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Fitness:Reifen gegen Ringe

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Hüften statt Gedanken kreisen lassen: Pandemiesport Hula-Hoop.

(Foto: imago premium/imago images/Cavan Images)

Die Pandemie bringt ständig neue Hobbys hervor, jetzt ist sogar der Hula-Hoop wieder da. Und Deutschland kreist die Hüften.

Von Julia Rothhaas

Die Pandemie macht den Erwachsenen zum Kind: Wir lassen uns Puzzle nach Hause liefern, malen Bücher aus, und auch beim guten alten Hula-Hoop verzeichnen Online-Händler einen Nachfrageboom. Davon haben sogar die Nachbarn etwas, weil der Reifen ständig auf den Boden knallt. Schon in der Kindheit gab es zwei Lager: Die einen konnten galant das Becken kreisen lassen, die anderen wirkten bei ihren Hüftbewegungen so unbeholfen wie ein Teenager, der heimlich in seinem Zimmer für den ersten Geschlechtsakt übt. Aber was tut man nicht, um im zweiten Jahr der Pandemie all das loszuwerden, was uns das erste Jahr eingebrockt hat. Schließlich haben die Deutschen allein während des ersten Lockdowns ein Kilo im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugenommen, weiß das Robert-Koch-Institut, das ist statistisch gesehen durchaus signifikant. Und es dürfte bei einigen nicht bei einem Kilo geblieben sein.

Also effektives Ganzkörpertraining, das geht mit dem Hula-Hoop auch im Wohnzimmer. Die Liste an Vorteilen des Trainings klingt eindrucksvoll: Hilft gegen Rückenschmerzen, verbessert die Verdauung, sorgt für eine aufrechtere Haltung, mildert Menstruationsbeschwerden und soll sogar Einfluss nehmen auf das Sexualleben. Aber vor allem: Es trainiert Taille und Hüfte!

"Huller dich frei", so lautet das passende Motto von Deutschlands bekanntester Hula-Hooperin Elli Haschke aka "Elli Hoop". Man sollte wissen, dass mit dem Begriff des Hullern das Schwingen des Reifens um den eigenen Reifen gemeint ist und nicht etwa der Ortsteil von Haltern am See im Münsterland. Auf jeden Fall hat Frau Haschke viele Kilogramm durch das Training verloren. Heute gibt sie Kurse auf Youtube und verkauft T-Shirts mit ihrem Motto darauf (für mehr Motivation gibt es alle Modelle auch in einer bauchfreien Variante).

Bauch anspannen, Becken kippen, los geht's!

Natürlich weiß sie, wie das richtige "Hullern" geht: Zu Beginn einen schwereren Reifen nehmen (bis zu 1,5 Kilo, wenn man selbst unter 90 Kilo bleibt), damit er am Körper bleibt (Fliehkraft!). Außerdem sollte der Hula-Hoop in etwa bis zum Bauchnabel reichen, wenn man ihn senkrecht vor sich stellt. Damit Pfunde weghullern, kippt man das Becken nach vorne, sodass kein Hohlkreuz entsteht, und spannt den Bauch an - und zwar durchgängig. Zum Start den Reifen parallel zum Boden halten und Becken gleichmäßig nach links und rechts oder vorne und hinten kippen. Das klingt leicht, ist es aber nicht für jeden (siehe oben). Manche Reifen haben Noppen, die dem Stoffwechsel zusätzlich in den Hintern treten sollen.

Die wahre Geschichte hinter dem Reifen sollte aber auch jeder kennen, der jetzt die Hüften darin schwingt: Über Jahrzehnte rühmten sich Arthur Melin und Richard Knerr als Erfinder des Hula-Hoop. Sie brachten ihn 1958 auf den US-Markt und hatten enormen Erfolg: 25 Millionen Reifen sollen sie allein in den ersten vier Monaten verkauft haben. Tatsächlich aber brachte eine reizende Dame namens Joan Anderson erstmals ein Modell aus Bambus aus ihrer Heimat Australien mit in die Staaten, sie nannte ihn Hula-Hoop, und wollte ihn von Melin und Knerr produzieren lassen, weil sie das Ding so toll fand. Handschlag drauf, einen Vertrag gab es nicht - und weg war die Idee. Erst 2018 verriet das die damals 94-Jährige in einem rührenden Kurzfilm (mountainfilm.org). Anderson blieb gelassen: "Warum sauer sein wegen etwas, das man nicht ändern kann? Ich hatte ein tolles Leben. Und glücklich zu sein ist doch die beste Rache." Gutes Motto - Pfunde hin, Pfunde her.

© SZ/kar
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