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Hugo Boss und der FC Bayern:Die Heldenausstatter

Wie frisch aus dem Spa: Die Bayern-Kicker Arjen Robben, Jérôme Boateng und Mats Hummels.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ein Abend mit Hugo Boss, drei makellos frisierten FC-Bayern-Spielern und der nicht ganz unwichtigen Frage: Wer schmückt hier eigentlich wen?

Das Event rast in Güterzuggeschwindigkeit vorbei, und wenn man hinterher sagen müsste, was einem von diesen warenförmig aufbereiteten 40 Minuten in Erinnerung geblieben ist, dann war es der Moment ganz am Anfang: Als man gar nicht unbedingt gedacht, sondern tief drinnen im Bauch gespürt hat, was für ein emotionales, ungeheuer glamouröses Produkt der Fußball ist. Die Menschen im Obergeschoss des Münchner Hugo-Boss-Stores, vor dem Podium eine Handvoll Kinder mitsamt den einschlägigen Vereins-Devotionalien, stehen in diesem Moment wie erstarrt, in den Gesichtern eine Mischung aus Begeisterung, Ehrfurcht und schierer Fassungslosigkeit darüber, dass die Superstars nun wirklich vor ihnen sitzen. Atmend. Zum Anfassen. "Ich weiß", rafft sich der Moderator Kai Pflaume zu einem müden Witzchen auf, "Sie sind heute Abend alle nur wegen mir hergekommen."

Die FC-Bayern-Spieler Mats Hummels, Arjen Robben und Jérôme Boateng sind Minuten zuvor mit dem Aufzug in den ersten Stock gefahren, aber sie hätten genauso gut aus einem Raumschiff steigen können: Für die hier Anwesenden kommen sie aus einer anderen Galaxie, als Menschen lediglich kostümiert. Es ist immer wieder verblüffend, Spitzenfußballer aus der Nähe zu sehen, abseits des Spielfeldes. Makelloser, leicht gebräunter Teint, sehr weiße Zähne, perfekt sitzende Klamotten, Frisur wie frisch von Vidal Sassoon. Sie verströmen eine Aura von vitaler, porentiefer Gesundheit, mit der man für Smoothies werben könnte. Spitzenfußballer sehen nicht mehr nach Waldlauf und Muckibude aus, sondern nach Spa. Als würden sie rund um die Uhr von Visagistinnen, Masseuren, Wellness- und Ernährungsexperten umschwärmt, was der Wahrheit wahrscheinlich nahe kommt. Als Robben sagt, er habe am Morgen seine Kinder zur Schule gebracht, als Hummels erzählt, seine Problemzone beim Anzugkauf seien die Waden, da wird im Hugo Boss Store nahezu ungläubig gelacht.

Emotionalität, Glamour, Entrücktheit: Davon hätten sie beim Weltkonzern in Metzingen gern ein bisschen mehr.

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Es sind nicht unbedingt die besten Tage für Deutschlands größte Modemarke. Eben erst ist bekannt geworden, dass Hugo Boss als Ausstatter der Nationalelf schon zu Jahresanfang ausgestiegen ist; man darf wohl sagen, beide Partner haben zuletzt underperformed. Bei Boss, seit Jahren in der Krise, mussten sie gerade verheerende Zahlen bekannt geben: 22 Prozent Gewinneinbruch im ersten Quartal. Dabei hatte der Vorstandschef Mark Langer ursprünglich eine ganz andere Marschrichtung vorgegeben: "Es ist unsere Vision, die begehrlichste Fashion- und Lifestyle-Marke weltweit zu sein." Aber Metzingen ist nun mal nicht Mailand und ein Boss-Sakko zwar eine hochseriöse Angelegenheit, aber kein Objekt der Begierde. Da schadet es nicht, dass der Konzern nach dem Abschied von der Nationalelf noch so glitzernde Namen wie Real Madrid, Paris-Saint-Germain und natürlich den FC Bayern im Portfolio hat. "Wahre Größe ist reine Einstellung", so steht es beschwörend auf der Boss-Homepage.

Nun prangen die drei Spa-Kicker im legeren Boss-Auswärtsspiel-Look (Pullover mit Vereinslogo zur Anzughose mit Tunnelbund) also auf dem Podium, sehen großartig aus, sind auftragsgemäß zu gleichen Teilen nett und außerirdisch und damit der Traum jeder PR-Abteilung. Den mundgerecht servierten Anekdötchen nur halb folgend, erwischt man sich bei dem Gedanken, dass der Fußball die Mode inzwischen mehr schmückt als umgekehrt. Was ja eigentlich ein Witz ist, nicht nur optisch, sondern auch moralisch. Am Fifa-Führungskreis gemessen, sitzen in den Chefetagen der Modekonzerne ausschließlich Heilige. Andererseits: Verglichen mit dem, was später am Abend im Liverpooler Stadion losbricht, ist der Jubel nach einer Gucci-Show ein laues Lüftchen. Gefühle lassen sich im Schneider-Atelier eben nur begrenzt herstellen.

Kurze Tischkicker-Runde mit zwei Losgewinnern, ein paar Selfies und Autogramme für überwältigte Kinder, dann sind die Bayern-Stars schon wieder weg. Vielleicht wollen sie auch lieber Champions League schauen als über das perfekte Sakko reden. Der Einzige, dem man eine Frage stellen kann, bleibt somit Karl-Heinz Rummenigge, man tut es ohne große Hoffnung. Ob er in seiner Zeit bei Inter Mailand auch etwas von der Mode mitbekommen habe? "Aber sicher", lautet tatsächlich die Antwort. "Beim Vorstellungstermin in Mailand habe ich Socken getragen. Hinterher hat mich ein Teamkollege gepackt und ist erst mal mit mir einkaufen gegangen. Lange italienische Seidenstrümpfe, die Sorte trage ich bis heute." Ah ja, auch jetzt in diesem Moment? Da krempelt der Bayern-Chef das Hosenbein seines marineblauen Ausgehanzugs hoch.

Vielleicht sollten sie bei Hugo Boss mal überlegen, seidene Kniestrümpfe ins Sortiment zu nehmen.

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