Süddeutsche Zeitung

Geschmackssache:Purple Curry

Eine neue Trend-Gewürz­mischung setzt auf die zarte Säure des Hibiskus und sein markantes Purpurrot. Gut gegen Fernweh!

Es gibt Trendzutaten, die viel über Köche erzählen, etwa weil die Erstverwendung verrät, ob ein Küchenchef Pionier oder Nachahmer ist. Und vergliche man Speisekarten der letzten 25 Jahre, könnte man nur anhand der Häufung solcher Zutaten erkennen, aus welcher Zeit die Karten stammen. Evergreens wie Rote-Bete-Carpaccio gehören dazu, Exoten wie Rochenflügel, Desserts mit Passionsfrucht, Tonkabohne oder Yuzu. Vergleichsweise jung ist eine Gewürzmischung, deren Name Ferne und Geheimnis transportiert: Purple Curry verdankt sein Purpur und seine zarte Säure der Hibiskusblüte; die milde Schärfe basiert allein auf schwarzem Pfeffer; Zimtblüte, Nelke oder Kardamom verleihen der Mischung eine komplexe Blumigkeit. Sie stammt allerdings nicht aus Kerala, sondern aus Mainfranken, wo Gewürzmüller Ingo Holland sie vor zehn Jahren entwickelte, als ihm bei der Herstellung von Hibiskussalz das Aroma gemahlener Blüten auffiel. Holland mariniert mit Purple Curry am liebsten Huhn, es passt aber auch gut zu Fisch oder Gemüse. Zuletzt hat sich die Mischung in vielen Restaurants durchgesetzt. Zum Angeben taugt das beeindruckend lilafarbene Pulver also nicht mehr. Andere Hersteller kopieren es bereits und schreiben: "Indisches Geheimrezept" dazu. Ach ja.

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Quelle:
SZ vom 02.11.2019
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