Gärten:Upcycling, Urban Gardening und Veganismus

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Und diese Kunstnatur braucht immer wieder neue Kunstprodukte, die von den Hobbygärtnern gekauft werden. Es ist ähnlich wie in der Modeindustrie: Marketingmenschen denken sich schon lange vor der jeweiligen Saison Farben, Stile, Pflanzensorten und Accessoires aus, die dann auf großen Messen gezeigt und später in Baumärkten, Gartencentern und Supermärkten erhältlich sind. Scouts registrieren gesellschaftliche Trends wie Upcycling, Urban Gardening und Veganismus - und versuchen, diese in den grünen Bereich zu übersetzen. Das scheint zu funktionieren.

Der Umsatz im deutschen Gartenmarkt beträgt jährlich etwa 18 Milliarden Euro brutto. Davon wurden elf Milliarden Euro mit lebendem Grün und sieben Milliarden Euro mit "Gartenhardware" erwirtschaftet - also mit allen Gerätschaften vom Aufsitzmäher über den Heißluft-Unkrautvernichter bis zum Elektro-Vertikutierer. Der Absatz von Topfpflanzen für die Fensterbank geht zurück, ein deutliches Plus verbuchen dagegen die Anbieter von Garten- und Balkonmöbeln, wie der Industrieverband Gartenbau (IVG) berichtet.

Auf der Internationalen Fachmesse des Gartenbaus IPM in Essen konnte man schon im Januar besichtigen, was den deutschen Hobbygärtnern in der nächsten Saison blüht. Die Fusion-Küche wird im Garten Wurzeln schlagen: Zu den neuen Kreationen gehören Kräuter mit speziellen Geschmacksmischungen, etwa Pesto-Basilikum, Bullhorn-Chili und Wasabi-Rucola. Es gibt auch Saatgutmischungen für "Green Smoothies", also für Gräser, die man in den Mixer wirft. Süßkartoffel-Pommes gehen gut im Burger-Laden, also kann man jetzt auch Süßkartoffeln zum Selbstanbauen kaufen, bislang existierte die Pflanze hierzulande nur knollenlos zur Zierde im Blumenkübel. Es scheint, als seien die Trendforscher einmal quer durch Berlin marschiert und hätten sich dann überlegt, wie man das Angebot von Bio-Imbiss-Läden und veganen Restaurants auf das Pflanzencenter-Sortiment überträgt.

Gärtnern auch auf kleinstem Raum

Das urbane Gärtnern bleibt ein großes Thema: Gerade für kleine Gärten und Balkone überlegt sich die grüne Branche immer neue Produkte, etwa kleine, kompakt wachsende Fruchtgehölze wie Blaubeeren, Himbeeren und Brombeeren. Oder die mehrjährig wachsende Klettererdbeere, die mit wenigen Quadratzentimetern Fläche auskommt und große, saftige Beeren liefert. Biologischer Anbau und nachhaltige Gartengestaltung werden immer wichtiger, auch dafür gibt es neue Produkte. Etwa Bodenpilze zur Verbesserung des Wurzelwachstums und Nützlinge in kompostierbaren Hängeboxen.

Auch eine "Rückbesinnung auf natürliche Formen" haben die Gartenmode-Experten erkannt, was im Garten ja keine Riesenüberraschung ist. Dazu zählen scheinbar ungeordnete Pflanzgesellschaften, die in Wahrheit fein durchkomponiert sind. Bunte Staudenbeete müssen fachkundig zusammengestellt werden, um während der gesamten Vegetationsperiode ansprechende "Bilder" zu liefern. Für diesen Zweck gibt es Kollektionen von Blumen- und Stauden-Mischungen. Das ist zwar ein ganz alter Hut beziehungsweise Gartenstiefel. Kleiner Tipp: Staudenbeete sehen noch prächtiger aus, wenn man sie nicht mit alten Jeans bepflanzt.

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