Kalender 2018:Kein Plan war gestern

Langweilige Taschenkalender gibt es viele. Wie wäre es 2018 mit etwas anderem? Eine kleine Auswahl für Selbstoptimierer, Achtsamkeitsjünger, DIY-Fans und Leute, denen es nur aufs Äußere ankommt.

Von Felicitas Kock

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(Foto: Hope House Press/Unsplash)

Sollten Ihnen mal die Gesprächsthemen ausgehen, fragen Sie Ihr Gegenüber, ob es einen Kalender benutzt. Einen echten, analogen. Fällt die Antwort positiv aus, können Sie anschließend garantiert mehrere Stunden über Spleens konversieren. Wer heute noch mit Stift auf Papier schreibt, hat mindestens einen kleinen Tick - das zeigt sich meist schon am Kalender selbst. Da ist die Großmutter, die sich jeden Tag das Wetter notiert. Oder die junge Kollegin, die Aufgaben mit Bleistift einträgt und Erledigtes ausradiert. Radiergummibrösel säumen ihren Weg. Was die wenigsten wissen: Abseits von Marken wie Moleskine und Leuchtturm gibt es heute für nahezu jedes Nutzungsszenario das perfekte Kalendermodell. Hier ein paar Beispiele.

Der kleine Japaner

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(Foto: Hobonichi Techo)

Auf den ersten Blick wirkt der Hobonichi Techo ausgesprochen seriös - und so gediegen, als stecke eine Jahrhunderte währende Geschichte zwischen den schwarzen Deckeln mit den goldenen Schriftzeichen. Tatsächlich erschien der Taschenkalender zum ersten Mal 2002, mit einer kleinen Auflage von gerade mal 12 000 Stück. Seitdem hat sich am Design wenig geändert: Für jeden Tag gibt es in dem kleinen DIN-A6-Büchlein eine karierte Seite mit einer 24-Stunden-Zeitleiste, gedruckt auf robustem Papier. Hinzugekommen sind der tägliche Sinnspruch am unteren Rand, etwa über Tetris oder die Kunst des Frühstückens, sowie im Abschluss des Buchs ein paar Seiten mit japanischen Sagen.

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(Foto: Hobonichi Techo)

Mittlerweile ist die Auflage auf 670 000 Stück gestiegen. Es gibt vier Modelle, darunter ein englisches, sowie unzählige bunte Schutzhüllen zur individuellen Gestaltung. Falls Ihnen nach Gesellschaft ist, verfügt der Hobonichi Techo über eine internationale Fangemeinde, die sich regelmäßig trifft, zuletzt 2017 in Manila. Für viele Nutzer ist das Büchlein nicht nur Kalender, sondern auch Tagebuch und Scrapbook. Kalender-Chefredakteur Shigesato Itoi spricht von einer Art "Autobiographie", die manche in ihrem Hobonichi Techo Stück für Stück anfertigen würden. Wer ähnliches plant, sollte davon ausgehen, dass das Buch spätestens Ende Oktober so vollgemalt und beklebt ist, dass man es eigentlich nicht mehr verwenden kann. Auch hier gibt es Abhilfe: Das Modell Original Avec, bestehend aus zwei Büchern für je ein halbes Jahr. Erhältlich leider nur auf Japanisch. Für: Freunde der japanischen Kultur. Menschen, die gerne auf Karopapier schreiben. Leute, die darüber nachdenken, später einmal ihre Autobiografie zu veröffentlichen.

Der Leistungssteigerer

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(Foto: Best Self/uk.bestself.co)

Für manch verplanten Menschen beinhaltet ein neuer Kalender das Versprechen, das eigene Leben auf die Reihe zu bekommen. Keine verpassten Geburtstage mehr, keine überschrittene Deadline beim nächsten Projekt und nie mehr das Fitnesstraining verpassen - weil es ja jeden zweiten Tag im Taschenplaner steht. Wer einem Kalender derart große Macht zutraut, für den eignet sich zum Beispiel das Self Journal. Die US-Architektin Cathryn und der Vertriebler Allen, die auf ihrer Internetseite amerikanisch nachnamenlos erscheinen, geben an, mehr als zwei Jahre lang erfolgreiche Geschäftsleute begleitet zu haben, um - Achtung - "herauszufinden, was herausragende Performer von normalen Menschen unterscheidet". Das Ergebnis: die Fähigkeit zu planen, den Plan umzusetzen und den Fortschritt sichtbar zu machen.

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(Foto: Cathryn Lavery/Unsplash)

Das Datum ist beim Self Journal selbst einzutragen. Wer mit der Selbstoptimierung also erst nach Heiligdreikönig starten will: kein Problem. Es ist nur Platz für 13 Wochen, weil das laut Cathryn und Allen der perfekte Zeitraum ist, um ein Ziel zu erreichen. Wer darüber hinaus noch Ziele hat, muss sich eine ganze Box bestellen. Ansonsten ist der Planer nach Tagen unterteilt, was nicht wahnsinnig innovativ wirkt, aber ebenfalls als sehr zielführend angepriesen wird. Auf jeder Seite gibt es neben einer Zeitleiste Felder für das Gesamtziel, drei Tagesziele und Dinge, die man an dem jeweiligen Tag gelernt hat. Für: Perfektionisten und Leute, die es werden wollen. Menschen, die Fitnessarmbänder tragen und jeden Tag 10 000 Schritte gehen. Oder es sich zumindest vornehmen.

Der Achtsame

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(Foto: Ein guter Verlag)

Ja, so ein Kalender kann helfen, noch aus der letzten halben Minute des optimierten Selbsts das Maximum herauszuholen. Das Gegenteil wollen die Gründer Milena Glimbovski und Jan Lenarz mit "Ein Guter Plan" erreichen. Das Buch, erhältlich in 9 Farben mit Leineneinband und Goldprägung, stellt für 2018 mehr Achtsamkeit und Selbstliebe in Aussicht. Ein Versprechen, mit dem sich heute - genau wie mit dem Stichwort Selbstoptimierung - eine Menge Kunden finden lassen. Im Kalender schlägt sich die ganzheitliche Philosophie in einer Achtsamkeits-Ampel nieder (um Stressmuster zu erkennen), in einem wöchentlichen Tipp für mehr Selbstliebe und einer Seite Selbstreflexion am Ende des Monats.

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(Foto: Ein guter Verlag)

Die Geschichte hinter dem guten Plan geht so: Glimbovski eröffnete 2014 in Berlin Kreuzberg mit "Original Unverpackt" den ersten Laden, in dem Lebensmittel ohne Verpackung angeboten werden. Lenarz gehört die nachhaltige Extremsportmarke Vehement. Beide hatten als junge Gründer viel zu tun. Zu viel. Im Kampf gegen die Selbstausbeutung legten sie sich Techniken zurecht, die sie dann in ihrem Kalender bündelten und in einem Blog veröffentlichten. Die Resonanz auf die Crowdfunding-Kampagne war enorm. Und so gibt es neben dem guten Plan jetzt noch den Guten Plan Pro (weniger Achtsamkeits-Klimbim, mehr Business, seriösere Farben), außerdem Aufkleber, Postkarten, Jutebeutel, etc. Für: Menschen, die mit dem Achtsamkeits-Konzept wirklich etwas anfangen können. Alle anderen dürften schnell genervt sein von der Frage, ob sie im Januar Dankbarkeit artikuliert oder im Februar versucht haben, eine positive Einstellung zu entwickeln.

Der Selbstgemachte

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(Foto: Ryder Carroll / bulletjournal)

Selbstoptimierung, Achtsamkeit - fehlt da nicht noch etwas? Richtig! Es wären nicht die Zehnerjahre, gäbe es keine Do-it-yourself-Kalenderidee. Und damit ist nicht der selbstgebastelte Fotokalender mit klebrigem Prittstiftrand gemeint (so 2001). Mittlerweile wurde das Ganze professionalisiert. Und schick gemacht. Und ja, es hat eine auch eine eigene Internetseite.

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(Foto: Ryder Carroll / bulletjournal)

Auf www.bulletjournal.com zeigt Ryder Carroll, wie man aus einem einfachen Heft seinen ganz persönlichen Kalender erstellt. In dem Erklär-Video beschreibt der Produktdesigner aus Brooklyn sein Monats-, Wochen- und Tages-System und gibt Ideen für die Kennzeichnung von Terminen, Hinweisen, unerledigten und erledigten Aufgaben. Das Ganze will er als Anregung verstanden wissen - am Ende soll jeder seine eigene Methode finden. Für: Marmelade-Einkocher. Menschen, die kein Geld für einen Kalender ausgeben wollen und solche, die denken, sie könnten alles besser.

Die Schönen

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(Foto: Rifle Paper Co)

Was soll man sagen, manchen Menschen sind die inneren Werte eines Kalenders schnurzpiepegal. Deshalb an dieser Stelle eine kleine Auswahl wenig innovativer aber wirklich gutaussehender Exemplare: Mit Blumen von riflepaper (im Bild). Mit großen Zahlen von Marjolein Delhaas. Mit coolem Designcover von Els & Nel. Mit Stifthalter von tyyp.

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