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Ein Anruf bei...:Dessert aus der Kloschüssel

Lien Nguyen - Poop Cafe - Toronto

Lien Nguyen, 29 Jahre alt, hat Culinary Management am George Brown College in Toronto studiert und wird Ende August in eben dieser Stadt ein "Poop Dessert Café" eröffnen. Es ist das erste Café Kanadas im Toiletten-Stil.

(Foto: privat)

Porzellan ist Porzellan. Aber warum sollte man ein Café besuchen, um aus einer Toilette zu essen? Weil es Spaß macht, sagt die Inhaberin des "Poop Dessert Cafés" in Toronto.

Porzellan ist Porzellan ist Porzellan - oder? Man könnte also sagen, es sei egal, ob man von einem handelsüblichen Teller isst oder aus einer sauberen Kloschüssel. Zumindest in Kanada kann man bald auf Schüsseln sitzen und aus Schüsseln essen, also die Rede ist natürlich von Kloschüsseln: In Toronto eröffnet Ende August das "Poop Dessert Café". Aber: Warum in aller Welt sollte man das tun? Fragen an Besitzerin Lien Nguyen.

SZ: Frau Nguyen, wie kommt man darauf, ein "Poop Dessert Café" zu eröffnen?

Lien Nguyen: Ich habe meine Mutter vor zwei Jahren in Taiwan besucht und wir sind zufällig in einem "Modern Toilet"- Restaurant gelandet. Wir saßen auf Kloschüsseln, aßen von Miniaturtoiletten und tranken aus kleinen Urinalen. Das war alles so verrückt, die Gäste so eindrucksvoll.

Sie haben das Konzept also importiert.

Das verrückteste Zeug kommt ja immer aus Asien. Toronto ist der perfekte Ort, um so etwas in Kanada zu starten. Hier kommen Leute aus der ganzen Welt zusammen, diese Einflüsse verändern die Kultur.

Hat man in der asiatischen Kultur eine andere Einstellung zu Ausscheidungen?

In Japan oder Korea steht das Kackhaufen-Symbol häufig für Glück. Man kann dort vergoldete Miniaturhaufen als Schlüsselanhänger oder Comics rund um dieses Thema kaufen. In Kanada finden die Leute mein Konzept teilweise noch eklig.

Kein Wunder.

Die Kanadier hören "Poop" und denken gleich, dass das Essen in Form eines Haufens serviert wird. Dabei haben wir nur ein einziges Gericht, das so aussieht: Das ist eine haufenförmige Waffel, aber vielleicht bieten wir irgendwann auch mal Cookies an. Es geht mir eher um das Konzept drumherum, auf Kloschüsseln zu sitzen und daraus zu essen. Um das Erlebnis. Um Spaß.

In einem Interview haben Sie mal gesagt, dass Sie Fäkalien verniedlichen wollen. Wie soll das gehen?

Kennen Sie das grinsende Kackhaufen-Emoji? Ist das nicht süß? Es hat Augen, ein Lächeln und ein Gesicht, so ist es auch in meinem Café an die Wand gemalt. Die Leute denken, Kacke sei eklig - aber bei uns sieht sie aus wie ein Mensch.

Was wird in den Kloschüsseln serviert?

Wir verkaufen vor allem asiatische Desserts: thailändische Ice Cream Roll, eine Bohnenpaste namens Patbingsu, Hongkong-Waffeln und Bubble Tea.

Sie haben kulinarisches Management studiert, sind ausgebildete Köchin. Nervt es nicht, dass die Leute wegen der bunten Toilettenhocker kommen - und nicht wegen der Gerichte?

Am Anfang werden die Leute natürlich kommen, weil das Konzept so abgefahren ist. Wenn das Essen dann aber auch noch schmeckt, kommen sie auch wieder.

Und wer soll da kommen, Spaßtouristen?

Vor allem junge Leute. Aber ich habe auch eine Nachricht von einer 79-jährigen Ur-Oma bekommen, die geschrieben hat, dass sie sich total auf die Eröffnung freut.