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Haarpflege:Roggenmehl statt Shampoo

Young woman showering, close-up, rear view

Wasser macht schön, sagen die "No poo"-Fans, die ohne Shampoo auskommen wollen. Manche von ihnen verzichten allerdings sogar darauf.

(Foto: The Image Bank/Getty Images)

Die Anhänger der "No poo"-Bewegung glauben, dass man kräftiges, glänzendes Haar nur ohne Schaum bekommen kann.

"Heute der große Schreck", schreibt Anni als Kommentar in einen Blog. "Die Haare sind super fettig und diese Schuppen kommen wieder." Ob es wohl daran liegt, dass sie Roggenvollkornmehl zum Waschen benutzt statt normalem Roggenmehl? Cleo hingegen wäscht nur mit Wasser, "aber jetzt sind die Haare total eklig und irgendwie fettig geworden." Durchhalten, so die gängige Meinung im Netz. Nach vier, sechs, acht Wochen wird es besser, ganz bestimmt. Und wenn es trieft und mieft? Mütze aufziehen! Nur von einem solle man sich fernhalten: Shampoo.

Weicher. Glänzender. Gesünder. Kräftiger. Fülliger. Eigentlich wollen Anni und Cleo genau das Gleiche wie diejenigen, die vor dem langen Regal in der Drogerie nach einem passenden Produkt suchen. Doch das geht auch ohne Shampoo, glauben sie als Anhänger der "No poo"-Bewegung, die seit ein paar Jahren regen Zulauf hat. Sie schwören darauf, dass man schönere Haare nur bekommt, wenn man das Waschen mit herkömmlichen Mitteln bleiben lässt. Auch auf die Silbe "sham" verzichten sie - obgleich der Begriff "poo" auf Englisch nur wenig mit Haarpflege zu tun hat.

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Apfelessig statt Spülung

Das erklärte Ziel: Die Sebum-Produktion, also das natürliche Haarfett, soll nach Jahren der chemischen Reinigung wieder heruntergefahren werden und sich selbst regulieren. Das regelmäßige Einschäumen sorgt dafür, dass die Haare schneller nachfetten. Was dem Körper jedoch nicht vollumfänglich gelingt, denn wenn er immer komplett gegensteuern könnte, wären alle therapeutischen Maßnahmen beim Hautarzt ja hinfällig. Dazu, so die Sorge, all die Konservierungsstoffe und chemischen Substanzen, die viel zu scharf sind für den Kopf, mal abgesehen von der Wasserverschmutzung und dem ganzen Müll.

Deswegen setzen sie auf Alternativen wie Roggenmehl, Backpulver, Waschnüsse, Seifenkraut, Haartee und Heilerde, die mit Wasser vermischt auf dem Haupt ein paar Minuten einwirken und anschließend wieder ausgewaschen werden. Statt einer Spülung kommt im Anschluss verdünnter Apfelessig ins Haar, Argan-, Kokos- oder Olivenöl helfen gegen trockene Spitzen und wer eine Alternative zum Trockenshampoo sucht, schüttet sich Kakaopulver an den Haaransatz. Der Küchenschrank zieht also Richtung Badezimmer.

Damit das Haar ohne Wäsche schön wird, kommt es auf Entzug und wird so wenig wie möglich gewaschen. Besonders radikal sind die Fans der "NW/SO"-Bewegung (No Water/Sebum Only). Haare und Wasser werden zu erklärten Feinden, dafür darf die Wildschweinborstenbürste ran. Der Fellpflege von Hunden und Katzen nicht unähnlich, soll der Kopf mit Kratzen, Bürsten, Massieren gereinigt werden.