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Gefahr für den Buchsbaum:Der Buchsbaum ist im Barockgarten kaum zu ersetzen

Erst die nächsten vier Wochen würden zeigen, wie stark die erste Generation der Zünsler in diesem Jahr ist. Schwerer wiege ein 2004 erstmals aufgetretener Pilz. Jährlich würden in Herrenhausen darum bis zu 10 000 neue Buchsbäume gepflanzt. "Aus gartenhistorischer Sicht ist Buchsbaum im Barockgarten kaum zu ersetzen", sagt der Biologe. Auch nicht durch Eibe, Ilex und Thuja. "Der große Wurf ist da noch nicht dabei." Darum setze er auf neue resistentere Buchsarten, die derzeit gezüchtet würden. Natürliche Feinde hat der Zünsler keine, heimische Vögel fressen die Raupen nur zögerlich.

In der barocken Schlossanlage von Nordkirchen, das als westfälisches Versailles gilt, werden versuchsweise Laufenten auf die Raupen gehetzt, mit Erfolg. Das Umweltbundesamt empfiehlt biologische Mittel auf Basis des Bacillus thuringiensis, das man tief in die Pflanzen nebeln muss. Von innen fressen sich die Raupen nach Außen, wenn man sie dann entdeckt, ist es zu spät. Einige Hobbygärtner sammeln sie zuvor ab, andere schwören auf ein Essig-Öl-Spülmittel-Gemisch. Und doch gibt es am Ende oft einen Sieger, weil man in den Urlaub gefahren ist: den Zünsler.

Der Zünsler ist ein Kollateralschaden der Globalisierung

Der Gartengestalter Wolfgang Seethaler aus Lindau findet: "Das Verschwinden des Buchsbaums ist keine Gartenapokalypse." Erst von den 80er-Jahren an habe er praktisch vor jeder Haustür gestanden, und nicht mehr nur im Schlosspark und auf dem Friedhof. Die Gartencenterbranche habe den Hype mit günstigen Importen befeuert. Der Zünsler ist also ein Kollateralschaden der Globalisierung. Seethaler gestaltet auch Schlossgärten, aber Buchsbaum verwendet er nicht mehr.

Es gebe viele Alternativen, für formale Gärten könne es die Zwergberberitze sein, schöne Kugelformen ließen sich auch aus Eiben schneiden. Ein kleiner Kirschlorbeer sei ideal für breite Hecken. Selbst Prinz Charles rahme seine Gemüsebeete nun mit Immergrünem Gamander statt mit Buchs. Den kleinblättrigen Ilex empfiehlt Seethaler nicht, zu teuer sei er und für die kalkhaltigen, schweren Böden in unseren Breiten untauglich.

"Man muss nicht immer ein gewesenes Gartenbild kopieren", findet Seethaler. Der durch Pilz und Zünsler dahingeraffte Buchsbaum habe Platz geschaffen für eine neue Vielfalt. Manche Gärten wirkten ohne ihn viel lebendiger.

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