Haben & Sein:Royale Duftnoten

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Beim niederländischen Fotografen Paul Kooiker erzählt jedes Bild eine Geschichte. Nur welche? (Foto: Paul Kooiker)

Das Parfüm von King Charles, der Lieblingsfotograf der Fashionszene und Kerzenständer von Volkswagen - die Stilnews der Woche.

Von Anne Goebel, Julia Rothhaas, Max Scharnigg und Silke Wichert

In den Räumen von Armani/Silos Mailand läuft gerade eine Ausstellung über den legendären Fotografen Guy Bourdin, die allein schon deswegen sehenswert ist, weil es viele solcher Modebilder so heute nicht mehr geben würde. Hochästhetisch, hedonistisch, kreativ, humorvoll - aber oft auch suggestiv, sexistisch, strenggenommen sogar Gewalt verherrlichend. (Nicht wenige Stylisten und Fotografen trauern diesen "freieren" Zeiten ein bisschen hinterher.) Ebenfalls sehr sehenswert und für interessierte Besucher wahrscheinlich leichter zu erreichen: "Smooth Cotton" mit Bildern von Paul Kooiker in der Galerie Zink Waldkirchen. Der Niederländer gehört in den vergangenen Jahren zu den gefragtesten Fotografen der Modewelt, obwohl oder gerade weil seine Bilder wenig mit der zeitgenössischen Modefotografie gemein haben. Acne Studios beauftragt ihn regelmäßig für ihre Kampagnen, das Cover der ersten italienischen Harper's Bazaar stammt ebenfalls von ihm. Kooiker bildet nicht einfach nur ab, er inszeniert seine Motive wie eine Filmszene (irgendwo zwischen Film Noir und Surrealismus), sie entwickeln ihr eigenes Narrativ, geben Rätsel auf, machen neugierig. Schuhe scheinen mit ihren Schatten zu Insekten zu mutieren, Prominente nehmen ungewöhnliche Posen und Charaktere ein, Details von Kleidern werden zum eigentlichen Hingucker. In seinem Atelier in Amsterdam arbeitet er viel mit Pappe, Staub und Rauch und erstaunlicherweise entstehen seine geheimnisvollen Bilder - meist in Schwarz-Weiß - alle mit einem iPhone ( zink-waldkirchen.de, noch bis 7.5.).

Des Königs Duftwasser. (Foto: Penhaligon)

Schöne Parfümmarken gibt es viele, aber kaum eine verkörpert britische Distinktion und aristokratische Noblesse so perfekt wie das Traditionshaus Penhaligon's. Vor etwa 150 Jahren aus einem Barbier-Geschäft in der Londoner Jermyn Street hervorgegangen, gehört es mit seinen klassischen Düften zur Grundausstattung jeder Gentlemen-Garderobe und ist Pflichtaccessoire in den zugigen Badezimmern englischer Landsitze. Nach einigen recht exaltierten neuen Düften in der jüngeren Vergangenheit, ist mit "Highgrove Bouquet" jetzt wieder ein Instant-Klassiker ins Programm gewandert, der diesmal sogar ganz konkret mit königlichen Weihen wirbt. Er wurde explizit für King Charles III. entworfen und soll vom Monarchen auch tatsächlich getragen werden, zumindest munkeln das gutunterrichtete Kreise. Kein Wunder - inhaltlich ist der pudrig-blumige Duft von den Silber-Linden rund um Highgrove House inspiriert worden, dem Landsitz von König Charles. Außerdem geht ein Teil der Erlöse des königlichen Odeurs an Charles' wohltätige "The Prince's Foundation". Lindenblüten am Morgen, dazu aber auch Noten von Tuberose, Iris und Zedernholz - den Unisex-Anspruch des neuen Parfüms dürfte nicht jeder Mann gleich erkennen. Aber ein bisschen Exzentrik gehört ja auch zur britischen Lebensart und allein der Flakon des Hoflieferanten adelt auch zutiefst bürgerliche Existenzen.

(Foto: Trendshots)

Metallisches Schimmern bleibt in der Mode weiter ein Trend, und bei der Interpretation bieten Spiegelungen natürlich besonders viele Möglichkeiten: Sind die glänzenden Oberflächen ein Sonnenlicht-Verstärker, weil es in dunklen Zeiten nach einem Jahr Krieg wenigstens beim Outfit nicht hell genug sein kann? Geht es bei all den Silberhosen, -blazern und Pumps um eine Hommage an die Raumfahrt, also um reinste Weltflucht, oder sind sie Sinnbild unserer Zeit, in der jeder nicht genug vom eigenen Spiegelbild bekommen kann? Wenn es nach der TikTok-Community geht, die den Disco-Look von Kopf bis Fuß ausdauernd feiert, sind solche tiefschürfenden Überlegungen allerdings überflüssig - einfach mitmachen beim großen Glitzern. Ein sparsam dosierter Einstieg für Neulinge, die noch fremdeln mit dem Selbstbild als Ziggy Stardust, könnte ein knappes Oberteil sein, hier von dem dänischen Label Ganni - praktischer Nebeneffekt: Ultrakurze Jeansjacken gehören ebenfalls zu den großen Trends des Frühjahrs.

Die orangefarbene Achsschraube sollte eigentlich mal ein Radlager befestigen, jetzt hängen an ihr Schlüssel, Jacken und Schals. (Foto: thomas koy post@thomaskoy.de)

Aus alten Lastwagenplanen werden Umhängetaschen, aus PET-Flaschen gefütterte Jacken und aus Plastikmüll, das im Meer herumschwimmt, Armbänder. Sogar gebrauchte Essstäbchen aus Asia-Restaurants bekommen inzwischen ein zweites Leben: Aus ihnen kann man Rollcontainer und Schreibtischplatten machen. Ideen rund ums Upcyling gibt es genug. Nun werden unter dem Begriff "repurpose", also umfunktionieren, auch noch die Produkte verwertet, die eigentlich für etwas ganz anderes gedacht waren und aufgrund winziger Mängel aussortiert wurden. Das Start-up Zweitwerk, das zu Volkswagen gehört, nimmt Achsschrauben und -hülsen, Bremsscheiben und Lenkriemen aus der Automobilproduktion und macht sie zu Kerzenständern, Garderoben, Schlüsselanhängern und Wanduhren. Dass sie eigentlich ein Radlager fixiert, daran denkt niemand mehr bei der massiven Achsschraube, die dann als Garderobenhaken in leuchtorange, azurblau oder seidengrau lackiert in einem runden Stück Eichenholz steckt (Haken 34,90 Euro und Kerzenständer 24,90 Euro, zweitwerk-shop.de)

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