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Ernährung:Seriöse Studien gibt es nicht

Seriöse Studien gibt es nicht, obwohl dies immer wieder von Tierrechtlern behauptet wird. Eine oft zitierte Untersuchung, die über die Peta-Zeitschrift Animal Times ausgeschrieben wurde, gilt unter Fachleuten als einseitig und wenig aussagekräftig, da es sich bei den 300 dokumentierten Fällen ausschließlich um vegan ernährte Hunde von Peta-Sympathisanten handelte, eine Kontrollgruppe mit fleischfressenden Hunden gab es nicht.

Es steht in Fachkreisen mehr oder weniger fest, dass sich das Verdauungssystem des Hundes im Verlauf seiner Domestizierung an den Menschen angepasst hat. Wölfe ernähren sich hauptsächlich von Fleisch, Hunde bekamen immer wieder Reste von gekochtem Essen ab. "Vom Stoffwechsel her sind Hunde deutlich flexibler", sagt Jürgen Zentek, Direktor des Instituts für Tierernährung an der FU Berlin. Ziemlich sicher ist auch, dass veganes Futter für Katzen auf Dauer nicht infrage kommt, denn ihr Stoffwechsel ist darauf eingerichtet, Mäuse zu fangen und zu verspeisen. Zum Speiseplan von Hunden gehören auch pflanzliche Bestandteile, "aber ob es biologisch auf Dauer sinnvoll ist, sie rein vegetarisch zu ernähren, weiß man aus wissenschaftlicher Sicht nicht", sagt Zentek.

Ein Hund würde sich von selbst wohl nicht fleischlos ernähren

Ein fleischlos ernährter Hund wird aber nicht zwangsläufig krank. Vegan lebende Hundehalter verweisen gerne auf Bramble, einen Border Collie, der laut Guinnessbuch der Rekorde 27 Jahre alt wurde - er wurde von seinem Frauchen angeblich mit einer Mischkost aus Reis, Linsen und biologisch angebautem Gemüse ernährt. Ist pflanzliches Hundefutter also die bessere Wahl für ein gesundes Hundeleben - oder in Dosen gepresste Vermenschlichung? "Es hat oft mehr mit dem Lebensstil des Hundehalters zu tun, den er auf das Tier überträgt", sagt Tierernährungs-Experte Zentek, "wenn man dem Hund die Wahl ließe, würde er sich wahrscheinlich für das fleischhaltige Futter entscheiden."

Doch viele Tierhalter verzweifeln am konventionellen Futter, ob nun Veganer oder nicht. Denn, so absurd das klingt: Es kommt immer wieder vor, dass Hunde allergisch auf Fleisch reagieren, jedenfalls auf den Billig-Fraß, der aus Schlachtabfällen besteht, die für den menschlichen Verzehr nicht mehr infrage kommen. Betroffene Tiere leiden an Hautausschlag, Fellproblemen, Diabetes, Verfettung und anderen Krankheiten.

Bei Martina Hinterwallners Hunden war es ähnlich. Ihre Labrador-Hündin hatte schuppiges, mattes Fell, bis sie veganes Futter bekam, erzählt Schokos Frauchen. Martina Hinterwallner war begeistert und schrieb ein Buch über veganes Hundefutter inklusive Rezepten und Erziehungstipps im Eigenverlag, Titel: "Healthy Vegan Dogs. Wie man Hunde gesund vegan ernährt". Die Reaktionen waren gemischt, teilweise gehässig. "Dieses Buch wird dem veganen Gedanken schaden", kritisierte eine Veganerin, ein anderer Rezensent giftete: "Ich werde meinen Hunden sicher keine Pizza backen."

Nach eineinhalb Jahren mit veganem Hundefutter kam Martina Hinterwallner dann doch ins Grübeln. "Wenn meine Hunde auf der Straße einen Döner oder eine Bratwurst riechen, sind sie natürlich total fasziniert", sagt sie, "das kann ich ihnen nicht verdenken. Ich habe irgendwann beschlossen, sie nicht mehr rein vegan zu ernähren." Schoko und Axel bekommen jetzt wieder dreimal in der Woche Fleisch - feinstes Bio-Hühnchen, zubereitet von einer veganen Profi-Köchin.

© SZ vom 02.08.2017/eca

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