manchmal ist die Ähnlichkeit eher subtil, immer öfter sehen sich Original und Kopie aber zum Verwechseln ähnlich. Die Designteams der großen Ketten machen sich nicht mal mehr die Mühe, die Inspiration zu verbergen. So, wie bei dem Sweatshirt mit dem Aufdruck: "Studio Zara 5th Avenue NYC", das im Februar in den Läden hing. Geradezu eine Parodie auf das Acne-Vorbild mit der Aufschrift "Acne Studios, L.NYG. 23.", der Firmenadresse des schwedischen Labels. In den Zara-Studios in Galicien müssen sie sich schlapp gelacht haben beim "Entwerfen".

Selbst Kate Middelton trägt Zara

Und die Schweden? Tun so, als gäbe es dazu gar nichts zu sagen. Das Prinzip des hemmungslosen Sich-Bedienens bei den Entwürfen anderer ist schlicht normal geworden. Selbst Kate Middleton trägt Zara, Kate Moss kopiert ihren Kleiderschrank für Topshop. Schämte man sich früher noch ein bisschen, eine Kopie zu tragen, wird heute eher anerkennend bemerkt, wenn etwas gut nachgemacht ist. Betrug? Nicht doch. Für die meisten ist genau das die "Demokratisierung der Mode".

In Spanien, dem Mutterland von Mango und Zara, gehört es zum Volkssport, die Kopie und das dazugehörige Original zu entdecken. Selbst die spanische Vogue betreibt eine Online-Seite namens "Devil wears Zara", wo unter dem Motto "Attacke der Klone" die frechsten Kopien den Originalen gegenübergestellt werden: Fendi, Céline, Miu Miu, Seite an Seite mit ihren günstigeren Klonen. Anfangs sollen die Marken entsetzt gewesen sein, mittlerweile regt sich kaum mehr jemand auf.

Vor dem Gesetz ist Mode ein Gebrauchsgegenstand

Warum nicht? Weil es nichts bringt. Vor dem Gesetz ist Mode keine Kunst, die sich leicht mit Copyright schützen ließe, sondern ein Gebrauchsgegenstand und deshalb, grob gesagt, etwa so individuell wie Butterschmalz. Geklaut wurde schon zu Coco Chanels Zeiten: Ihre Entwürfe wurden von US-Departmentstores imitiert. Eine Varianz beim Ausschnitt, eine andere Knopfleiste genügt bereits, um die Kopie legal zu machen

Schließlich wird kein falsches Designerlabel eingenäht, also nicht der geschützte Markenname und das Logo missbraucht - dann wäre es eine Fälschung und keine Kopie - sondern sich "nur" ein bisschen bei Schnitt und Optik bedient. Bei Mango heißt das offiziell "Kommerzialisieren von Trends".

In Amerika versuchen Designer neuerdings, zumindest Handtaschen, ihre Cash Cows, mit Patenten schützen zu lassen. Für einen Blazer geht so etwas nicht, für ein neues Taschenmodell schon. Balenciaga hat sich unter anderem einen Raffia-Shopper mit seitlichen Schnallen eintragen lassen, Alexander Wang die runden Nieten unter seiner "Rocco Bag". Sind die Nieten allerdings deutlich anders, ist der "Knockoff" schon wieder legal.