bedeckt München
vgwortpixel

Fashion Week Mailand:Kleider wie gedruckt

Der kommende Sommer wird eine Herausforderung - für den Betrachter: Muster über Muster, von Comic-Style bis Hardcore-Print. Die Trägerin kann nichts falsch machen. Erlaubt ist so gut wie alles.

Eines haben die Frühjahrs-/Sommerkollektionen für 2015 durchwegs gemeinsam: Sie bieten jede Menge Stoff für bunte Themen. Die Kreationen, die Designer auf der Mailänder Fashion Week bis zum Wochenende zeigten, warteten mit kräftigen Farben und gewagten Prints auf. Auffallen garantiert. Ein Überblick.

Kunst am Kleid

fashion week milano

Daniela Gregis, Stella Jean und Cavalli malen Bilder auf ihre Roben.

(Foto: Getty, dpa)

Ob regnerisch, ob sonnig - schon jetzt steht fest: Der kommende Sommer wird bunt. Abstrakt wie ein expressionistisches Gemälde und dabei gewohnt geradlinig gab sich Daniela Gregis in Mailand. Detailgetreu wie die "Happy Little Trees" des Pinselfetischisten Bob Ross sind die Baumlandschaften, die Stella Jean auf ihre Entwürfe druckt. Doch mit Abstand am farbenfrohsten präsentierte sich Cavalli, dessen Roben an die Kleider Frida Kahlos erinnern. An solchen Kreationen wird man sich so schnell nicht satt sehen.

Und immer wieder Ethno

fashion week milano

Dolce und Gabbana, Fausto Puglisi und das Label Etro setzen auf Etno-Elemente.

(Foto: Getty, dpa)

Für die Mailänder Modewoche haben die Designer wieder tief in der Ethno-Kiste gekramt. Heraus kamen Stilelemente aus Nord- und Mittelamerika, Afrika, aber auch Südeuropa, die durchwegs zeitgemäß wirken.

Bei Dolce und Gabbana hieß es "Eviva Espana!" in allen Variationen - von Matador-Ponchos mit Fransen über schwingende Röcke mit Polkadots bis hin zu aufwändig besticktem und üppigem Kopfschmuck. Fausto Puglisi zitierte unterdessen - nein, nicht den Song "Walk like an Egyptian", sondern das Römische Reich. Einige seiner Elemente wie Oberteile mit metallischen Schuppen erinnern an die Rüstung der Gladiatoren, andere Ornamente scheinen von den Mosaiken im Herculaneum inspiriert. Das Label Etro indes wandelt auf den Spuren von Nordamerikas Ureinwohnern: Fransen, Leder, Stickereien und Federn ergänzen indianisch anmutende Prints in erdigen Farben.

Frau trägt Anzug

fashion week milano

Marni, Cavalli und Pucci lassen den Hosenanzug aufleben.

(Foto: Getty, AFP)

Herrisch, aber feminin: Zweiteiler sind im kommenden Sommer in jeder Form angesagt. Ob mit knallbunten Prints, die an Camouflage erinnern (Marni), ob im Dschungellook (Cavalli) oder aber liebevoll bestickt (Pucci): 2015 finden selbst Blumenkinder zum Hosenanzug.

Bühne frei fürs Knie

fashion week milano

Alberto Zambelli, Dolce und Gabbana und Prada zeigen Mut zum Strumpf.

(Foto: Getty, Reuters, AFP)

Der Kniestrumpf, einst schamhaft unter langen Hosenbeinen verborgen, kommt groß raus. Kein Muster, keine Stickerei ist sich zu schade, um die Unterschenkel der Damen angemessen zu verzieren. Dabei greifen die Muster ganz nebenbei das Leitmotiv des Outfits auf, wie unter anderem auf den Laufstegen von Alberto Zambelli, Dolce und Gabbana oder Prada zu sehen.

Mustermix um jeden Preis

fashion week milano

Das Label N°21, Alberta Ferretti und Missoni mixen Muster furchtlos miteinander.

(Foto: Getty, Reuters)

Ist immer noch jemand der Meinung, man könne Tupfen nicht mit Streifen, Blumen nicht mit Karo mischen? Spätestens in der kommenden Saison scheint das Mustermix-Verbot nicht nur aufgehoben. Sondern selbst verboten.

Das Label N°21 schickt die Frau in Ringelpulli zu Schottenkaro auf den Laufsteg. Alberta Ferretti präsentiert einen wallenden, geschlitzten Rock, der das grafische Motiv des Tops zwar aufgreift, aber so verfremdet, dass der Eindruck zwei völlig unterschiedlicher Dessins entsteht. Selbst Missoni begnügt sich nicht mehr mit Strick von oben bis unten, sondern kombiniert unterschiedliche Materialien und Muster.

Mode als Kinderspiel

fashion week milano

Anna Dello Russo und Micol Sabbadini bei Au Jour Le Jour; Leitmotiv spielt Videogames, Fey lässt Snoopy auferstehen.

(Foto: Getty)

Auch wenn viele ihren Stil als gewöhnungsbedürftig beschreiben würden: Anna Dello Russo, Chefin der japanischen Vogue, gilt als modischer Seismograph. Und sie saß bei "Au Jour Le Jour" in der ersten Reihe in einem Kleid, das über und über mit roten Lippen bedruckt war. Die Fashionwelt kann sich also schon einmal darauf einstellen, dass Pop, Comics und Kinderbücher demnächst tragbar werden.

Das Label Leitmotiv arrangiert Smileys und Elemente der Videospiel-Optik aus den Neunzigern auf seinen Kreationen. Da überrascht selbst der Humor von Fey nicht mehr: Snoopy auf wattierter Steppjacke, das wärmt das Herz gleich mit.

Fashion Week New York Hallo Normcore, hier kommt die Party
Fashion Week New York

Hallo Normcore, hier kommt die Party

Der Hipster ist tot, es lebe der Langweiler. Wenn Stilexperten Unauffälligkeit zum Credo erklären, klingt das zeitgeistreich, aber nicht sonderlich aufregend. Wie gut, dass es neben dem Modestil Normcore noch andere Cores gibt. LOL-Core, zum Beispiel.   Von Lena Jakat