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Foodie-Trend in Berlin:Essen ist das neue Feiern

Apple on plate Apple on a plate This image could be used to depict healthy eating or dieting PUBLI

Veganer essen vor allem Obst und Gemüse, Paleo-Anhänger vor allem Fleisch und Fisch. Beide Trends finden immer mehr Anhänger. Doch welches Essen ist das richtige? Die Berliner suchen danach.

(Foto: Fotos: Alessandra Schellnegger/imago)

Im Hochhaus wird Gemüse gezüchtet und Start-ups planen "Sci-Farming": In der Haupstadt erfindet sich das Essen neu. Davon zeugen auch das "Stadt, Land, Food"-Festival und die "Berlin Food Week".

Als zuletzt der erste verpackungsfreie Supermarkt in Berlin eröffnet wurde, rannten die Berliner den jungen Betreiberinnen die Bude ein. Das wundert wenig: Wo auch immer ein Angebot die wachsende Nachfrage an Essen mit gutem Gewissen deckt, sind die trendbewussten Hauptstädter derzeit zur Stelle.

Das Londoner Magazin Tremors, das sich mit Städte-Trends auseinandersetzt, schrieb jüngst, dass Berlin die Revolution des Essens ausgerufen habe. Im Gegensatz zu Metropolen wie Paris, London oder New York, wo die Zukunft bereits etabliert sei, befinde sich Berlin nach wie vor in einem Entwicklungsprozess, ständig auf der Suche, eine Art Labor für die Welt.

Als Beispiel diente am Wochenende die Markthalle Neun: Der Stand ist winzig, das Personal jung und weiblich, goldene Schrift auf pinken Schildern preist vegane Verheißungen an. Der "Purple Rose"-Smoothie für 4,50 Euro ist warm und matschig, die Avocado-Limetten-Torte ist ein Gedicht, ebenfalls winzig und mit 4 Euro nicht gerade günstig. Trotzdem warten hier die jungen Gäste in langen Reihen. Der Stand ist der Renner auf dem Festival "Stadt Land Food", das in Kreuzberg vom 2. bis 5. Oktober zigtausende Gäste bewirtete.

Auch an vielen anderen Ständen ist der Andrang riesig: Zugucken, wie Wurst entsteht, sich erklären lassen, wie Käse veredelt wird und aus den vielen unterschiedlichen Töpfen kosten, das lässt sich der Berliner gerne gefallen. Allerdings geht es hier um mehr - und die Gäste wissen und goutieren das: Das Festival soll erproben, wie es gelingen kann, Nahrungsmittelproduzenten und Verbraucher wieder enger zusammenzubringen, ohne den Umweg über eine aus der Kontrolle geratene Nahrungsmittelindustrie.

Essen als Trend

Weshalb hier vor allem solche Anbieter zu Gast waren, die ihr Essen und Trinken unter ökologischen, nachhaltigen oder tierfreundlichen Gesichtspunkten produzieren. Und weil die alternative Szene in Berlin groß ist, geriet der Nahrungsmittelmarkt zum Volksfest mit Eventcharakter - es war die Hölle los. Dazu gab es Workshops und Diskussionen darüber, wie das neue Essen aussehen soll, das sowohl den Menschen glücklich macht als auch Tiere und Umwelt schont.

Am Montag wurde den Hauptstädtern ein Verdauungstag gegönnt - und seit Dienstag geht es schon wieder weiter mit einem Essens-Event: Die "Berlin Food Week" gastiert vom 7. bis 12. Oktober im Kaufhaus Jandorf und weiteren "Food-Hotspots" in ganz Mitte. Es gibt ein "Stadtmenü", an dem sich 18 verschiedene Restaurants unter dem Motto "Gemüse ist mein Fleisch" beteiligen, einen Essenstauschtag, an diesem Donnerstagabend eine "Food Night", bei der ein Gastro-Gründerpreis vergeben wird, und vieles mehr. Hier sind, im Gegensatz zum "Stadt Land Food", eher die Macher etablierten Essens vereint, und zeigen stolz, was sie alles können. Doch auch hier gilt die Devise: Zurück zur Natur, zum Ursprung. Das Fleisch kommt nicht aus dem Kühlschrank, sondern stammt von einem Tier. Die Berliner sollen das wieder lernen.

Und die Berliner wollen das auch gerne wieder lernen, erstaunlich viele sogar. In den vergangenen Jahren haben sich im Bereich des Essens so viele neue Trends etabliert, dass der Normalesser kaum hinterherkommt, und immer mehr Menschen schließen sich an. Ob vegane Restaurants, Paleo, Urban Farming oder Streetfood-Markets: Immer geht es ums Essen, und immer ist es neu und anders als zuvor. Das Essen selbst ist zum Trend geworden.