Tapas aus dem Schwarzwald Das beste Kochbuch der Welt

Verfasser des besten Kochbuchs der Welt: Manuel Wassmer und Verena Scheidel.

(Foto: Cook&Shoot)

Sie hatten weder gastronomische Ausbildung noch Verlag. Warum zwei Hobbyköche aus dem Schwarzwald trotzdem den Gourmand World Cookbook Award gewonnen haben.

Von Max Sprick, Bühl

Sie mochte gar keine Garnelen. Wenn sie ehrlich ist, hasste sie sogar alles, was man ihr aus dem Meer zum Essen vorsetzte. Doch dann kam der Tag, an dem sich Verena Scheidel nicht traute, ehrlich zu sein. Elf Jahre ist das nun her. Sie wollte damals diesen Mann nicht vergraulen, den sie gerade erst kennengelernt hatte und der nichts wusste von ihrer Abneigung, sich aber solche Mühe gab mit seinen Garnelen, mit denen er Scheidel beeindrucken wollte. Es gelang ihm - dank Weißwein, Emmentaler, Eigelb und Sahne. "Er hat die Garnelenschwänze gratiniert und in einem Champignonkopf versteckt", sagt Scheidel heute. "So hat er mich ausgetrickst und für Meeresfrüchte begeistert." Und so begeisterte Manuel Wassmer auch Scheidel für sich.

Liebe geht durch den Magen, heißt es ja, und sollte das stimmen, dann geht sie bei Wassmer und Scheidel erst mal durch die komplette Küche. Durch eine High-End-Küche, um genau zu sein, die sich Scheidel und Wassmer passgenau in ihr Haus gebaut haben und die selbst manchen Gastronomen neidisch machen dürfte. Mit einem Steinofen, in dem sie ihr Brot backen, dem Sous Vide, in dem sie ihr Fleisch garen, oder den Wärmeleuchten, mit dem sie ihr vieles Essen warm halten. Es ist die Küche, in der die beiden gerade das beste Kochbuch der Welt verfasst haben. Als Hobbykulinariker und in einer Zeit, in der weltweit jedes Jahr 25 000 neue Rezeptbände auf den Markt geworfen werden. Wie das geht? Das muss man der Reihe nach erzählen.

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Scheidel und Wassmer sind weder ausgebildete Köche, noch haben sie Erfahrung in der Gastronomie oder als Autoren. Er, 40, ist selbständiger Lichtgestalter, sie, 37, technische Zeichnerin. Sie wohnen in einem Eckhaus am Rande eines Wohngebiets, kurz hinter Bühl bei Baden-Baden. Dort, wo die Hänge des Schwarzwalds sanft anzusteigen beginnen. Im Keller hat Wassmer seine Werkstatt, darüber sein Lampenstudio, und eine Treppe weiter oben liegt die Küche, in der das Paar Rezepte entwickelt. Mehr als 500 davon sind mittlerweile veröffentlicht. Mit Merguez gefüllte Maultaschen zum Beispiel, die in Rotweinsud ziehen. Oder ihr "Schwarzwaldbecher pikant": Gläschen mit Schichten aus Kirschtomaten, Frischkäsecreme und Hackfleisch mit Blutwurst. "Schwarzwald Tapas" nennen Scheidel und Wassmer ihre regional geerdeten Fusion-Häppchen, die so gut ankommen, dass ihr Band "Schwarzwald Tapas 2" im Juni in China mit dem Gourmand World Cookbook Award ausgezeichnet wurde, den manche als "Oscar für Kochbücher" bezeichnen.

Kann man einen solchen Erfolg planen auf einem völlig übersättigten Markt? Was macht heute überhaupt ein gutes Kochbuch aus? Und was machen die Autodidakten aus Baden besser als andere?

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Wenn Wassmer und Scheidel solche Fragen beantworten sollen, geben sie sich bescheiden und bleiben vage. "Dass wir wirklich alles selbst gemacht haben, war vermutlich ein entscheidender Faktor", sagt Manuel Wassmer. Oder: "Ich denke, man merkt uns unsere Leidenschaft an." Tatsächlich hatten sich Scheidel und Wassmer als Hobbyköche einen Namen erkocht. Sie nahmen so gerne an Wettbewerben teil, wie sie kochten und aßen. Und sie gewannen fast immer. Wenn sie heute irgendwo anträten, verdrehten andere Teilnehmer die Augen, erzählt Verena Scheidel, "sie geben sich keine Mühe, leise zu sprechen, wenn sie sich gegenseitig fragen: 'Was wollen die noch hier, die sind doch keine Hobbyköche mehr?'"