Kaffeetrend Kalter Kaffee? Ja, bitte!

Kalter Kaffee - alles andere als Schnee von gestern.

(Foto: Hans gerlach)

Er hat uns durch einen der heißesten Sommer begleitet: Kalter Kaffee ist besser als sein Ruf. Loblied auf ein unterschätztes Getränk.

Von Violetta Simon

Kalter Kaffee ist wie Schnee von gestern - total überholt. Mal abgesehen davon, dass es nicht gerade originell ist, die eine Metapher mit einer anderen zu erklären: Beim Kaffee ist es gerade der Mangel an Originalität, der ihn in Zeiten wie diesen so außergewöhnlich macht.

Der beste Kaffee des Sommers 2018 genügt sich selbst, ja, er kommt selbst ohne dampfende Aromawolken aus. Schwarz und eiskalt, ohne "zero" oder "light", hat der kalte Kaffee uns durch einen der heißesten aller rekordverdächtigen Jahrhundertsommer gebracht. Anders als seine Schaumschläger-Kollegen und Pink-Latte-Ladies, hielt er - ganz ohne Gedöns und Schaum - die Ermatteten wach und kühl, wenn die Hitze sie von außen allmählich durchgarte.

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Was hat man dem Kaffee in den vergangenen Jahren nicht schon alles angetan. Hipster schütten Butter oder Kokosöl hinein (Bullet Proof Coffee). Vietnam-Fans mischen Espresso mit dickflüssiger, süßer Kondensmilch (Cà phê sữa đá) oder Eigelb und Zucker (Egg Coffee). Selbst heiße Milch, Rote-Beete-Saft und Honig (Pink Latte) blieb ihm nicht erspart. Und weil immer mehr Menschen von ihrem Kaffeegetränk Superfood-Kräfte erwarten, muss er seine Kanne neuerdings mit pulverisierten Vitalpilzen aus China (Mushroom Coffee) oder Wachmacher-Knollen aus Peru (Maca-Coffee) teilen.

All diese Zutaten hat der Koffein-Held dieses Sommers nicht nötig. Er gelingt am besten, wenn man ihn nach dem Aufbrühen in Ruhe lässt. So lange, bis er jenen Zustand erreicht hat, in dem ihn der gemeine Deutsche bestenfalls noch in die Blumen gießen würde: kalt. Damit ist er reif für den Kühlschrank und - je nach Geschmack mit etwas Zucker und ein paar Eiswürfeln verfeinert - im Handumdrehen zur Stelle, wenn der erhitzte Kopf auf die Tastatur zu fallen droht.

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Genau deshalb hat kalter Kaffee es auch nicht verdient, dass man ihn jetzt, wo die Tage wieder kälter werden, einfach vergisst - oder tatsächlich in die Blumen gießt. Was spricht dagegen, statt koffeinhaltiger Limonade eine Karaffe mit kaltem Kaffe im Kühlschrank aufzubewahren? Oder aber sich je nach Bedarf mal eine kalte, mal eine heiße Variante zu gönnen? Dazu muss der Kaffe noch nicht einmal bei der Zubereitung aufgebrüht werden - die Kunst des "Cold Brew" macht's möglich.

Mindestens acht Stunden sollte der Sud ziehen, der zuvor, wie der Name erahnen lässt, kalt angesetzt wird und über Nacht im Kühlschrank bleibt, bevor man ihn filtert. Das Verfahren setzt kaum Bitterstoffe und Säuren frei, dafür mehr Röstaromen, so dass der Kaffe sanfter und süßlich schmeckt. In der nächsten Kaffeepause wird der Extrakt mit zwei Drittel heißem - oder kaltem - Wasser aufgegossen.

Wer in der kühlen Jahreszeit lieber dampfende Aromawolken aus der Tasse aufsteigen sieht, der kann sich auf ein Wiedersehen im nächsten Sommer freuen. Mit ihm kehrt - im Gegensatz zum Schnee von gestern - der kalte Kaffee zurück.

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