bedeckt München 23°
vgwortpixel

Geschmackssache:Sanddorn

Sanddorn Sanddornstrauch mit Sanddornbeeren Nordfriesland Schleswig Holstein Deutschland 24 09 2
(Foto: imago)

Alle reden von Superfood, erstaunlich, dass sie dabei ausgerechnet den Sanddorn vergessen. Die Beere ist nicht nur gesund, sie schmeckt auch!

Der Hype um Superfood gehört zu den großen Mysterien der Kulinarik. So wichtig es heute zu sein scheint, wie gesund ein Lebensmittel ist, so uninteressiert zeigen sich die Clean-Eating-Jünger daran, dass es für die angeblichen Wunderwirkungen vieler Trendfrüchte keine Belege gibt. Es geht um Projektion, und dazu passt, dass Superfood nicht exotisch genug sein kann, in die Heilkräfte von Chiasamen und aztekischem Urgetreide lässt sich offenbar mehr hineingeheimnissen als in die von ebenfalls sehr gesunder Leinsaat aus dem Innviertel. Mit Beeren ist es nicht anders. Während auf Gojis und den Früchten der brasilianischen Açaí-Palme auch bei uns längst ganze Restaurantkonzepte fußen, dümpelt der heimische Sanddorn seit Jahren im Reformhausregal vor sich hin; dabei gehört er zum Gesündesten, was an einem Strauch hängen kann (extrem viel Vitamin C!). Zudem erfüllt Sanddorn ein weiteres Superfood-Kriterium: Er ist teuer, was auch an der aufwendigen Ernte liegt. Seine orangen Früchte sind so klein und seine Dornen so unangenehm, dass ganze Zweige vom Busch geschnitten und bei minus 38 Grad schockgefroren werden. Anschließend holt eine Rüttelmaschine die Beeren herunter. Wenn die Anzahl der Sanddornrezepte überschaubar ist, dann liegt das auch daran, dass die Beeren selbst getrocknet und jetzt zur Erntezeit nicht leicht zu kriegen sind. Doch lässt sich auch mit ihrem wunderbar herb-säuerlichen Saft (Biomarkt) viel ausrichten. Wie sehr 50 ml davon, untergehoben mit 25 ml Akazienhonig und 75 g Cranberries, einen schlichten Milchreis geschmacklich adeln, zeigt ein Rezept von Sarah Wiener. Eine Wucht ist der Saft aber in der Vinaigrette: Kombiniert mit etwas Dijonsenf, Rapsöl, mildem Essig, Salz und Chili, bildet er ein wunderbares Gegengewicht zu herbstlichen Salaten mit Radicchio, Rucola, gekochten Pilzen, Walnüssen oder gerösteten Pinienkernen.