Fashion Week Berlin:Lederkleider wie Zuckergebäck

Sogar Lack-Korsagen sind bei Marina Hoermanseder in Pastelltönen. Die Wirkung ist atemberaubend. Einziger Wermutstropfen: die Schuhe. Auch Augustin Teboul sind diesmal überraschend hell.

Von Ruth Schneeberger, Berlin

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Berlin Fashion Week

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Seit ein paar Saisons werden in Berlin von allen Gastgebern, die etwas auf sich halten, Macarons an die Gäste verteilt. Manufakturen fertigen das Schaumgebäck in sämtlichen Geschmacksrichtungen, die man sich vorstellen kann - gerne auch für Designer in den Farben der Kollektion. Gleich beim ersten Kleid, das Marina Hoermanseder am Freitagmittag über den Laufsteg schickt, muss man dann auch an Süßes denken.

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"Kekse und Blumen", bestätigt die Berliner Jungdesignerin mit französisch-österreichischen Wurzeln im Gespräch, hätten sie backstage ihre Kollektion nur noch genannt.

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Mit Gürteln hat es die Designerin, die im vergangenen Jahr ihr Debüt auf der Fashion Week feierte, und nun ziemlich gehypt wird. "Sie ist die Beste", feuerten sich Modejournalisten und Blogger nach der Show gegenseitig an - "das war jetzt ihre beste Show und die beste auf der Fashion Week."

Marina Hoermanseder Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Spring/Summer 2016

Quelle: Getty Images for IMG

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Der Eindruck kam wohl durch die Mischung zustande: Die Show fand im feinen Garten des herrschaftlichen Kronprinzenpalais Unter den Linden statt, sowas mögen Modemenschen gerne. Zu klassischer bis eindringlicher Musik schwebten die Models in einer Mischung aus sophisticated und futuristisch über den Freiluft-Catwalk: Kleider aus lackiertem Leder, Röcke aus Gürteln, Korsagen aus Lack. Aber - bis auf das zurzeit so beliebte Dunkelblau - immer in Pastellfarben. Mode wie für Royals aus der Zukunft, die zufällig als Zeitreisende an diesem Sonnenschein-Mittag in Berlin unter Lindenbäumen herumspazieren. Das wärmt das Bloggerherz.

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Und einige Entwürfe sind tatsächlich atemberaubend, wie ein Lackbustier in Blasslila zu zart silbernem Rock. Hoermanseder verbindet die Kunst der Reduktion mit Präzision, Eleganz und überraschenden Momenten - das lockt das Auge.

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Einziger Wermutstropfen: die Schuhe. Traditionell sind die Schühchen bei klassischen Modenschauen so schwindelerregend hoch, dass allein schon der Gang über den Laufsteg den Zuschauern in den ersten Reihen höchsten Respekt abverlangt. Aber die hier waren offenbar zusätzlich so unbequem, dass die Mühsal den Models bei jedem Gang anzusehen war. Weil das so gar nicht zu den zuckersüßen Kleidern und der positiven Ausstrahlung der Kollektion passte - und vielleicht auch, weil es nicht mehr auszuhalten war - zogen gleich zwei Models ihre Schuhe auf dem Laufsteg einfach aus.

Im Bild rechts: Eva Padberg, selbst auf Stilettos, eilt aus dem Publikum zu Hilfe.

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Weil es sogar dafür Applaus vom Publikum gab, musste Marina Hoermanseder am Ende mit den Tränen kämpfen vor Rührung: Mit so viel Begeisterung hatte sie dann wohl doch nicht gerechnet. Im Gespräch mit der SZ erklärt sie, dass sie bis zum Schluss habe zittern müssen, weil ein 3D-Korsett erst zehn Minuten vor der Show aus Italien geliefert worden sei. Was sie inspiriert hat? Einmal die österreichisch-ungarische Monarchie - deshalb die voluminösen Röcke. Außerdem das Korsett. Von Alexander McQueen hat sie in ihrer Ausbildung die Affinität zu Lederkorsetts mitgenommen, seitdem interessiert sie sich für die richtige Art des Schnürens und Stützens. Passende Körperkäfige, auch gerne morbide, schneiderte sie schon für Lady Gaga.

Marina Hoermanseder Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Spring/Summer 2016

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Doch diesmal gab es nichts Morbides, sondern Zuckersüßes und Blumiges in Pastellfarben. Warum? Hoermanseder (im Bild links im blauen Rock) sagt: "Ich dachte an Kinderkorsetts, die werden oft mit Blumen für Kinder verziert, um sie erträglicher zu machen. Mein erster Gedanke war: Wenn ich mich der Orthopädie bediene, um Mode zu machen, warum sollte ich dann im Umkehrschluss nicht mein ästhetisches Empfinden in die Orthopädie bringen?"

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Gar nicht pastellig, sondern immer komplett in Schwarz begeistern die beiden deutsch-französischen Designerinnen von Augustin Teboul seit ein paar Jahren die Fashion-Week-Verrückten in Berlin. Ihr Konzept: immer schwarz, aber nie langweilig, sondern kunstvoll verziert und stilvoll entrückt, mit vielen Einflüssen aus fernen Ländern und doch immer unverwechselbar in Form und Farbe. Das ist jetzt vorbei.

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Zwar immer noch unverwechselbar, aber zum ersten Mal nicht mehr nur in Schwarz präsentierten Augustin Teboul ihre Entwürfe Donnerstagnacht in der Galerie Judin. Auf die schwarzen Outfits haben sich weiße Applikationen und Punkte geschlichen. Das ist für ihre Verhältnisse eine kleine Sensation.

Augustin Teboul Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Spring/Summer 2016

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Polka-Dots auf Kleidchen, psychedelische Stickereien auf zerrissenen Jeans, ...

Augustin Teboul Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Spring/Summer 2016

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... tropische Ornamente auf weißen Schuhen. Das ist weniger artifiziell als vorher, aber auch ein bisschen weniger elegant, mehr Rock-Schick und mehr 80er. Das passt wiederum ...

Augustin Teboul Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Spring/Summer 2016

Quelle: Getty Images for IMG

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... zur Fotografie von Ellen von Unwerth, die in den 80ern in der Szene ein Star war und jetzt für die Show von Augustin Teboul deren Mode fotografisch inszeniert hat. Traditionell machen die beiden Designerinnen keinen üblichen Catwalk, sondern Kunstinstallationen aus ihren Shows. Diesmal also eine Fotoausstellung. Die Bilder zeigen die Mode - natürlich - in Schwarz-Weiß, fotografiert im Botanischen Garten in Berlin, wie Odély Teboul erzählt. Allerdings aufgepeppt mit ein paar Diskokugeln und weiteren absurden Illusionen, illustrieren soll das Ganze einen Tropensturm.

Augustin Teboul Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Spring/Summer 2016

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So ganz verstanden haben das nicht alle Besucher in der Nacht - und dann doch lieber die Models selbst fotografiert. Das geht nämlich nirgendwo so nah wie bei Augustin Teboul, wo die Models eine Stunde lang als Installation in der Ecke stehen.

© SZ.de/afis/jobr
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