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Kirchennutzung:Gottes Häuser

Gemeinde will Kirche versteigern

Das Anfangsgebot für die Kirche St. Paulus in Altena liegt bei 99 000 Euro, inklusive Pfarrhaus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Viele Kirchen stehen in Ermangelung von Gläubigen leer. Sie werden verkauft oder versteigert, zum Beispiel an diesem Wochenende im Sauerland. Und dann?

Das Zierfischbecken, das sich der gewesene Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst für seine teuflisch teure Residenz in Limburg hat bauen lassen (und für die Koi-Karpfen, die in der Genesis als "Fische im Meer" und nicht als Zierfische in Limburg gelistet sind), hat damals 213 000 Euro gekostet. Schon mit dem Gegenwert eines halben Beckens könnte man an diesem Samstag die Kirche St. Paulus im sauerländischen Altena ersteigern. Das Einstiegsgebot für die bereits vor 14 Jahren profanisierte, also aufgelöste, katholische Kirche, die seither erfolglos zum Verscherbeln steht, beginnt bei 99 000 Euro. Inklusive Pfarrhaus. Ein Schnäppchen. Das Limburg-Projekt kostete mehr als dreißig Millionen Euro.

Kletterkirche Mönchengladbach

In der ehemaligen Pfarrkirche St. Peter befindet sich heute die Kletterkirche Mönchengladbach.

(Foto: Roland Weihrauch/picture alliance)

Das für Altena zuständige Bistum hat der Auktion unter bestimmten Voraussetzungen zugestimmt. Dem Onlinemagazin Kirche und Leben zufolge ist "bei der künftigen Nutzung der Betrieb von Bordellen oder sonstigen Einrichtungen des Rotlichtmilieus ausgeschlossen". Auch "nichtchristliche" Religionen dürfen nicht mitsteigern. Bevor man das jetzt zusammendenkt und zum Ergebnis kommt, dass Huren, Freier, Zuhälter und beispielsweise Muslime leider draußen bleiben, ist zu sagen: Was in Altena an diesem Wochenende passiert, ist keineswegs so bizarr wie das, was sich die Kirche unter dem nichtchristlichen Rotlicht vorstellt. Übrigens: Der französische Philosoph Michel Foucault hat einmal gesagt, dass Bordelle, Gefängnisse und Kirchen etwas verbinde: Das seien "Heterotopien", nämlich Räume, denen das Anderssein in einer sonst durchfunktionalisierten Welt gemeinsam sei.

Vom Sakralen zum Profanen: In einer gotischen Kirche aus dem 13. Jahrhundert im niederländischen Maastricht residiert heute die Buchhandlung Selexyz Dominicanen.

(Foto: imago stock&people)

Der Soziologe Nico Nelissen schreibt jedenfalls in dem (von Oliver Meys und Birgit Gropp herausgegebenen) kundigen Buch über "Kirchen im Wandel": "Die Säkularisierung der Gesellschaft hat viele Folgen, unter anderem den Leerstand, die Umnutzung und auch den Abriss von Kirchen. Die Umnutzung von Kirchen ist ein Phänomen aller Zeiten und Länder. Spezifisch für das aktuelle Phänomen der Kirchenumnutzung ist jedoch die Schnelligkeit, mit der sich dieser Prozess vollzieht."

In der ehemaligen evangelischen Kreuzkirche in Köln ist seit 2010 eine Jugendherberge untergebracht.

(Foto: imago stock&people)