bedeckt München 19°
vgwortpixel

Fashion Week Mailand:Hommage an die elegante Signora

Tod's Fashion Week Mailand

Modehäuser wie Tod's feierten in Mailand die klassische Eleganz.

(Foto: REUTERS)

Mode-Renaissance statt Krisen-Design: Nur wenige Designer flüchten auf der Mailänder Modewoche in Traumwelten. Stattdessen machen die italienischen Modehäuser, was sie am besten können.

Das Lieblingsblatt der Modebranche, die Women's Wear Daily, hat vor ein paar Tagen den Look des neuen italienischen Premierministers Matteo Renzi analysiert. Er kommt aus Florenz, der Wiege der Renaissance, weswegen jetzt in Sachen Wiedergeburt alle Hoffnungen auf seinen Schultern lasten. Während er am Samstag in Rom als neuer Premier vereidigt wurde, präsentierten die Modehäuser in Mailand ihre Kollektionen für den nächsten Winter. Und auch das war so etwas wie eine Wiedergeburt - nämlich die der italienischen Frau. Nur sehr selten war da noch das Fernseh-Starlet mit den aufgespritzten Lippen aus der Berlusconi-Ära zu sehen. Sondern meistens La Signora, die flache Schuhe zu Diamantohrringen so selbstverständlich eklektisch kombiniert wie niemand sonst auf der Welt.

Die Kunst, die Renzi jetzt vollbringen muss, ist es, italienische Werte und Traditionen nicht zu zerstören, aber das Land trotzdem auf die Zukunft hin auszurichten. So wie die italienische Mode: Die hat sich gerade auf einen sehr eleganten Marsch Richtung Zukunft begeben. Apropos Marsch: Tomas Maier ging es bei Bottega Veneta wortwörtlich um "Bewegungsfreiheit". Seine Kleider saßen am Oberkörper wie angegossen und schwangen zum Saum hin federleicht in einer schmalen Fifties-Silhouette. Auch wenn der Designer keine "direkten Referenzen mag", wie er sagt. Nur ab und zu blitzte zwischen den Plissée-Falten eine andere Farbe hervor: "Die aufspringenden Falten sollen unterstreichen, dass eine Frau vorangeht", erklärte der Designer nach der Show.

Stimmt schon. Die moderne Frau braucht Kleider, über die sie nicht nachdenken muss. Oder anders gesagt: Der wahre Luxus für eine Frau ist, wenn sie ihr Kleid einfach vergisst. Das geht nur, wenn es perfekt sitzt und aus feinsten Materialien gemacht ist. So wie die kunstvoll um den Körper drapierten Plissée-Kleider am Ende der Show, die Maier direkt am Model drapierte. Diese Schwerstarbeit, die Tage dauerte, sah am Ende aus wie das Leichteste auf der Welt. Das ist die Kunst, nicht nur die eines wirklich großen Modemachers, sondern die des Anziehens generell. Alles andere ist Verkleidung - eine Marotte, die sich in den letzten Jahren in der Modewelt eingeschlichen hatte.

Fashion Week

Mailänder Zeitreise

Abendkleider in Bierdosenform

In dieser Saison haben die Clowns, also die grell-bunt nach Aufmerksamkeit heischenden Blogger-Girls, rapide abgenommen. Nur die wirklich junge Generation trägt am Tag nach der Moschino-Show das Begrüßungsgeschenk mit sich herum: eine iPhone-Hülle in Form einer Frittentüte von McDonald's. Der Amerikaner Jeremy Scott wurde bei Moschino gerade neu engagiert. Seine Devise: Humor. Weswegen er Abendkleider in Bierdosenform zeigt. Und eben ein McDonald's-Pullikleid, das die Streetstyle-Ikone Anna dello Russo (nicht mehr ganz jung) sofort trägt. Er habe nur zehn Minuten im Archiv des in den Neunzigern verstorbenen Franco Moschino verbracht, hat Scott in einem Interview gesagt. Da kann man nur sagen: Sieht man. Das Laute und das Schreiende, es passt den Modeleuten nicht mehr. Stattdessen trägt man lieber wieder flache Schuhe und gedeckte Töne wie zu besten Helmut-Lang-Zeiten. Das Modemagazin der New York Times hat diesem Phänomen sogar einen ganzen Artikel gewidmet.

Auch bei Fendi wurde marschiert, und zwar zu Schostakowitsch: Supermodel Cara Delevingne eröffnete die Show, ihr Gesicht umrahmt von einer wippenden Pelzkapuze, und wie eine Beute vor sich her tragend: ein kleiner Carlito, eine Lagerfeld-Figur aus Pelz. Über der Armada von Models in Military-Tönen, gut gepolstert gegen äußere Angriffe zwar, aber gleichzeitig in langen Silhouetten, die irgendwie an die Dreißigerjahre erinnerten, schwirrten Foto-Drohnen. Kunstvolle Blumen-Applikationen hielten Pelzkrägen zusammen, während Lodenmäntel am Saum in Pelz explodierten. An den Wänden prangten überall die Worte "Made in Italy" - weil man das, so Karl Lagerfeld, gar nicht oft genug betonen könne. Mit so viel italienischer Handwerkskunst kann man dann auch aus Netzstoff romantische Abendkleider machen.