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Ernährung:Kind, schmeckt's dir?

Kein Fisch, kein Fleisch: Essenswünsche von Kindern tolerieren

Begeisterung in Kindergesichtern sieht anders aus.

(Foto: dpa-tmn)

Kinder für gesundes Essen zu begeistern, das ist eine Kunst für sich. Am wichtigsten sind Rituale wie das gemeinsame Kochen in der Familie. Wer das nicht schafft, kann sich Hilfe vom Profi holen.

Es ist Mittwochabend, nicht der beste Tag der Woche. Stau, die unfreundliche Kassiererin an der überfüllten Supermarktkasse und ein unverschämt nasskalter Abend wirken sich kaum positiv auf die Befindlichkeit aus. Daheim aber haben die zwei Mädels sämtliche Zutaten für ein grandioses Vier-Gänge-Menü aufgebaut: Basilikum-Weintrauben-Pfeffer-Salat. Dazu (es gibt bei derartigen Menüs niemals ein Danach) leicht bräunliche Bananen-Eiswürfel-Matsche, Nutella-Pfannkuchen mit Grün (Wasabi?) und selbst gepresste Limetten-Limonade mit drei Esslöffeln Fleur de Sel. Nachspeise: Was mit Schokolade, Überraschung, Mama, noch nicht schaun. Man muss gar nicht schaun, Puderzucker, Kakao und bunte Riebeln sind bereits als Deko über Tisch und Küche verteilt, immerhin gleichmäßig.

Nicht jetzt. Wünscht man verzweifelt. Die eigene Idee fürs Abendessen bewegte sich im Umfeld von Salamibrot mit Vitaminbeilage (alte Tomaten und Schrumpelgurke), quick and dirty. Hausaufgaben müssen gemacht, Wäsche muss aufgehängt werden, E-Mails sind zu bearbeiten, den Zustand der Küche nach diesem opulenten Diner verdrängt man noch. Die Mädels müssen ins Bett, morgen gibt es Gequengel beim Aufstehen, wieso überhaupt schlafen alle anderen Kinder schon um acht, werden die gefesselt?

Nein, heute kein Menü mehr. Dafür am Wochenende, fest versprochen in der perfiden Hoffnung, dass den Spatzenhirnen bis dahin der Gedanke entflogen sei.

"Kinder wollen auf keinen Fall passiv sein"

Und das war es dann wieder mal mit der aufkeimenden Begeisterung für Kochen und Essen und Genießen, mit der Lust am Spielen und Ausprobieren, die ja so wichtig ist. Die kindliche Kreativität wurde mal wieder abgewürgt, weil die Eltern zu müde waren und, ganz ehrlich, keine Lust mehr hatten auf ganz eigensinnige Geschmackserlebnisse. Und man weiß ja, wenn sich das schlechte Gewissen meldet: Die Eltern sind damit immer auch verantwortlich für spätere Essstörungen, Magersucht/Fettsucht, für ein grundsätzlich negatives Körpergefühl der Kinder.

Na ja, ganz so schlimm wird es wohl nicht. Aber, sagt Thomas Wörz, Ernährungsberater und Psychotherapeut an der Universität Salzburg, beim Essen geht es immer auch sehr viel um Wertschätzung - und um das Erleben der eigenen Kompetenz: "Kinder wollen eingebunden werden. Kinder sind neugierig, sie wollen auf keinen Fall passiv sein." Damit müsse man arbeiten, sagt Wörz, das müsse man anerkennen, schon bei der Vorbereitung. "Gehen Sie zusammen einkaufen, lassen Sie die Kinder zwei, drei Obst- oder Gemüsesorten aussuchen, die Sie dann zusammen kochen." Wobei das, was da ausgesucht werden wird, nicht immer und ausschließlich gesund sein muss. Es geht vielmehr um das große "Eher".

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Mit den Kindern und dem korrekten Essen ist das so eine Sache: Ein Gesundheitsbericht nach dem anderen lamentiert, dass schon Achtjährige immer dicker werden, immer unbeweglicher, immer unsportlicher. Dass sie zu viel vor dem Fernseher sitzen und vor allerlei digitalem Krimskrams, anstatt wie früher glücklich im Freien herumzulaufen. Zwar hat Deutschland in der letzten Jugendgesundheitsstudie "Health Behaviour in School-aged Children" (HBSC) der Weltbank noch relativ gut abgeschnitten. Mit etwas unter zehn Prozent an übergewichtigen Kindern liegt es im unteren Drittel; Spitzenreiter bei dicken Kindern sind die USA mit rund 30 Prozent, dann folgen mit einigem Abstand Griechenland, Irland, Kanada und Portugal. Aber der Trend geht allgemein nach oben. Und falsche Ernährung scheint, zusammen mit anderen Faktoren wie zu starker Medienkonsum, körperliche Trägheit und wachsender Stress, die Hauptursache für Übergewicht zu sein.