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Italien:Spaghetti alla Bolognese? Gibt's nicht in Italien

Worker carries fresh Parmesan wheel off storehouse shelf a 4 Madonne Caseificio dell'Emilia dairy cooperative in Modena

Ein Arbeiter transportiert ein Parmesanrad in einem Lagerhaus im italienischen Modena.

(Foto: REUTERS)

Fettuccine Alfredo oder Pizza Hawaii: Viele weltberühmte Gerichte sind bei Italienern unbekannt - oder gar verhasst.

Viele Römer haben noch nie von Alfredo Di Lelio gehört - dem großen Alfredo. Obwohl der einer der weltberühmtesten Römer überhaupt war. Dafür kennen ihn die Amerikaner, und das sogar mit Vornamen. Drüben hält man ihn nämlich für den Inbegriff der Italianità, wenigstens der kulinarischen. Das ist gerade mal wieder ein Problem - und zwar in Italien.

Die Geschichte nahm ihren Lauf 1914 in einer Osteria an der Via della Scrofa, nicht weit vom Pantheon. Ihr Betreiber, Alfredo Di Lelio, setzte damals ein Nudelgericht auf die Speisekarte, das bald seinen Vornamen tragen sollte. Die "Fettuccine Alfredo" waren einfach und deftig, viel Parmesan und noch mehr Butter. Erfunden hatte er sie, um seine Frau Ines zu stärken, die nach der beschwerlichen Geburt des ersten Sohnes, Alberto II, schwach auf den Beinen war. Und weil die Nudeln auch noch schmeckten, nahm er sie ins Menü auf. Zwei Stars aus Hollywood, auf Hochzeitsreise in Rom, waren so angetan, dass sie Alfredo Besteck aus Gold schenkten. Der Mythos reiste mit ihnen zurück nach Amerika.

Die "Spaghetti alla Bolognese" sind keine italienische Erfindung

Seither stehen dort in jedem Restaurant, das mit italienischer Kost wirbt, die "Fettuccine Alfredo" ganz oben auf der Karte - als wären sie an sich schon eine Bürgschaft fürs Italienische. Nur in Italien findet man die "Fettuccine Alfredo" nirgends. Und so kommt es oft vor, dass Touristen auf Italienreise nach allerlei vermeintlich italienischen Gerichten fragen, die sie endlich mal im Original kosten möchten - die es hier aber nicht gibt, nie gegeben hat, nie geben wird und auch nie geben soll. Zum Beispiel die "Spaghetti with Meatballs", mit großen Fleischklößen. Man kennt sie aus alten Gangsterfilmen, nur in Italien kennt man sie nicht.

Die italienische Zeitung La Repubblica widmete den "gefälschten Mythen" und "profanierten Rezepten" nun eine ganze Seite. Bei der Gelegenheit erinnerte sie wieder daran, dass auch die "Spaghetti alla Bolognese" eine fremde Erfindung sind, eine Traditionslosigkeit sondergleichen. Unlängst löste die New York Times Empörung aus, weil sie ihren Lesern eine Kochanweisung für "Rigatoni alla Bolognese bianca" an die Hand gab, für eine Fleischsoße ohne Tomatensugo also. Mit Bologna hat sie wenig zu tun. Und natürlich müsste man auch mal über die vielen exotischen Garnierungen reden, die es im Ausland auf eine Pizza schaffen: Ananas ("Hawaii"), Fritten, Austern. Sünden!

Chinesischer Pecorino, brasilianische Mortadella, mexikanische Salami

Das italienische Essen ist zum globalisierten Alltagsessen geworden. In guten Zeiten sind die Italiener einfach nur stolz darauf. In Krisenzeiten wie diesen rechnen sie aber vor, wie viel im Ausland mit pseudoitalienischen oder gefälschten Produkten mit italienischen Namen verdient wird, halblegal oder illegal - mit chinesischem "Pecorino" aus Kuhmilch etwa, wo er doch aus Schafmilch sein müsste, mit brasilianischer "Mortadella Siciliana", die eigentlich aus der Emilia käme, und mit "Parma Salami" aus Mexiko. Es sollen 60 Milliarden Euro im Jahr sein.

Übrigens, ein römisches Restaurant serviert die "Fettuccine Alfredo". Das Lokal heißt "Il vero Alfredo", der wahre Alfredo, geführt vom Enkel. Besucht wird es wohl vor allem von Amerikanern. Die Fettuccine kosten 19 Euro.

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