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Freizeit:Auf die Decke!

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Blick zur Decke: das Suba-Sortiment für Picknick-Freunde.

(Foto: suba picnic-makers)

Ein stilvolles Picknick ohne umgekippte Gläser und ohne Bandscheibenvorfall? Ein Tüftler will das möglich machen.

Von Peter Burghardt

Man würde im Hamburger Nordosten vielleicht nicht zwingend die Zentrale einer Picknickrevolution erwarten, aber bahnbrechende Ideen entstehen ja an den überraschendsten Orten. Das Wetter der Hansestadt ist zwar legendär, gestern war es knallheiß, heute fällt kübelweise Regen, Kaltfront mit Sommersturm. Stephan Subasic zeigt seine Erfindungen deshalb gerade statt draußen im Garten drinnen in der Villa. Doch sein Equipment wäre jederzeit einsatzbereit, so soll es auch in meteorologisch launischen Lagen sein.

"Suba" heißt seine Marke, Beiname "Picnic Makers". Da sind Picknickdecken, grau oder leuchtend farbig, zusammenlegbar mit Faltmagneten und erklärendem QR-Code, das System hat er sich patentieren lassen. Die Picknickdecken und anderen Picknickmodule verbinden oder trennen Gurte und Reißverschlüsse. "Baukastensystem", sagt Subasic, "instantmäßig." Im Angebot sind Extras wie Buchtasche, Brillentasche und Zeitungstasche, auch eine Baguettetasche, nicht nur für Franzosen. Da wäre eine Weintasche mit integrierten Kühlpads und Thermometer, damit der Weißwein oder auch der Rotwein nicht zu warm werden, was selbst an Alster und Elbe eine reelle Gefahr sein kann. Und natürlich Taschen für Proviant, Gläser, Teller und Besteck; Schneidebrett mit Messer und Magnet. Sogar klappbare und erwärmbare Rückenlehnen und ein tiefer Tisch mit Bodenhalterung und Wasserwaage gehören zur Kollektion. Auf dass im Gras oder Sand nicht ständig die Getränke umkippen und die Bandscheibe knirscht, ohne wacklige Campingdinger.

Günstig sind die Decken nicht, dafür hinterlässt auch Rotwein keine Flecken

Der Erfinder Subasic hat sich vorgenommen, Stil in die neuentdeckte Mode der selbstorganisierten Freiluftverkostung zu bringen. Picknick ist ja wieder schwer in Mode, trotz Corona und wegen Corona, mit oder ohne Abstand. Stephan Subasic ist eigentlich Wirtschaftsingenieur und arbeitete als Werber lange mit Modefirmen. Bei Fotoshootings mit den Ästheten fiel ihm auf, dass für anspruchsvolles Catering in freier Wildbahn angemessenes Equipment fehlt. So entwickelten er und seine Mitstreiter mit einigem Aufwand diese etwas andere Produktlinie, ein ebenso gewagter wie interessanter Versuch.

Picknickdecken gibt es seit Menschengedenken in allen möglichen Variationen, häufig kariert, dazu gerne Picknickkörbe und Kühltaschen. Alles meistens preiswert und rustikal, von diversen Firmen, oft zu haben für weniger als zwanzig bis gut dreißig Euro. Es findet sich auch eine Art fliegender Teppich, zehnmal so teuer und damit in etwa auf dem Preisniveau der Suba-Linie. Bei den Preisen schluckt der Durchschnittspicknicker. Die kleine Suba-Decke, 120 mal 105 Zentimeter, kostet 199 Euro, die Suba-Dinner-Pocket für zwei Personen 299 Euro, die große Suba-Centralpark-Decke 379 Euro. Aber alles aus bestem Material, reißfest und ölabweisend, auch Rotwein macht keine Flecken. Dazu gibt es Zubehör wie Rosenthalteller und Edelstahlbesteck, außerdem Suba-Glass-Container aus bruchfestem Polycarbonat und Stölzle-Glas aus der Lausitz. Stets erweiterbar. "Wie so 'ne MärklinEisenbahn", sagt Stephan Subasic.

Er meint, seine Picknickkonzepte könnten sich durchsetzen wie Mountainbikes, die nahm anfangs kaum jemand ernst. Jung soll es sein, chic, urban, nachhaltig, praktisch. Auch für Spontanbetrieb geeignet. Falls rasch der Himmel aufklart. Mit ganz dezenter Deutschlandfahne, made in Germany, Hamburg-Rahlstedt. Subasic träumt von der weltgrößten Picknickdecke, vom Einsatz an den Stränden, bei der Kirschblüte in Japan. Er zeigt ein Foto aus Oregon, wo Tausende auf anderen Picknickdecken im Gras sitzen, er sieht viel Potenzial, auch im sehr grünen Hamburg mit seinen Parks. Das Virus kam seiner Markteinführung ein wenig in die Quere, aber das Experiment geht erst los, und zur Suba-Picknickserie zählen auch Gesichtsmasken. Höchste UV-Beständigkeit, das Stück für 18 Euro.

© SZ vom 29.08.2020

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