Haben und Sein:Traum in Grün

Haben und Sein: Kopf in den Wolken: Teller von Fornasetti.

Kopf in den Wolken: Teller von Fornasetti.

(Foto: Hersteller)

Fornasetti steckt den Kopf in die Wolken, dazu Seventies-Mode von Saint Laurent und Naturfarben für 2022: die Stilnews der Woche.

Von Anne Goebel, Max Scharnigg und Silke Wichert

Fornasetti, Spezialist für verspielte Einrichtungsobjekte aus Mailand, kann man jetzt auch am Körper tragen. Aus einer Kooperation mit Louis Vuitton ist eine Kollektion entstanden, die klassische Motive der Traditionsmarke in Kleidungsstücke und Accessoires übersetzt. Antike Säulen, Renaissancegebäude, verschnörkelte Schlüssel prangen auf Blusen, Kleidern und Taschen, und natürlich ist auch das LV-Logo immer schön sichtbar. Wobei zum Beispiel das Taschenmodell "Cannes" zum Umhängen, am Lederriemen oder einer Goldkette, weniger als schlanker Alltagsbegleiter dient, sondern einer runden Porzellandose mit Deckel nachempfunden ist, nur eben aus Leder. Ein kleines Kunstwerk für unterwegs: Das entspricht genau der Idee des Gründers Piero Fornasetti, für den die nüchterne Frage, wie praktisch ein Gegenstand ist, nie an erster Stelle stand. Ihm ging es darum, schöne Stücke zu erschaffen und die Grenzen zwischen Kunst und Gebrauchsdingen zu verwischen. Fornasetti selbst, der seine Karriere mit bemalten Seidenschals begann und als Student der Mailänder Accademia della Brera verwiesen wurde, hätte sich wahrscheinlich auch einen seiner berühmten Teller als exzentrischen Schmuck der etwas anderen Art umgehängt und das nicht weiter ungewöhnlich gefunden. Die Porzellanserie mit dem Abbild der Operndiva Lina Cavalieri ist die bekannteste Produktlinie des Hauses, das heute von dem Sohn des Gründers, Barnaba Fornasetti, geführt wird. Jedes Jahr kommen neue Motive von "Tema e Variazioni" auf den Markt, von Sammlern weltweit mit Ungeduld erwartet. Gerade ist die Variante 402 erschienen, die schöne Lina mit Headset, den Kopf in den Wolken, verträumt geschlossene Augen - auch eine Art, der schwierigen Gegenwart zu entfliehen (fornasetti.com).

Haben und Sein: Vor-Schuh und Acapulco-Sessel in gemeinsamer Memphis-Verneigung.

Vor-Schuh und Acapulco-Sessel in gemeinsamer Memphis-Verneigung.

Zwei Münchner Manufakturen haben sich jetzt zu einer ebenso interessanten wie ungewöhnlichen Kooperation zusammengefunden. Beim Label Acapulco Design, gegründet von Benjamin Caja, dreht sich seit 2015 alles um den legendären "Acapulco Chair". Der leichte Outdoorklassiker, dessen Design in den Fünfzigerjahren populär wurde, verströmt mit seiner organischen Form und den bunten Schnüren, die als Sitzfläche gespannt werden, heute immer noch exotischen Charme und hat in den letzten Jahren ein beachtliches Comeback auf Terrassen und in Lounges hingelegt. (Stuhl ab 349 Euro, acapulcodesign.eu) Die Münchner Marke VOR wiederum steht für moderne Schuhe und Sneakers mit hohen ethischen und ästhetischen Ansprüchen, die in Deutschland oder Portugal gefertigt werden. Während der Lockdown-Zeit trafen sich VOR-Mitgründer Andreas Klingseisen und Benjamin Caja häufiger auf dem Spielplatz. Dabei entstand die Idee, eine Sonderedition aufzulegen, die Stuhl und Schuh mit einem gemeinsamen Design vereint. Die Optik sollte auffallen, deswegen haben die beiden Unternehmer sie als Referenz an die Gruppe Memphis angelegt, jene farben- und formfrohe Designrevolution aus dem Italien der Achtzigerjahre. Stuhl und Schuh wurden also in zartpoppige Rosa-Blau-Töne getaucht und bilden jetzt als Sonderedition eine echte Zeitgeist-Allianz. Ziel der beiden Freunde: farbenfroh und energetisch Lebensfreude zu vermitteln, gerade in Zeiten der Pandemie! Um darüber hinaus ihre Verwurzelung in der Street-Culture zu unterstreichen, unterstützen sie mit der Sessel-Schuh-Kooperation das Trainingszentrum von Tim Yilmaz auf dem Sugar-Mountain-Gelände in München Sendling. Dort wird unter dem Motto "Motivieren, Trainieren, Integrieren" unter anderem Frauen mit Migrationshintergrund eine Plattform für sportliche Betätigung geboten - neuerdings auch mit sehr stilvollen Sitzgelegenheiten.

Haben und Sein: Die Farbe für 2022: "Evergreen Fog" von Sherwin-Williams.

Die Farbe für 2022: "Evergreen Fog" von Sherwin-Williams.

(Foto: screenshot/Instagram/sherwinwilliamss/)

Die "Farbe des Jahres"-Saison ist in vollem Gang: Welche wird die passende Nuance für 2022? Es gibt ja nicht nur das Institut Pantone, das jährlich seinen Favoriten bekannt gibt, auch wenn diese Verkündigung stets besonders beachtet wird. Andere Hersteller, Trendforscher und Interior-Spezialisten versuchen ebenfalls auszuloten, welche Schattierung die Kunden in naher Zukunft besonders ansprechen könnte. Und für kommendes Jahr, das hat das Magazin Architectural Digest gerade bekannt gegeben, stehen die Zeichen im Moment auf Grün. Der naheliegende Grund: Die "Idee der Wiedergeburt" werde mit der Farbe der Natur besonders verbunden, und einen Neuanfang können nach einem weiteren Covid-Jahr wahrhaftig alle gebrauchen. Vorgestellt wurden von Farbenfirmen bereits "Olive Sprig" mit Anklängen von Pistazie oder die grasige Nuance "Guacamole". Jetzt hat Sherwin-Williams das graugrüne "Evergreen Fog" für den Neustart 2022 lanciert. Der Hersteller von Farben und Lacken vertreibt seine Produkte in eigenen Läden und gilt als einflussreiches Unternehmen im Inneneinrichtungs-Bereich. Das dezent optimistische 2022er-Grün wird als deutliche Abkehr vom Favoriten des vergangenen Jahres gewertet, ein auf "Cocooning" ausgerichteter Braunton. Es geht also in Richtung grüner Bereich.

Haben und Sein: Mit Hochglanz in die Siebziger: Schuhe von Saint Laurent x Mytheresa

Mit Hochglanz in die Siebziger: Schuhe von Saint Laurent x Mytheresa

(Foto: Hersteller)

Mag ja sein, dass in der Mode gerade die Neunzigerjahre wieder hervorgekramt werden. Mesh-Tops, bauchfrei, Tunnelzüge und dergleichen. Saint Laurent folgt in einer neuen Capsule Collection für den Online-Store Mytheresa trotzdem lieber seiner eigenen Agenda, also dem Spirit seiner Anfänge in den Sechziger- und Siebzigerjahren. Das sieht nämlich genauso jung aus, nur halt deutlich eleganter. Da wären also eine Neuinterpretation des Smokings, der nun mit kurzen Hosen getragen wird, viel Prince-of-Wales-Karo, großartige Lack-Pumps und die wahrscheinlich besten schwarzen Stiefel für den Herbst. Außerdem knallige Seventies-Blumenprint. Quasi textiles LSD für die trüberen Tage (mytheresa.com).

© SZ
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