bedeckt München 11°
vgwortpixel

Stilkritik: Reisburger:Hackfleisch zwischen Körnern

Ein US-Fast-Food-Gigant hat in Japan seit Kurzem Reisburger im Angebot (also Reisfladen statt Semmel).

(Foto: McDonald's Japan)

US-Fastfood-Ketten haben es schwer in Japan. Ihre neue Idee: Gepresster Reis ersetzt die Brothälften. Geschmacklich okay, aber leider unpraktisch.

Für die japanische Ernährungskultur ist der Siegeszug des amerikanischen Hamburgers eher kein Fortschritt gewesen. Das wissen die einschlägigen Fastfood-Ketten wahrscheinlich selbst und versuchen deshalb, ihr Gastland zu versöhnen, indem sie Elemente der nationalen Küche in ihr kalorienreiches Angebot einbauen.

So mag der Reis-Burger entstanden sein, den ein besonders großer Vertreter der schnellen Massenverkostung aus Amerika auf den japanischen Markt geworfen hat. Die Idee ist nicht neu, aber simpel: Statt zwischen zwei Brothälften wird der Hackfleischbratling zwischen zwei Fladen aus gepresstem Reis gereicht. Besagte Fladen folgen dem Beispiel der Onigiri, der gewürzten Reisbälle. Diese sind ein beliebter Snack in Japan, sozusagen Reis auf die Hand, eine Art Fastfood-Hommage an das wichtigste Getreide Asiens.

Konsum und Handel Burgerschachteln aus Graspapier, Ketchup in der Waffel
McDonald's

Burgerschachteln aus Graspapier, Ketchup in der Waffel

Der Fast-Food-Konzern testet alternative Verpackungen, um weniger Plastik zu verbrauchen. Doch das Einweg-Problem bleibt.   Von Julian Erbersdobler

Der aktuelle Reis- oder - japanischer - Gohan-Burger ist als exklusives Produkt angelegt. Es gibt ihn nur noch bis Mai und jeden Tag auch erst ab 17 Uhr. Laut Produktinformation besteht er zu hundert Prozent aus japanischem Reis, der mit Sojasoße veredelt wurde.

Der Geschmack? Tokio gilt als eine Hauptstadt des guten Essens, da sollte man keine Illusionen verbreiten über den Reis-Burger eines Fleisch bratenden US-Giganten. Man kann ihn halt essen. Der Reis ist gut, dazwischen befinden sich je nach Wahl Rinderhack, Huhn und schwere Soßen wie in jedem anderen Burger des Hauses auch. Nur eines fällt auf: Der Reis-Burger liegt nicht gut in der Hand. Er bröselt.

Nach wenigen Bissen löst er sich auf in Reiskörner und Missfallen, weil die Finger voll sind mit allem, was einen Burger saftig macht. Unweigerlich kommt der Gedanke: Zwei Brothälften hätten dieses ganze Billigessen besser zusammengehalten. Selbst japanische Reisfreunde dürften zugeben, dass ihre Lieblingsbeilage an einem gewöhnlichen Mainstream-Burger nichts zu suchen hat.

Wenn schon schlechtes Essen, dann wenigstens das Original.

© SZ/ick
Konsum und Handel Fast-Food-Firmen machen plötzlich auf gesund

US-Lebensmittelindustrie

Fast-Food-Firmen machen plötzlich auf gesund

Lange glaubten Firmen wie McDonald's, Coca-Cola und Kraft Heinz, den Menschen alles verkaufen zu können, egal wie fett oder zuckrig. Doch die Zeiten sind vorbei.

Zur SZ-Startseite