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Kolumne "Eigener Herd":Der kleine süße Rausch

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Der Klassiker zum Osterfest: Eierlikör, am besten selbstgemacht.

(Foto: imago classic/imago images/Shotshop)

Wer nach dem perfekten Eierlikör sucht, findet viele Varianten - mindestens die Hälfte davon stammt angeblich von einer Oma. Ein paar Rezeptideen, die nicht nur an Ostern funktionieren.

Von Julia Rothhaas

Auf der Suche nach dem besten Eierlikör-Rezept stellt man schnell fest, dass es so viele Omas gar nicht geben kann wie die im Internet mit dem Schlagwort "Oma" garnierten Varianten. Dabei unterscheiden sie sich wenn überhaupt nur durch Winzigkeiten, immer mit dabei sind eine Menge Eigelbe, Vanille (am besten frisch aus der Schote), Zucker und ein guter Schuss Hochprozentiges in Form von Korn, Weinbrand, Rum oder Ähnlichem. Manchmal kommt auch Milch dazu (je nach Rezept Sahne, Milch oder Kondensmilch), die macht das Getränk flüssiger und damit auch leichter zu trinken.

Schlauberger erinnern sich: Sie konnten ihrer Oma zwischen Oktober 2018 und Juni 2019 erklären, dass sich ihr Eierlikör, der mit Milch hergestellt wird, künftig nicht mehr so nennen darf. Hatte der Europäische Gerichtshof schließlich entschieden. Zum Glück wurde knapp ein Jahr später die Spirituosenverordnung überarbeitet, und an Omas Fläschchen war fortan nichts mehr auszusetzen.

Zimt, Orange, Tonkabohne: Passt alles gut

Egal welches Rezept, ein paar Regeln ändern sich nie: Empfehlenswert sind ganz besonders frische Bio-Eier, und wer es alkoholtechnisch gern kräftiger mag, sollte darauf achten, mindestens gleich viel Milch/Sahne zu verwenden wie Rum/Korn. Erhitzt werden muss der Eierlikör nicht, er wird dadurch aber länger haltbar (im Wasserbad oder direkt im Topf, aber nie zu heiß werden lassen!).

Manche Kenner verfeinern ihre Version zusätzlich mit Muskatnuss oder Tonkabohne, andere streuen etwas lösliches Kaffeepulver hinein, Alfons Schuhbeck fügt seiner Gewürz-Variante Zimt, Kardamom, Anis, Fenchel, Ingwer und einen Streifen Orangenschale zu. Weil einige professionelle Eierlikör-Spirituosenhersteller herausstechen wollen, wird auch hier gerne experimentiert: Der Chiemseer Klosterlikör bekommt zum Beispiel etwas Akazienhonig für den Geschmack, die Firma Delica verarbeitet den Eierlikör mit Prosecco gleich als Creme. Ein Rausch zum Löffeln, praktisch.

(Foto: SZ)

Da schütteln die Ureinwohner am Amazonas den Kopf. Von dort stammt schließlich die Urform des Eierlikörs, der "Abacate". Als im 17. Jahrhundert die ersten Europäer im Gebiet der Tupo-Guarani-Indianer in der portugiesischen Kolonie Brasilien landeten, stießen sie auf ein Erfrischungsgetränk auf Basis der Avocadofrucht - und waren begeistert. Ein bisschen besser schmeckte es ihnen allerdings noch mit einem Schuss Rum, das Ergebnis nannten sie "Avocado-Schnaps". Zurück daheim sehnte man sich nach dem exotischen Gesöff, doch Avocados gab es damals eben nicht im Supermarkt um die Ecke. Also wurde die Frucht durch Eier ersetzt. Einer der experimentierfreudigen Avocadoschnaps-Fans hieß Eugen Verpoorten, der Gründer der gleichnamigen Firma. Er fing 1876 an, Eidotter-Schnaps-Varianten herzustellen.

Eierlikör als Anreiz für die Corona-Impfung

Früher hieß es auch mal, Eierlikör helfe gegen Malaria, doch diese Wirkung wurde nie nachgewiesen. Eigentlich schade, besser dürfte keine Medizin schmecken. Etwas Seriöses scheint dem Gemisch dennoch anzuhängen. So wollte ein Unternehmen in Baden-Württemberg jüngst seine Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen nicht nur mit einem 1000-Euro-Bonus zur Corona-Impfung motivieren. Zusätzlich sollten alle Impfwilligen auch noch mit einer Flasche Eierlikör belohnt werden. Das hat ja schließlich schon gut bei den Bewohnern der Einrichtungen funktioniert, die nach jedem Rachenabstrich ein Glas Eierlikör angeboten bekamen. Womit wir schon wieder bei der Oma wären.

Dabei sind die Zeiten, in denen vor allem die ältere Generation auf das gelbmilchige Getränk setzt, längst vorbei. Auch die jungen Hippen haben den Eierlikör für sich entdeckt. Die Hamburger Firma Sankt Pauli Spirituosen nennt ihre Version "Klötenlikör", aus Stuttgart kommt die "Goldelse" und aus Berlin ein Eierlikör namens "Rübbelberg", allesamt hergestellt von Menschen weit vor dem Rentenalter. "Zwei Freunde und ich fanden, dass gekaufter Eierlikör nie so gut schmeckt wie der von der Oma", sagt Sebastian Tigges von Rübbelberg, "also fingen wir an, Rezepte auszuprobieren." Weil die Fläschchen, die die drei fortan im Freundeskreis verschenkten, so gut ankamen, entschieden sie 2017, ihren Likör aus Bio-Zutaten professionell abfüllen zu lassen. Eierlikör sei kein Saufgetränk, sondern der perfekte Abschluss eines Tages, so Tigges.

Das funktioniert auch sehr gut weit nach Ostern, an einem ereignisarmen Mittwoch im Mai zum Beispiel oder an einem schwülen Augustabend. Dann jedoch am liebsten auf Eis, mit einem Schuss Sekt und einem Spritzer Grenadinensirup. Oder über frische Erdbeeren getröpfelt. Oder mit Tonic Water. Oder als Maracuja-Flip. Wobei wir wieder bei den unzähligen Möglichkeiten wären. Danke, Oma.

© SZ/chrm
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