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Fashionspießer zu Polarforscher-Jacken:Aus dem Weg, hier kommt die Nordpolexpedition!

Derart angetan fühlen sich die Polarforscher der großstädtischen Neuzeit wie eben dieser Peary - nur, dass sie noch alle Zehen haben. Glitschiges Herbstlaub? Aus dem Weg, hier kommt die Nordpolexpedition! Kalter Wind? Ha, du kannst mir nichts! Knurrender Eisbär? Komm nur her! Auf den 200 Metern von der Haustür bis zur U-Bahn macht seine Pelz-Daunen-Parka-Rüstung den Pendler unverwundbar und inspiriert ihn obendrein zu Tagträumen. Von unendlichen Weiten, von eisgekühlter Atemluft, von Eisbergen, die bizarre Formen in den tiefblauen Himmel reißen, von freundlich hechelnden Huskies. Und hach, wie war das noch mal? Die Inuit haben Dutzende Umschreibungen für das Wort "Schnee".

Aber was um Himmels Lebertran ist dieser Gestank? Ach, nur die U-Bahn. Aus der Traum, hallo Wirklichkeit. Und die meint es nicht gut mit dem Polarforscher. Denn im öffentlichen Nahverkehr will er nur noch eines: raus aus der Jacke, die bis minus 30 Grad warm hält. In der überfüllten U-Bahn hat es eher plus 30 Grad und die Nordpoljacke verwandelt sich in Sekundenbruchteilen zur mobilen Finnen-Sauna. Und so wird das gute Stück umständlich (und vorsichtig, ohne einen Mitreisenden zu verletzen) ausgezogen, sorgsam zu einem Paket geknautscht und über dem Kopf balanciert.

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Vokuhila-Mode und andere Stilunfälle

Lässt sich beim Stadtbummel mal die Sonne blicken, bleibt dem Eisbärenjäger die Wahl zwischen: Schwitzen in den Daunen oder Schwitzen, weil die Federn unterm Arm mit jedem Schritt schwerer werden. Und so ein verschwitzter mantelloser Herbstmensch ist für jeden Grippevirus eine Delikatesse. Auf Shoppingtouren darf das neue Lieblingsstück deswegen schon gar nicht mehr mit. Beim romantischen Winterspaziergang wird die Jacke endlich angemessen ausgeführt. Aber wehe, der endet in einem angesagten, gut besuchten Café. Dann gilt es, den anderen Gästen erst einmal zu erklären, warum die Jacke einen eigenen Sitzplatz braucht.

Zum modebewussten Skioutfit taugt das teure Teil auch nicht, schließlich ist es für echte Schneestürme konzipiert, nicht für alpenländisch-matschige Klimawandel-Winter. Schon nach dem ersten Sturz hält die Jacke nicht mehr besonders trocken. Obendrein verklebt der fluffige Waschbärbesatz in kürzester Zeit zum Eiszapfenvorhang.

So ist dieses Ding für einen echten Polarforscher/Eisbärenjäger möglicherweise supermegapraktisch. Für den Polarforscher/Eisbärenjäger im Herzen ist er das exakte Gegenteil. Supermegaunpraktisch. Aber vielleicht findet es ja als Bettdecke eine Anschlussverwendung. Darunter lässt sich ausgezeichnet vom Nordpol träumen. Fieberfrei.