Koch auf Luxusyachten Mal kurz mit dem Helikopter zum Einkaufen fliegen

Yacht-Koch Stephan Staats an Deck seines Arbeitsplatzes.

(Foto: Justyna Krzyzanowska)

Stephan Staats kocht für die Superreichen auf ihren Yachten. Im Interview verrät er, wie es hinter den Kulissen zugeht - und mit welchem Rezept er jeden verzaubert.

Von Jacqueline Vieth

Stephan Staats arbeitet da, wo andere gerne Urlaub machen würden. Der 43-Jährige aus Solingen kocht den größten Teil des Jahres auf den Luxusyachten der Superreichen. Wie sich sein Job von dem eines normalen Kochs unterscheidet, wie man mit Sonderwünschen umgeht und welches Rezept jeder mag, verrät er im Gespräch.

Herr Staats, was ist das Besondere, wenn man auf einer Yacht kocht?

Man kommt nie nach Hause. Auch nach einer 15- oder 16-Stunden-Schicht ist man nie weg vom Arbeitsplatz. Man hat wenig Privatsphäre, manchmal teilt man sich eine Koje mit anderen Leuten. Die größte Herausforderung aber ist das Improvisieren. Allein wegen der Zutaten. Man plant natürlich viel im Voraus. Aber manchmal weiß ich nicht, wo wir am nächsten Tag anlegen, wo meine Waren herkommen.

Was tun Sie dann?

Wenn die Yacht-Eigner auf den Galapagosinseln Tomate-Mozzarella essen wollen und ich keinen habe, dann mache ich den Käse eben selbst. Wenn ich Guacamole brauche, aber keine Avocados habe, dann blanchiere ich Salat, gebe Gewürze, Öl oder eine Nussbutter hinzu und püriere alles. Schmeckt etwas anders, aber optisch ist es das Gleiche.

Schlemmen wie die Superreichen

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Ihre Chefs haben doch sicher auch mal Sonderwünsche ...

Aber sicher, ich bin deshalb auch schon mal im Helikopter zum Einkaufen geflogen und mit dem Privatjet kurz nach London, weil ich eine spezielle Sojasauce gebraucht habe. Es gibt viele unterschiedliche Vorlieben. Eine Yacht-Eignerin wollte zum Beispiel nur Weißes essen. Für diese Dame habe ich dann Gerichte mit Spargel oder weißer Aubergine kreiert. Sie aß außerdem nur eine Auswahl bestimmter Lebensmittel, die ihr ein Guru speziell für ihre Blutgruppe empfohlen hatte. Und dann war da dieser Siebenjährige, der sein Ei immer exakt ...

Moment: Ein Siebenjähriger, war das Ihr Chef?

Ja, da sind die Menschen immer sehr überrascht. Er besaß seine eigene Yacht, ich hörte, er habe sie zu seinem Geburtstag bekommen. Ein pfiffiges Kerlchen, das genaue Vorstellungen hatte. Jedenfalls wollte er sein Frühstücksei nicht hart oder weich, sondern immer exakt 4:23 Minuten gekocht serviert bekommen. Für ihn habe ich ganze 42 verschiedene Sorten Eis hergestellt, da er so auf Eiscreme stand. Einmal haben wir eine Sorte gemeinsam entwickelt, weil er wissen wollte, wie das Eismachen funktioniert: Wir haben ein Eis aus 4:23-Minuten-Eiern gemacht. Hat ihm nicht geschmeckt.

Ihr Leben scheint wahnsinnig aufregend zu sein. Sicher beneiden Sie viele um Ihren Job ...

Das kann sein, ja. Ich habe aber auch hart dafür gearbeitet, da zu sein, wo ich heute stehe. Wenn andere Hochzeiten, Geburtstage oder Familienfeste gefeiert haben, habe ich gearbeitet. Der Beruf des Kochs ist hart, der eines Yachtkochs noch viel härter.

Das klingt, als wäre das nicht immer leicht. Familie oder eine Beziehung erscheint schwierig unter solchen Umständen.

Das stimmt, ich konnte mir das aber auch noch nie vorstellen: Haus im Vorort, Frau, Kinder, dickes Auto, Nine-to-five-Job. Klar, stellenweise ist man extrem einsam. Aber mich zwingt niemand zu meinem Leben, ich mache das freiwillig. Ich habe mich für das entschieden, was mir wichtig ist. Dazu gehört auch mein Engagement bei der Hilfsorganisation MOAS, die Flüchtlinge in Seenot rettet. Ich koche dort für die Crew, verteile Decken und Wasser. Seit ich das mache, fühle ich mich wie ein echter Seemann. Mein Leben, so wie es ist, bedeutet Freiheit für mich. Und die ist mir wichtiger als alles andere. Aber wer weiß, wenn irgendwann mal die richtige Frau auftaucht ...