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Jil Sander präsentiert Männerkollektion:Comeback der "Queen of Less"

Ist sie mit 68 Jahren nicht ein klitzekleines bisschen zu alt? Und ist Jil Sander noch Jil Sander? Diese Fragen stellten sich Fashion-Fans und Modekritiker nach der Rückkehr der deutschen Designerin zu ihrem eigenen Label im Februar. In Mailand gab sie nun selbst Antwort - mit ihrer Männerkollektion.

Nach dem Paukenschlag im Februar rauschten die Interviewanfragen heran, jeder wollte von dieser Geschichte ein Stück abhaben. In Mailand aber blieb es: still. Die Designerin werde sich vorerst nicht äußern, sie arbeite bereits mit Hochdruck an ihrer ersten Kollektion, sie setze sich wie gewohnt die allerhöchsten Maßstäbe, also bitte, bitte: Silenzio! Aus der Konzernzentrale von Jil Sander fluteten Wogen von Nervosität.

Jil Sanders Comeback

Jil Sander feierte in Mailand auf den Männermodenschauen ihr Comeback. Nach der Show zeigte sie sich für einige Sekunden im Showroom an der Piazza Castello.

(Foto: AFP)

Es war ja auch eine seltsame Gemengelage. Da wurde, auf der einen Seite, die Designerin Jil Sander nach sieben Jahren wieder in dem Haus willkommen geheißen, das ihren Namen trägt. Und da wurde, auf der anderen Seite, ihr Vorgänger Raf Simons mit bitteren Tränen und Lorbeerkränzen verabschiedet. Zwei Fragen, die seither im Raum standen: War Jil Sander mit 68 Jahren nicht ein klitzekleines bisschen zu alt? Und: War Jil Sander noch "Jil Sander"?

Eine erste Antwort darauf gab am Samstag um 11 Uhr vormittags ihr eigenes Gesicht, das im Showroom an der Piazza Castello eine Sekunde lang zwischen weißen Säulen hervorlugte. Es war ein dankbares und über die Maßen erleichtertes Lächeln.

Sanfes Colourblocking und grellpinke Schuhsohlen

Die "Queen of Less" hat bei den Mailänder Männermodeschauen ihre erste Kollektion seit sieben Jahren abgeliefert - und da war es wieder, das Jil-Sander-Gefühl. Zurück zum Purismus: klare, unnachgiebig strenge Silhouetten in einem interessanten Spiel mit Längen und Weiten. Die Hosen sind entweder schmal und knöchellang oder schlabbern auf Kniehöhe. Die Jacken kommen mal kurz und kastig, mal in Form von Gehröcken daher - mit und ohne Ärmel. Das Colourblocking von Raf Simons greift Jil Sander wieder auf, aber sanfter, weniger grell: Bei ihr stoßen Cremeweiß und Beige, helles und dunkles Bordeaux aneinander und betonen die Passform. Davon abgesehen darf die Farbe auch mal Gas geben, mit kräftigem Senfgelb und Azurblau und dem Pink, das unter den Schuhsohlen hervorblitzt. Alt sieht diese Kollektion weiß Gott nicht aus.

"Ich bin wieder zu Hause", sagte Jil Sander hinterher. Freilich, es war nur die Generalprobe. Die Premiere kommt dann im September, mit der Damenkollektion.