GeschmackssacheNackensteak

Ralph Brinkhaus und Ole von Beust streiten, ob ihre CDU die "Partei der Nackensteakesser" sei und was das fürs Image heißt. Sie beweisen damit allerdings nur, dass sie aus einer Zeit stammen, in der "Kartoffelkopf" noch eine Kategorie war.

Von Marten Rolff

Politiker, das lernen wir aus dieser Woche, sollten Lebensmittelvergleiche vermeiden. Sie sagen nichts aus und polarisieren nur. Die Fronten sind ja heute nirgends so verhärtet wie beim Essen, und die Codes der vielen Nischen immer schwerer zu lesen. Was genau meinte Hamburgs früherer Erster Bürgermeister Ole von Beust, als er mahnte, die CDU dürfe nicht länger als Partei der Nackensteakesser empfunden werden? Wen meinte CDU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus, als er in der BamS zurückbellte: "Nackensteakesser sind das Rückgrat der Gesellschaft", er schäme sich nicht, sie zu vertreten? Beust ging es natürlich um ein klimafreundlicheres Bild der Union. Doch - wenn schon Stereotyp, dann saftig! - hätte er sich da nicht lieber sorgen sollen, ob hanseatische Bürgerzirkel zu viel Rinderfilet essen? Brinkhaus indes war offenbar noch nie auf einer Nose-to-Tail-Party, wo zwar mit viel Attitüde Kotelett gekaut wird, sich CDU-Fans aber selten hinverirren. Statt raushängen zu lassen, dass sie aus einer Zeit stammen, in der man mit Stempeln wie "Kartoffelkopf" ganze Nationen in kulinarische Sippenhaft nahm, sollten Beust und Brinkhaus lieber ihre Wähler fragen, was die denn wirklich so essen. Sie wären überrascht, wie vielfältig Geschmack heute ist.

© SZ vom 01.02.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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