Sogar wir hier im Stil-Teil, die wir Oberflächen für durchaus tiefgründig halten, müssen einräumen, dass es in diesen heillosen Zeiten weit Wichtigeres gibt als Kleidung. Andererseits! Ob man sich in das Elend ergibt oder Widerstand leistet, das ist eben auch eine Frage der Garderobe.
Ein kleiner Streifzug durch die Filmgeschichte zeigt, dass das Leben in geschlossenen Räumen seinen unmittelbaren Ausdruck im Textilen findet, zur Auswahl stehen: der ganz groß parfümierte Auftritt, der elegante Schneewittchenschlaf, das eiserne Fashionistatum, das Vogel-Strauß-Phänomen (sieht mich ja keiner, wenn ich die 17-Uhr-Nachrichten immer noch im Schlafanzug gucke), elaborierte Oversize-Verschlufftheit und die totale Selbstaufgabe. Es ist praktischerweise also für jedes Temperament etwas dabei.
Dass man, ob bei Primark oder Prada, derzeit eher nicht losziehen wird, um sich mit den neuesten Frühjahrstrends einzudecken, eröffnet andererseits auch eine große zweite Chance - für den Kleiderschrank. Da mal wieder tiefer reingeschaut? Schubladen geöffnet, Mottenkugeln beiseite geräumt, in den hinteren Ecken gekramt? Erstaunlich, was sich alles findet! Wohlfühljeans, längst vergessene Lieblings-T-Shirts, ganze Outfits, die als Fehlkäufe abgeheftet waren, und in denen man bei neuerlicher Betrachtung gar nicht mal schlecht dasteht.
Zuletzt noch eine kleine praktische Handreichung fürs Home-Office. Stellen Sie sich vor, der Chef käme auf die verrückte Idee, Ihnen einen Hausbesuch abzustatten, um nachzusehen, ob es Ihnen auch gut geht. Klar soweit? Fein. Schauen Sie jetzt bitte an sich hinunter: Was sehen Sie? Eben.