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Fairtrade:Glanz ohne Reue

Auch schonend gewonnenes Gold soll zukünftig mit einem Siegel ausgewiesen werden. Was heißt das für Arbeiter und Konsumenten? Fairtrade Deutschland gibt Antworten.

Der 14. Februar ist Tag der Geschenke - und ein schönes Schmuckstück gehört zum Standardrepertoire am Valentinstag. Zu einem hohen Preis: Umweltverschmutzung, finanzielle Ausbeutung, lebensgefährliche Arbeit sind die Schattenseiten beim Abbau von Edelmetallen. Das Fairtrade-Siegel für schonend gewonnenes Gold soll jetzt Abhilfe schaffen. Ein Gespräch mit Claudia Brück, Pressesprecherin von Fairtrade Deutschland.

SZ: Der Verein Fairtrade vergibt das Siegel für zertifiziertes Gold seit vergangenem Herbst. Die Bedingungen in Goldminen sind aber nichts Neues - was war der Auslöser für diesen Schritt?

Claudia Brück: Die Standards, die für ein Zertifikat erfüllt werden müssen, hat der Dachverband Fairtrade International schon vor einigen Jahren ausgearbeitet. Für uns geht es jetzt darum, dieses Regelwerk in Deutschland bekannt zu machen. Großbritannien und die Schweiz waren die ersten Märkte, in denen das Gold eingeführt wurden. Für alle Länder gilt, dass sich der Markt nicht aufdrängt. Man muss das Thema aktiv voranbringen.

Am Goldabbau verdienen viele Akteure. Wo setzen die Fairtrade-Standards an?

Wir setzen am Ursprung an, bei den Minenarbeitern in Ostafrika oder Peru. Ähnlich wie die Kakaobauern leben sie oft weitab von den Zentren und sind auf einen Händler angewiesen, der ihnen ihre Ware abnimmt - zu einer Summe, die allein er bestimmt. Nimmt man beim Gold die Londoner Börse als Referenzmarke, dann ist das, was der Arbeiter erhält, nicht einmal die Hälfte des Preises. Wir möchten, dass die Menschen langfristiger planen können und bessere Preise erzielen.

Wie wollen Sie das erreichen?

Erstens versuchen wir, die Minenarbeiter zu organisieren. Viele von ihnen buddeln als Einzelkämpfer illegal in Stollen, das ist gesundheitlich und arbeitsrechtlich sehr prekär. Nur wenn sie sich in Kooperativen zusammenschließen und ihnen das Areal, das bearbeitet wird, gemeinsam gehört, greifen die wenigen staatlichen Schutzmaßnahmen. Für diese Zusammenschlüsse versuchen wir, Gelder zu mobilisieren und günstige Kredite zu finanzieren, damit sie Land erwerben können.

Claudia Brück, Pressesprecherin von Fairtrade Deutschland.

(Foto: PR)

Unter welchen Bedingungen wird Gold dort abgebaut?

In Peru oder Bolivien steigen die Menschen in verlassene Minen ein, die für Konzerne unrentabel wurden. Zwölf Stunden unter Tage, ungesicherte Gänge, bei einem Unfall keinerlei Hilfe in der Nähe - bei solchen Berichten bekommen Sie vom Zuhören Beklemmungen. In Ostafrika sind es provisorische Erdlöcher, die bei Regen oft einstürzen. Ein Problem ist auch das stundenlange Auswaschen von Gold im Wasser, langfristig schädigt das Haut und Gelenke. Da helfen so einfache Dinge wie Handschuhe und Gummistiefel.

Wie kann man die Arbeitsbedingungen sonst noch verbessern?

Wir bieten Trainingsmaßnahmen an, in Arbeitsrecht oder um den Stollenbau sicherer zu machen. Wichtig ist auch, die schädliche Wirkung von Quecksilber beim Auskochen von Gold aus dem Gestein zu vermeiden. Es gibt relativ günstige Apparate, mit denen der giftige Stoff in einen geschlossenen Kreislauf gelenkt und wiederverwendet werden kann. Ich habe von einer Schürferin gehört, die denselben Löffel für Quecksilber und zum Kochen verwendete. Ohne Bewusstsein, dass das gefährlich sein könnte.

Wenn ich nun Ohrringe aus Fairtrade-Gold kaufe oder anfertigen lasse - was bringt das dem Minenarbeiter oder Schürfer konkret?

Nur Gold, bei dem die Sicherheits- und Sozialstandards eingehalten werden, erhält unser Siegel. Keine illegale Kinderarbeit, bezahlte Überstunden - Bedingungen, die jedem Arbeiter zugutekommen. Die Kooperative erhält für ihr Gold 95 Prozent des Weltmarktpreises und eine Prämie. Darüber hinaus schulen lokale Berater vor Ort. Und Sie als Kunde können die Lieferkette Ihres Schmucks zurückverfolgen.

Über den Juwelier, bei dem ich kaufe?

Ja, aber Sie müssen aktiv nachfragen. Wir möchten erreichen, dass die Lieferkette mit Zwischenhändlern, die am Gold verdienen, möglichst kurz ist. Ein Juwelier kauft ja kein Nugget ein, sondern Platten oder Stäbe, die er weiterverarbeitet. Und die kommen aus den sogenannten Scheideanstalten, die das Rohgold veredeln. Leider gibt es bisher keine deutsche Scheideanstalt, die Fairtrade-Gold anbietet. Wir hoffen, dass wir die Lücke bald schließen können. Bisher müssen Juweliere Fairtrade-Gold im Ausland kaufen, in der Schweiz oder den Niederlanden. Das ist leider ein bürokratischer Mehraufwand.

Kann Ihre Initiative denn die unsauberen Geschäfte mit Gold verändern?

Uns ist bewusst, dass unsere Maßnahmen nur einen Ausschnitt der Goldproduktion betreffen. In Afrika durchpflügen Maschinen ganze Landschaften, da wächst nichts mehr danach. Und die wirtschaftlichen Kräfte, die an diesen Strukturen ziehen, sind enorm. Umso wichtiger ist es, dass die EU bei sogenannten Konfliktrohstoffen wie Gold und Diamanten wirksam reagiert. Es geht nicht nur um Naturschutz. In afrikanischen Krisenregionen werden Kriege damit finanziert.

Warum fällt es leichter, Fairtrade-Kaffee zu kaufen als Fairtrade-Gold?

Ich denke, das hat mit dem Luxusprodukt zu tun. In beiden Fällen ist der Preis im Vergleich zu konventioneller Ware höher. Aber bei Gold geht es um Emotionen. Man beschäftigt sich mit der Schönheit eines Armbands, bei Trauringen mit dem Eheglück - und nicht so gerne mit der Schattenseite der Goldgewinnung.