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Dresscode für Lehrer:Stil-Nachhilfe an der Tafel

Lehrer

In Kreuzlingen in der Schweiz gibt es jetzt einen Dresscode für Lehrer.

(Foto: dpa)

Gegen Socken in Sandalen, Batik und den ewig selben Pullover: In der Schweiz gibt es jetzt ein Regelwerk, mit dessen Hilfe sich Lehrer angemessen kleiden sollen. Voll großer Ernsthaftigkeit.

Friday is Tieday, Freitag ist Krawattentag. Diesen Sinnspruch hatten die etwa 300 Lehrer der Volksschule Kreuzlingen im Schweizer Kanton Thurgau offenbar noch nie gehört. Als Jeroen von Rooijen, nach eigener Aussage "eine Art landesweit bekannter Wanderprediger des Geschmacks", Anfang November eine Stilberatung an der Schule hielt, war er der einzige, der eine Krawatte umgebunden hatte. Die Lehrer dort hielten es eher mit einem anderen Sinnspruch: Casual Friday, gemütlicher Freitag.

Nicht ungewöhnlich, wie van Rooijen in einer Facebook-Umfrage herausfand: Wollsocken in Birkenstock-Sandalen, Mathelehrer, die ihr gesamtes Berufsleben lang den selben Pullover trugen, Goldketten mit aufgeknöpftem Hemd und wallendem Brusthaar, Batiktücher als Rock-Ersatz - die Erinnerungen seiner Freunde an die Fehltritte ihrer Pädagogen sind lang.

In Kreuzlingen will man dem modischen Schlendrian nun mit einem Dresscode zu Leibe rücken. Jeroen van Rooijen hat mit den Pädagogen der Schule ein Regelwerk erarbeitet. Fast jede Frage, die man sich morgens vor dem Kleiderschrank stellen kann, wird darin mit großer Ernsthaftigkeit beantwortet. So heißt es etwa unter dem Punkt Ärmellos: "Spaghettiträger sind ein klares No-Go. Die Träger von Tops oder Kleidern sollen mindestens drei Finger breit sein, wobei auf jeden Fall die Achseln zu rasieren sind."

Kapuzenjacken sind ungeeignet, Fleecejacken "zu rustikal"

Auch in anderen Stilfragen ist der Dresscode kompromisslos: Kapuzenjacken seien ungeeignet, Fleecejacken "zu rustikal", stark fusselnde Strickjacken ebenfalls "ein No-Go". Außerdem nicht zu empfehlen: hautenge Jeans, transparente Stoffe, tiefe Ausschnitte, Adiletten, kurze Hosen bei Männern, Punkfrisuren, penetrante Rasierwasser oder Parfums. Als "korrekt und passend" empfanden die Lehrer für sich: Hemden, Blusen, dehnbare Soft-Jacketts, einfarbige Shirts, dunkle Jeans, knielange Röcke.

Schulleiter Jürg Schenkel freut sich über den neuen Leitfaden. Er könne Lehrern helfen, ihre Autorität zu festigen. Die älteren Kollegen seien allerdings wenig begeistert gewesen. "Schon wieder ein neues Gesetz" - diesen Seufzer habe er oft gehört, sagt Schenkel. Die jüngeren Lehrer hätten den Code gern noch strikter gehabt, erinnert sich van Rooijen. Anders als die 68er-Generation würden sie weniger Wert auf persönliche Freiheit legen und wären gern bereit, sich an Vorgaben zu halten.

Nur mit seiner Vorliebe für Krawatten konnte sich der Stilberater nicht durchsetzen. Sie würden "unnötig Distanziertheit" vermitteln und könnten in der Schule problemlos weggelassen werden, heißt es im Dresscode.

© SZ vom 24.11.2014

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