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Tag des Hotdogs:Wie die Wurst im Brot von Deutschland aus die Welt eroberte

Professional Eaters Compete In Annual Nathan's Hot Dog Eating Contest

Frankfurter? Oder einfach Grillwürstchen? Sicher scheint nur zu sein, dass Deutsche den Hotdog nach Amerika brachten.

(Foto: Eric Thayer/AFP)

Der Hotdog ist mehr als eine anerkannte Delikatesse. In Trumps Amerika ist er sogar ein Beispiel für gelungene Integration.

Von Gerhard Matzig

Man wüsste gern, was Kathy McVay an diesem Mittwoch macht. Möglicherweise verlässt sie das Haus nicht am "Tag des Hotdogs", denkbar wäre es jedenfalls, denn Kathy McVay wurde vor zwei Jahren von einem fliegenden Hotdog attackiert. Ein blaues Auge, eine verbogene Brille und mehrere Hämatome waren die Folge. Vermutlich konnte sie noch froh sein, dass ein Hotdog (wörtlich: heißer Hund) ein Fast-Food-Gericht ist, das in der Regel aus einem weichen Weizenbrötchen - in Bayern wäre das eine Semmel - und einer warmen Brühwurst besteht. Und nicht zum Beispiel aus einem tollwütigen Hund.

Phillie Phanatic, das Maskottchen des US-Baseballteams Philadelphia Phillies, feuert bei Heimspielen gern mit einer großen Kanone Hotdogs in die Zuschauertribüne. Kathy McVay wurde vor zwei Jahren unglücklich getroffen. Sie sagte: "Es fühlte sich an wie ein Ziegelstein." Obwohl sie, zumal in den USA, die Phillies auf ein enormes Schmerzensgeld hätte verklagen können, tat sie es nicht. Sie ist ein wahrer Fan. Vielleicht aber keiner von Hotdogs, die von Ziegelsteinen kaum zu unterscheiden sind.

Ein Hotdog mit Ketchup? Nur für Banausen

Der "Tag des Hotdogs" findet nach Angaben des National Hot Dog and Sausage Council (NHDSC) jeweils am dritten Mittwoch im Juli statt. Das genaue Gründungsdatum des Hotdogs ist zwar umstritten, aber der Tag des heißen Hundes findet nun schon seit Jahrzehnten statt. Am Capitol Hill in Washington gibt es ein jährliches Hotdog-Essen, an dem vor allem Politiker und Lobbyisten teilnehmen. Indem sie zeigen, schaut mal, wir essen auch nicht immer Sterneküche, demonstrieren sie versuchsweise eine Art Verbundenheit mit dem Volk, das ja, wie man sich erzählt, auch nicht immer Sterneküche erhält. Wobei gegen die Kulinarik des Hotdogs nichts gesagt sein soll. Es gibt ihn in tausenderlei Varianten. Der Hotdog ist international. An manchen Hotdog-Ständen in New York wird man verjagt als der Banause, der man ist, wenn man dazu so etwas Obszönes wie Ketchup haben möchte. Der Hotdog ist wie viele Dinge, die einfach erscheinen, ein Akt der Raffinesse und kulturellen Vollendung. Man muss ihn lieben, sofern man nicht vegetarisch fühlt. Aber den Veggie-Hotdog gibt es ja auch.

Wegen der jüngsten traurigen Verwerfungen im transatlantischen Verhältnis ist ungewiss, ob sich die Amerikaner am Hotdog-Tag daran erinnern mögen, wem sie die Wurst in der Semmel zu verdanken haben. Uns natürlich, den Deutschen. Der Würstchen-Nation schlechthin. Tatsächlich soll den Hotdog ein Coburger Metzger namens Johann Georg Hehner erfunden haben. 1847 in Frankfurt am Main. Das sagen jedenfalls die Frankfurter - und das Frankfurter Würstchen ist bis heute die Folge davon. Für diese Version spricht, dass der Metzger Johann Georg Hehner einen Namen hat, der nach Barockdichter klingt. Und ist der Hotdog nicht auch ein Gedicht?

Miki Sudo, Joey Chestnut

Lecker Wurst: Miki Sudo (links) und Joey Chestnut gewannen beim diesjährigen Hotdog-Wettessen Anfang Juli auf Coney Island. Sudo verschlang 48½, Chestnut gar 75 Hotdogs.

(Foto: John Minchillo/AP)

Einer anderen Version nach soll der Hotdog allerdings erst zwanzig Jahre später in Coney Island, New York, in seiner heute gültigen Form ersonnen worden sein. Und zwar von einem Kuchenverkäufer namens Charles Feltman. Der aber heißt eigentlich Karl Feldmann und stammt aus Verden, Niedersachsen. Der Hotdog ist und bleibt eine deutsche Erfindung und, herrlich für das Land des Donald Trump, ein Symbol gelungener Migration und Integration. Als Karl Feldmann auswanderte, um zu Charles Feltman zu werden, war er 14 Jahre alt.

Das Kuchenbacken ließ er sein, und die Badegäste am Strand von Coney Island waren von der Kuchenalternative "Grillwurst" so begeistert, dass er schon im ersten Jahr 4000 Hotdogs verkaufen konnte. Nach seinem Tod hinterließ Karl alias Charles ein Millionenvermögen. Das ist gewiss. Unsicher aber ist, warum der heiße Hund heißer Hund heißt. Die einen sagen, es sei zu jener kargen Zeit nicht ganz selten gewesen, Hundefleisch zu verwenden. Der Kulturhistoriker Andrew F. Smith weist darauf hin, dass deutschstämmige Metzger in den USA bekannt dafür gewesen seien, "wurstförmige" Hunde zu halten: Dackel.

Wie man es dreht und wendet: Der Hotdog hat von Deutschland aus die Welt erobert. Ganz friedlich und ohne Kanonen.

© SZ/min
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