Süddeutsche Zeitung

Grünen-Politiker:Der Modemarathon des Hans-Christian Ströbele

"Sein Markenzeichen ist es, sich selbst über die Jahrzehnte treu zu bleiben": Hans-Christian Ströbele kennt dank seines Treffens mit Whistleblower Edward Snowden die ganze Welt. Das könnte aber vor allem daran liegen, dass der Grünen-Politiker stets gleich angezogen ist.

Hans-Christian Ströbele, 74, PR-Experte, will eindeutig neue Akzente setzen. Nachdem in 90 Prozent aller seit dem Mauerfall erschienenen Ströbele-Porträts was von Fahrrad und Wohnpullis steht, nutzt der Politiker den momentanen Rummel um seine Person für eine modisch monotone Neuausrichtung. Kein Fahrrad, nirgends. Dafür ein blau-weiß gestreiftes Hemd und ein blaues T-Shirt. Und das Tag für Tag. Nur die buschigen Brauen und der Schal, der sich seit Kommunentagen als roter Faden durch alle Ströbelefotos zieht, haben den optischen Relaunch überlebt.

Hans-Christian Ströbele, 74, Mitglied im Geheimdienstausschuss des Bundestags, begann seinen Modemarathon am vergangenen Donnerstag, als er den Whistleblower Edward Snowden in Moskau besuchte. Am Tag darauf überraschte er die Weltöffentlichkeit mit diesem Treffen - und seinem schon in Moskau präsentierten Outfit. Ansonsten gab er sich äußerst zugeknöpft. Er dürfe leider nichts sagen, erklärte er, nur so viel: "Ich habe ihn gefragt, ob er in Moskau auch einfach mal so shoppen gehen kann. Da hat er ja gesagt."

Hans-Christian Ströbele, 74, Grünen-Politiker, sagt, er werde oft mit Otto Schily verwechselt. Nun wurde er mit Guido Westerwelle verwechselt: Die CNN machte "Stroebel" zum deutschen Außenminister. An der Kleidung kann es nicht gelegen haben. Westerwelle wirft sich nie so in Schal wie Ströbele.

Hans-Christian Ströbele, 74, Altersvizepräsident des Bundestags, gehört laut einer Umfrage zu den bekanntesten Politikern Deutschlands. "Sein Markenzeichen ist es, sich selbst über die Jahrzehnte treu zu bleiben", schrieb die FAZ. Und als Ströbele es jetzt zum vierten Mal in den Bundestag schaffte, konzedierte die Zeit, er habe "aus sich eine Marke gemacht. Dank Snowden ist das Feintuning dieser Marke HCS nun anscheinend endgültig und für alle Tage abgeschlossen: hemdsärmelig, aber seriös, buschigverwuschelt und doch klargestreift.

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Quelle:
SZ vom 08.11.2013/jst
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