First Ladies:First Ladies dürfen nicht leihen - aber schenken lassen

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Leihen darf eine First Lady nichts; dass sie sich auch keine Outfits schenken lassen darf, wie viele annehmen, ist dagegen ein Irrtum. Sie darf sie nur nicht in ihren privaten Kleiderschrank hängen. Das Finanzierungsmodell von Michelle Obama, die einen Mix aus extrem teurer und sehr günstiger Mode pflegte, erklärte ihre Sprecherin Joanna Rosholm so: "Michelle Obama bezahlt für ihre Kleidung. Für offizielle Events von öffentlicher oder historischer Bedeutung, zum Beispiel einem Staatsbesuch, ist es möglich, dass ihr ein Designer Kleidung als Geschenk zur Verfügung stellt, das von der US-Regierung angenommen wird. Diese werden später im Nationalarchiv eingelagert."

Weil eine First Lady aus Termin- und Sicherheitsgründen nicht einfach losspazieren und shoppen kann, kümmern sich Stylisten um ihre Garderobe. Sie fragen bestimmte Outfits an, und jeder Designer kann da natürlich ablehnen. Wogegen er sich nicht wehren kann: Dass der Stylist in sein Geschäft spaziert und ein Kleid kauft, das die First Lady später trägt. Die überaus vermögende Melania Trump lässt das bestimmt genau so machen, und dagegen ist nichts einzuwenden. Wie die Kleider beim Volk ankommen, ist eine andere Sache.

Keine First Lady ist für ihren Stil bislang so gefeiert worden wie Michelle Obama, die dreimal das Cover der Vogue schmückte. Bei öffentlichen Auftritten trug sie ganz bewusst Kleider von afrikanischen Modemachern und jungen Nachwuchsdesignern, aber auch Couture sowie Stücke vom Billiganbieter Asos. Als moderne, emanzipierte und eigenständige Frau ist sie zum Vorbild vieler geworden, für die Modeindustrie war das der Jackpot. Wenn Obama ein Kleid von einem börsennotierten Modelabel anzog, schoss der Aktienkurs in die Höhe. David Yermack, Professor für Finanzen an der Stern School der New York University, hat das von November 2008 bis Dezember 2009 genau berechnet: Die 189 öffentlichen Auftritte der First Lady ließen den Börsenwert von 29 notierten Firmen um insgesamt 2,7 Milliarden Dollar ansteigen.

Für das Ex-Model Melania Trump ist diese Vorgängerin eine schwere Hypothek. Auch sie zieht sich gut an, klassisch und elegant, aber eben auch sehr teuer. Im Wahlkampf trug sie eine Schluppenbluse von Gucci, zur Stimmabgabe einen kamelfarbenen Mantel von Balmain, zum Wahlsieg einen weißen Jumpsuit von Ralph Lauren. Lieblingsfarbe: Weiß. Subtext: Ich mache mir die Finger nicht schmutzig. Die Haare sind stets ein Stück zu akkurat frisiert. Zu politischen Themen sagt sie nichts, ins Weiße Haus will sie vorerst nicht einziehen. An der Seite ihres Mann lächelt sie meist nur, spricht selten und wenn doch, dann nicht besonders geschickt.

Als anonyme Kundin wäre Melania Trump der Traum jedes Modehauses. Als Role Model und Markenbotschafterin ist sie im Jahr 2017 eine Katastrophe. Allerdings darf man eines nicht vergessen: Die Branche liebt es, Underdogs und Trash für sich zu entdecken, wenn das öffentliche Interesse nur groß genug ist. Anna Wintour, Chefin der US-Vogue, hat Kim Kardashian und Kanye West auf den Titel gehoben, ohne mit der Wimper zu zucken. Auch Melania Trump war dort schon einmal zu besichtigen, im Jahr 2005: Sie trug ihr Hochzeitskleid von Dior Couture. Die Titelzeile: "Donald Trumps neue Braut: der Ring, das Kleid, die Hochzeit, der Jet, die Party." Nicht mal ihren Namen druckte Wintour ab, so viel zum vermeintlichen Feminismus der Vogue.

Große Teile der Modebranche erwarten jetzt von Wintour (übrigens ebenfalls eine Clinton-Unterstützerin), dass sie die Tradition mit den First-Lady-Shootings aussetzen wird. Politisch ist diese Haltung nachvollziehbar - wegen der Sympathiepunkte, die dabei womöglich aufs Trump-Konto rieseln könnten. Die Zeichen deuten trotzdem etwas anderes an. In einem Statement gegenüber dem Branchendienst Business of Fashion wollte ein Sprecher der Vogue zwar nichts über zukünftige Editorials verraten, betonte aber die lange Tradition mit den First Ladies, deren Parteizugehörigkeit für das Magazin noch nie eine Rolle gespielt habe.

Darüber hinaus ist die Mode nur sehr begrenzt politisch, sie kümmert sich in erster Linie ums Geschäft: Wo der nächstbeste Hype (und damit Umsatz) schlummert, da läuft sie hin. Anna Wintour lief vor einer Woche ins Büro von: Donald Trump.

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