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Fußball und Mode:"Trikots sind ein hochemotionales Thema"

Nike zahlt pro Saison angeblich 150 Millionen Euro an den FC Barcelona. Der FC Bayern bekommt von Adidas rund 70 Millionen. Beim FC Barcelona wurden 2017 zwei Millionen Stück verkauft, bei Real Madrid rund 2,3 Millionen - zum Preis von 89,95 Euro. Wird das Trikot immer mehr zum Lifestyle-Produkt?

Ganz klar. Das haben auch unsere Nachforschungen vor der WM 2018 ergeben. Trikots haben einen immer größeren Einfluss auf die Freizeitkleidung. Retro-Designs, aber auch neue Sachen, wenn sie anders sind.

Spielt es eine Rolle, wie weit eine Mannschaft im Trikot kommt?

Nehmen Sie das gold-orangefarbene Holland-Trikot 1988: Das mochten auch die Spieler erst überhaupt nicht. "Wir sehen aus wie Goldfische in den Dingern!", hieß es. Das stimmte sogar ein bisschen, aber dann haben sie die EM damit gewonnen und dadurch wurde das Trikot legendär. Wäre es nur ein einfaches orangefarbenes Trikot gewesen, wäre es nie so ikonisch geworden. 2014 gab es eine riesige Debatte um die weißen Hosen bei der deutschen Nationalmannschaft. Gegen Frankreich spielte die deutsche Elf kürzlich wieder komplett in Weiß und plötzlich heißt es: "Oh, das sieht aber edel aus!" Trikots sind ein hochemotionales Thema.

Barcelona spielte Anfang November gegen Inter Mailand in Pink - die "Mädchenfarbe" kam bei den Fans nicht gut an.

An Pink müssen die Leute immer wieder erinnert werden. Der HSV spielte schon in den Siebzigern einmal in dem Farbton.

Der Sänger Drake postete auf Instagram ein Foto von sich im pinkfarbenen Juventus-Trikot.

So etwas bewirkt extrem viel bei den Fans. Ein weißes Trikot würde der sich ja nicht anziehen. Das Leo-Shirt von Manchester wollte ein englischer HipHopper, der es vorab gesehen hat, sofort auf der Bühne anziehen.

Leo-Muster war zuletzt auf dem Laufsteg ein großer Trend. Orientiert sich das Trikotdesign immer mehr an der Mode?

In jedem Fall. 1988 war der Knackpunkt. Davor war alles einfarbig, dann wurde mit Grafiken angefangen. Seitdem wurden im Design immer neue Reize gesetzt. In den Neunzigern ging außerdem das Merchandising in der Fußballwelt los, dadurch haben sich die Lebenszyklen von Trikots verkürzt. Früher waren die Heimtrikots meistens zwei Saisons lang die gleichen, mittlerweile haben fast alle Vereine jedes Jahr ein neues Heim-, Auswärtstrikot und noch ein drittes Trikot für die Champions League. Die Leute wollen immer etwas Neues.

Die Trikots für Uruguay von Puma waren die letzten Jahre hauteng. Wenn die Ausrüster immer mehr mit der Mode gehen, wo die Neunziger gerade ein Revival feiern, müssten die Schnitte bald wieder weiter werden.

Wir hören von den Spielern allerdings, dass sie nicht so rumlaufen wollen wie in den Neunzigern, als selbst M-Träger auf dem Platz XL anzogen. So weit wird es nicht mehr kommen.

Wenn die Entwurfsphase zwei Jahre dauert, sitzen Sie jetzt gerade am Deutschland-Trikot für die EM 2020 ....

... richtig.

Wie werden die aussehen?

Das kann ich nicht verraten, sorry, aber: in jedem Fall sehr anders als das 2018er-Trikot.

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