Haben und Sein:Solidarisch schön

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Haben und Sein: Die Farben der ukrainischen Flagge sind nun auch im Kilt-Stoff oder auf der Krawatte zu finden.

Die Farben der ukrainischen Flagge sind nun auch im Kilt-Stoff oder auf der Krawatte zu finden.

(Foto: Great Scot)

Der Schottenrock wird Blau und Gelb, Isabel Marant spendet die Einnahmen für ein Sweatshirt an ukrainische Geflüchtete: die besonders solidarischen Stil-News der Woche.

Von SZ-Autoren

Wie die ukrainische Flagge aussieht, wird man ab jetzt nie mehr vergessen: Blau und Gelb. Schon gibt es die entsprechenden wie unmissverständlichen Pantone-Farben dazu: "Freedom Blue" und "Energizing Yellow" - zudem zeigen sich weitere Firmen solidarisch und bauen diese nun ikonischen Töne in ihre Modelle ein. Die schottische Tartan-Firma Great Scot beispielsweise, die sonst vor allem viel mit Rot, Grün und Schwarz arbeitet, hat ihrer gewebten Karo-Kollektion jetzt ein Muster hinzugefügt, das die ukrainischen Farben mit dem Weiß der schottischen verbindet, Name: "Ukraine Forever". Das Angebot reicht von der blau-gelb-weißen Krawatte (33 Euro) bis zum obligatorischen Kilt (270 Euro); selbstverständlich, Zeichen der Zeit, sind auch Masken fürs Gesicht (22 Euro) im Friedensdesign zu haben. Die Nachfrage ist so groß, dass der Hersteller um Rücksichtnahme bittet, sollte das eine oder andere Produkt demnächst ausverkauft sein. Der Gewinn wird an das Disasters Emergency Committee weitergeleitet, das direkt im ukrainischen Kriegsgebiet hilft. "Ukraine Forever" wurde als neues Muster im schottischen "Tartan-Register" aufgenommen, eine Maßnahme, für das sich das ukrainische Außenministerium bereits in einem Tweet bedankt hat.

Haben und Sein: Riecht nach Sommer, steigert die Urlaubsfreude: der neue Duft von Acqua di Parma.

Riecht nach Sommer, steigert die Urlaubsfreude: der neue Duft von Acqua di Parma.

(Foto: Hersteller)

Wenn das traditionsreiche Parfumhaus Acqua di Parma einen neuen Duft vorstellt, sind die Erwartungen hoch und die Urlaubsfreude steigt. Kaum eine Marke steht so sehr für die olfaktorische Einkreisung eines südlichen Lebensgefühls und die Dufthoheit zwischen Portofino und Capri. Da reiht sich nun auch der grün etikettierte Flakon mit dem ungewöhnlichen Namen C.L.U.B. ein, der ein Unisex-Eau de Cologne enthält. Klassische Colonias gehören bei Aqua di Parma zum Standardsortiment, Club erweitert diese Linie um eine ziemlich jugendliche Note, mit deutlichen Anklängen von Zitrone und Bergamotte, aber auch Zedernholz und Rosmarin. Der Name Club soll das verbindende Element dieser Komposition unterstreichen, bei der die Macher an gemeinsame Momente mit Lieblingsmenschen gedacht haben, die nun endlich wieder häufiger stattfinden sollen - am besten natürlich mit Blick aufs Meer (50 ml 93 Euro, im Handel).

Haben und Sein: Nicht nur schnelle Autos, sondern jetzt auch Mode: In Mailand präsentierte Ferrari seine Kollektion erstmals auf dem Laufsteg.

Nicht nur schnelle Autos, sondern jetzt auch Mode: In Mailand präsentierte Ferrari seine Kollektion erstmals auf dem Laufsteg.

(Foto: Filippo Fior)

Auf dem Mailänder Schauenkalender stand diesen September ein neuer Name. Okay, so neu eigentlich nicht, genau genommen ist es eine der bekanntesten Marken der Welt, die aber bislang eher wenig mit Mode zu tun hatte: Ferrari. Ihre erste Kollektion hatten die Italiener im Heimatort Maranello gezeigt, nun präsentierten sie erstmals auf dem Laufsteg. Wer jetzt denkt, warum ausgerechnet die jetzt auch noch mit Kleidung anfangen müssen, hat natürlich Recht. Schaut man sich allerdings die zuletzt wieder gestiegene Nachfrage nach den Autos und die Strahlkraft an - laut der Beratungsfirma Brand Finance ist es die zweitwertvollste Marke der Welt -, ist der Drang, das weiter auszuschöpfen, plausibel. Ein Ferrari-Hotel und -Gourmetrestaurant haben ebenfalls bereits eröffnet, als "Brand Diversification Creative Director" wurde ein Designer geholt, der sein Handwerk versteht: Rocco Iannone entwarf zuvor für Armani, Dolce & Gabbana und Pal Zileri. Für Ferrari versucht er nun, möglichst viel Auto in die Kleidung zu integrieren: Camouflage mit subtilem Pferdchenmuster, ein Mesh mit Carbon, viel Rot natürlich. Ansonsten setzt Iannone auf gute Schnitte statt nur auf Sportswear. Very Fast Fashion, nennt man das wohl (ferrari.com).

Haben und Sein: Aus alt mach neu: Pumps aus gebrauchten Nike-Socken und Patagonia-Jacken von Tega Akinola.

Aus alt mach neu: Pumps aus gebrauchten Nike-Socken und Patagonia-Jacken von Tega Akinola.

(Foto: instagram.com/tegaakinola)

Outside the box: Diese Art des Denkens hat sich Tega Akinola schon vor vielen Jahren verordnet, für ihre Arbeit, aber auch für das Leben an sich. Kein Wunder also, dass es der 22-Jährigen so gut gelingt, dem Bereich des Upcyclings einen völlig neuen Dreh zu geben. Die Engländerin nimmt aussortierte Klamotten oder Alltagsgegenstände, um daraus neue Modeaccessoires zu machen: Ein altes Aufladekabel für das Handy wickelt sie kunstvoll zu High Heels oder zum Streetwear-Hut, Sportsocken von Nike legt sie um spitz zulaufende Pumps, und mit dem durchgewalkten Fleece einer Patagonia- oder North Face-Outdoorjacke ummantelt sie kleine Ausgehhandtaschen, die sie mit großem Erfolg über den Apoc-Store verkauft - aktuell sind alle Modelle vergriffen. "Anfangs ging es mir gar nicht darum, aus Weggeworfenem etwas Neues zu schaffen", erzählte sie kürzlich der britischen Vogue. "Ich hatte einfach keine anderen Mittel zur Verfügung." Für Mode interessierte sie sich bislang vor allem privat, eigentlich studiert die junge Frau Psychologie. Die Freude am Gestalten kennt sie jedoch von ihrer Familie: Ihre Mutter habe schon immer große Freude daran gehabt, selbst Kleidung zu fertigen. Ihre Begeisterung für Streetwear hingegen kommt vom großen Bruder. So cool aussehen wie der drei Jahre Ältere, das ist ihr längst gelungen. Ob sie sich beruflich Richtung Mode orientiert, weiß sie noch nicht. Aber: "Viele große Modehäuser haben in der jüngsten Vergangenheit Kreativdirektoren zu sich geholt, um ihre Marken nach vorne zu bringen, die nicht zwingend eine Design-Schule besucht haben." Jemand wie Tega Akinola kann man der Modeindustrie nur wünschen.

Haben und Sein: Die Einnahmen mit dem "Solidarity Sweatshirt" von Isabel Marant sollen ukrainischen Geflüchteten zugute kommen.

Die Einnahmen mit dem "Solidarity Sweatshirt" von Isabel Marant sollen ukrainischen Geflüchteten zugute kommen.

(Foto: Hersteller)

Wie reagieren auf den Krieg in der Ukraine? Das war bei der Pariser Fashion Week diesmal die heikle Frage, auf die sehr unterschiedliche Antworten gefunden wurden (manche schwiegen das Thema auch einfach tot). Als sich die Designerin Isabel Marant nach ihrer Show im blau-gelben Pulli verbeugte, sollte das eigentlich nur eine kleine Solidaritätsgeste sein. Dann aber häuften sich in ihrem Büro die Anfragen: Gibt es den eigentlich auch zu kaufen? Das lässt sich inzwischen mit Ja beantworten. Das "Solidarity Sweatshirt" wurde in einer limitierten und nummerierten Auflage von 200 Stück produziert und im Atelier in Paris handgefärbt. Der volle Erlös fließt in die Stiftung der Designerin und wird ukrainischen Geflüchteten zugute kommen. Weshalb wir bei dem stolzen Preis mal beide Augen zudrücken wollen: 650 Euro das Stück (isabelmarant.com).

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