Ladies & Gentlemen:Endlich, ein Event!

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Die Grammy-Verleihung fühlte sich fast normal an: Aufgedrehte Outfits, kesse Statements, ein bisschen Gossip und ein paar Outfits zum Grübeln.

Von Julia Werner und Max Scharnigg

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(Foto: Kevin Mazur/Getty Images for The Recording Academy)

Für sie: Todernstes Prada

Die Grammys sind aus modischer Sicht immer die lustigste Preisverleihung. Weil das Musikbusiness sich selten um Geschmacksdünkel kümmert. Was wird da auf die Pauke gehauen: Vor lauter Prints und Busen weiß man am Ende gar nicht mehr, wo das Oberschenkeltattoo aufhört und das Versace-Kleid anfängt. Auch in diesem Jahr wurden wir nicht enttäuscht: Taylor Swift kam als Blumenwiese, Beyoncé mit Ohrringen groß wie Backsteine, Rapperin Megan Thee Stallion und Cardi B trugen wie immer vor allem Po; kurz, es war ein riesengroßer Spaß für das Publikum, das zwangsjoggingbehost vor dem Fernseher saß. Nur die drei Schwestern der ebenfalls nominierten Hipster-Band Haim waren der Minimalismus-Stachel im bunten Showzirkus, was zu Fragen führte: War das die Abschlusskollektion eines Düsseldorfer Modeschul-Absolventen? Oder Kostüme für Raumschiffstewardessen? Nein, es war todernstes Prada, in Taubenblaugrau! Sie seien durchgedreht, als sie hörten, dass Miuccia Prada jetzt mit Raf Simons gemeinsame Sache mache, sagten die Haims in einem Interview mit der Vogue. Die Taftkittel wurden also sonderangefertigt, mit riesigen Prada-Logos versehen und mit platten Haaren sowie braven Kitten Heels kombiniert. Ein seltsam blutleerer aber feministisch wertvoller und deswegen todschicker Look. In dem man sich in der Zukunft sehr gut Impfzentrenpersonal vorstellen könnte. Jenseits von diesem Anlass sehnt sich das Publikum aber derzeit doch eher nach mehr Hintern.

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(Foto: Kevin Mazur/Getty Images for The Recording Academy)

Für ihn: Gucci-Fummel

Wenn ein Popstar hierzulande noch nicht die Bekanntheit hat wie anderswo auf der Welt, dann ist das für Menschen jenseits des 21. Lebensjahrs meist kein großer Schaden. Im Falle von Harry Styles gilt das allerdings nicht, den sollte man sich kurz mal ansehen. Denn er verkörpert in mancherlei Hinsicht das Idealbild des modernen Mannes und das Wesen der späten Millennials. Als Sänger, Schauspieler und Model ist der 27-Jährige jedenfalls schon mal ein perfekter Abgesandter der Multioptions-Gesellschaft. Ebenso zeitgeistig ist seine Art, das alles irgendwie egal wirken zu lassen. Stets freundlich, mit einer Ausstrahlung zwischen Gustav Gans und Dorian Gray, spaziert er über rote Teppiche und Bühnen und schafft es, selbst in den Iden des Pandemie-Märzes noch gute Laune zu verteilen. Das liegt an seinem Hang, sich interessant und völlig grenzenlos anzuziehen. Dieser flamboyante Wandlungswille brachte ihn als ersten Mann der Geschichte solo aufs Vogue-Cover - in einem schönen Spitzenkleid von Gucci. Der viel wichtigere Effekt dabei ist aber das scheinbar mühelose Zerbröseln der Geschlechternormen. "Sei einfach der, der du gerade sein willst!" ist ja sozusagen Artikel 1 in der Verfassung der Millennials und nachfolgender Generationen; und Heteromann Styles setzt das bei jeder Gelegenheit um. Mal mit Perlenkette, dann wieder in Lederjacke oder - wie bei den Grammys - mit Federboa, Retro-Farben und Absatzstiefeln - bei Harry Styles ist jeden Tag gleichzeitig Fasching und Freiheitskampf. Und das ist noch deutlich interessanter als seine Musik.

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