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Die Auflösung des Weihnachtsrätsels:Eine Schatztruhe voller Antworten

Welches Schmerzmittel vertragen Geier gar nicht? Was hat Lakritze mit der ägyptischen Götterwelt zu tun? Und welches Geheimnis bargen die acht fernen Inseln?

Eine Seekarte mit acht einsamen Inseln diente als Spielfeld, acht knifflige Rätselfragen galt es zu lösen. An dieser Fahrt zum Rand der Welt - und des Allgemeinwissens - nahmen so viele Löserinnen und Löser teil wie noch nie. Unterwegs mussten sie sich mit Veterinärmedizin, Shakespeare und alten Brettspielen befassen, mit Ammoniak, Fremdwörtern und Ökologie, mit französischen Zahlwörtern, Astronomie und dem Straßenverkehr in Schweden. Zum Lohn grüßte sie am Ende eine Art Meerjungfrau zu Lande.

1. Die versteckte Stadt

(Foto: imago)

Eine zerschnipselte Straßenkarte? Oder Teile einer Bahnstrecke? Das Rätsel präsentierte ein verwirrendes Ensemble aus Bögen, Geraden und Winkeln, gedruckt auf kleinen Kreisscheiben. In diesem Durcheinander solle eine europäische Großstadt zu erkennen sein, lautete der einzige Hinweis.

Zur Lösung brauchte man indes keinen Atlas, sondern nur die richtige Eingebung: Drehte man jede der Scheiben um 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn, so verknüpften sich die vermeintlich wahllosen Linien zu Buchstaben, wie hier rechts oben zu sehen. Die gesuchte Stadt war SALZBURG.

2. Das tödliche Schmerzmittel

(Foto: imago)

Kühe sind für die meisten Hindus sprichwörtlich heilig, sie werden weder getötet noch gegessen. Gleichwohl dienen Rinder auch im überwiegend hinduistischen Indien als Arbeitstiere auf dem Acker. Um kranke und verletzte Rinder leistungsfähig zu halten, mischte man ihnen seit Ende der 1980er-Jahre Diclofenac ins Futter oder Trinkwasser - jenes Schmerzmittel, das für Menschen etwa unter den Namen Voltaren oder Diclac verkauft wird. Was das Medikament anrichtete, wurde allerdings erst viel später klar.

Da in Indien kaum Rindfleisch verzehrt wird, übernehmen seit jeher GEIER die Verwertung toter Tiere: Binnen Stunden ist nur noch das Skelett übrig, und die fast sauberen Knochen können weiterverarbeitet werden. So profitieren Mensch und Geier voneinander - doch dann kam das Diclofenac ins Rindfleisch. Es schädigt die Nieren der Vögel so, dass sie keine Harnsäure mehr ausscheiden können.

Überschüssige Harnsäure, das ist auch für Menschen problematisch: Kristallisiert sie an den Gelenken, kann das fürchterlich schmerzhafte Entzündungen auslösen, bekannt als Gichtanfall. Zwei berühmte Patienten waren im Rätsel zu sehen: Der Maler Peter Paul Rubens und der Komponist Jacques Offenbach litten heftig unter der Gicht. Während es beim Menschen Jahrzehnte dauern kann, bis sich erste Symptome zeigen, erwischt es die Geier binnen Stunden: Ein, zwei Milligramm Diclofenac genügen, und die inneren Organe des Vogels werden so mit Harnsäure überschwemmt, dass er am nächsten oder übernächsten Tag verendet. Auf diese Weise raffte Diclofenac binnen eines Jahrzehnts 99,9 Prozent aller Bengalgeier dahin, auch der Indiengeier und der Dünnschnabelgeier kamen an den Rand der Ausrottung.

Damit brach in Indien die natürliche Kadaverbeseitigung weitgehend zusammen, Abermillionen verwesender Rinder verseuchten Wasser und Luft. Freilaufende Hunde hatten dafür umso üppiger zu fressen und vermehrten sich stark. In der Folge stiegen auch die Zahlen der Hundebisse und der Todesfälle durch Tollwut. Erst im Jahr 2006 verboten Indien, Pakistan und Nepal die Herstellung von Diclofenac-Präparaten für Tiere, Bangladesch folgte 2010. Der illegale Handel geht Berichten zufolge allerdings weiter.

3. Das verwechselte Spiel

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(Foto: imago)

Wer eine Aufführung von William Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" besucht, erlebt im zweiten Akt den Ehestreit zwischen Titania und Oberon, Königin und König der Elfen, die sich gegenseitig ihre außerehelichen Techtelmechtel vorhalten. Sogar das Wetter sei schon vergrätzt, schimpft Königin Titania: Der Regen lasse Bäche anschwellen, das Korn verfaule "und Krähen prassen in der siechen Herde. Verschlämmt vom Lehme liegt die Kegelbahn ..." So formuliert sie es jedenfalls, wenn sich der Regisseur für die klassische, inzwischen aus der Mode gekommene, aber immer noch bekannteste Übersetzung entschieden hat: jene von August Wilhelm Schlegel aus dem Jahr 1797.

Von einer Kegelbahn ist bei Shakespeare allerdings gar nicht die Rede: "The nine men's morris is fill'd up with mud", heißt es dort. "Nine men's morris" ist der englische Name für das Mühlespiel. Da jeder Spieler neun Spielsteine ("men") zur Verfügung hat, ist verständlich, warum Schlegel fälschlich ans Kegelspiel dachte: Auch dort stehen ja neun grob anthropomorphe Figuren, "nine men" gewissermaßen. Zudem ist Mühle heutzutage nur als Brettspiel bekannt, bleibt also von schlechtem Wetter und Schlamm unberührt; man muss länger suchen, um Hinweise darauf zu finden, dass Schäfer und Hirten es einst im Freien gespielt haben, mit ins Gras gescharrten Linien und Kreuzungspunkten für die Spielfiguren. Die Zahl neun taucht übrigens auch in einer wenig gebräuchlichen deutschen Bezeichnung des Spiels auf, nämlich "Neunemal". Als Name etabliert hat sich jedoch MÜHLE. Woher er kommt, ist nicht sicher: möglicherweise vom lateinischen "miles", was meist "Soldat" bedeutet, aber mitunter auch eine Spielfigur meint. Die alten Römer kannten das Spiel jedenfalls schon, sogar aus dem Ägypten des zweiten Jahrtausends vor Christus sind Spielfelder erhalten. In China war es um 500 vor Christus bekannt, und nach Amerika kam es spätestens mit den spanischen Eroberern.

Die Regeln sind weltweit die gleichen und so einfach, dass sie sogar im Brockhaus stehen. "Eine davon", verriet das Rätsel, "erlaubt demjenigen, der direkt vor dem Verlieren steht, Bewegungen auszuführen, die zuvor verboten waren". Denn gezogen wird eigentlich von einem Feld zum nächsten - aber wer nur noch drei Steine übrig hat, darf beliebig springen.

Doppelt kurios liest sich der Schlegelsche Vers übrigens in der Fassung, die bis heute bei Reclam verlegt wird: Die ohnehin falsche Kegelbahn ist hier nicht "vom Lehme" verschlämmt, sondern "vom Leime". Das hatten schon Schlegels Zeitgenossen als Druckfehler erkannt.

4. Die kopflose Rangliste

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(Foto: imago)

Eine Tabelle mit Buchstabenkürzeln und Begriffen war da zu sehen, beginnend mit "SIR - Säugetier" auf Rang 2, bis hinunter zu "BET - Jäger" auf Rang 11. Dazu der Hinweis, dass man die hierdurch beschriebenen Objekte "nicht zu jeder Uhrzeit" sehen könne, und zwar "wegen des Objekts auf Rang 1". Wovon war die Rede?

Es handelte sich um eine Liste der hellsten Sterne am Himmel - und die Sonne überstrahlt sie bekanntlich alle. Wohlgemerkt: von der Erde aus gesehen. Eigentlich ist die Sonne ein ziemlich durchschnittlicher Stern, unzählige andere sind um ein Vielfaches größer und leuchtstärker, aber so weit von uns entfernt, dass es uns nicht so erscheint.

Jede Tabellenzeile nannte den Beginn des Sternennamens sowie eine Umschreibung des zugehörigen Sternbildes: "SIR - Säugetier" stand für Sirius im Sternbild Großer Hund. "CAN - Schiffsbauteil" meinte Canopus im Sternbild namens Kiel des Schiffes. "ARK - Wildtierhüter" bezeichnete Arktur im Sternbild Bootes, welches meist als "Bärenhüter", oft auch als "Rinderhirte" eingedeutscht wird. Auf den weiteren Plätzen folgten Rigil Kentaurus im Sternbild Kentaur, Wega in der Leier, Kapella im Fuhrmann, Rigel im Sternbild Orion (es stellt einen mythischen Jäger dar), Prokyon im Kleinen Hund, Achernar im Sternbild ERIDANUS (so hieß in der griechischen Mythologie jener Fluss, in den Phaethon vom Sonnenwagen seines Vaters hinabstürzte) und Beteigeuze, wieder im Orion.

Dass die Rangfolge auch davon abhänge, "wie genau man hinsieht", bezog sich auf Alpha Centauri, der in manchen Sternenlisten verzeichnet ist: Genau genommen handelt es sich dabei um drei Sterne, die so eng beieinanderstehen, dass sie mit bloßem Auge nicht zu trennen sind. Gemeinsam sind sie heller als Arktur, doch einzeln gewertet reihen sie sich weiter unten ein. Wenn man zudem berücksichtigt, dass die Helligkeit vieler Sterne schwankt, ändert sich auch die Rangfolge immer wieder - die Tabelle im Rätsel nahm allerdings die jeweils durchschnittliche Helligkeit zum Maßstab.

5. Der große Spurwechsel

(Foto: imago)

Die vier Teile des kleinen Puzzles fügten sich zu einem großen "H" mit einem Pfeil darin, der vom linken Schaft des Buchstabens in den rechten führte, ähnlich einem Spurwechsel auf der Straße. Genau darum ging es auch: Mit diesem Symbol bereitete Schweden seine Bürger auf den 3. September 1967 vor - an diesem Tag sollte der Straßenverkehr landesweit von Links- auf Rechtsverkehr umgestellt werden. Das markante "H" stand für "högertrafik", Rechtsverkehr, und wurde sogar auf Socken und Unterwäsche gedruckt. Die intensive Werbung war nötig, denn eigentlich wollten die Schweden keinen Spurwechsel: In einem Referendum im Jahr 1955 hatten 83 Prozent der Teilnehmenden dagegen gestimmt. Doch einige Jahre später entschied das Parlament anders.

Nicht nur die Öffentlichkeitsarbeit, auch die technischen Vorbereitungen dauerten Monate: Neue Schilder und Straßenmarkierungen mussten angebracht, die Auffahrten umgebaut werden. Allein die schwedischen Autos konnten bleiben, wie sie waren: Bemerkenswerterweise saßen die Lenkräder schon damals links, wie es ansonsten in Ländern mit Rechtsverkehr üblich ist.

Für den als "Dagen H" (gewissermaßen "Tag R") angekündigten 3. September prophezeiten seine Gegner großes Chaos und zahllose Verletzte. Doch alles verlief weitgehend reibungslos: Nachts wurde für ein paar Stunden jeglicher Straßenverkehr stillgelegt, um fünf Uhr morgens wechselten alle Fahrzeuge vorsichtig nach rechts, dann ging es in vorläufig gedrosseltem Tempo los. Am "Dagen H" wurden deutlich weniger Unfälle gemeldet als an einem normalen Septembertag.

Als Minister für Verkehr, Post und Fernmeldewesen war damals OLOF PALME zuständig, der zwei Jahre später dem schwedischen Ministerpräsidenten Erlander im Amt nachfolgte. 1986 wurde Palme nach einem Kinobesuch in der Stockholmer Innenstadt erschossen - ein Mord, der bis heute nicht aufgeklärt ist.

6. Die ägyptische Substanz

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(Foto: imago)

Schon auf den ersten Blick war klar, dass der abgebildete Herr dem Alten Ägypten zugehörte. Genaueres verriet sein Kopfputz: Die doppelte Federkrone kennzeichnete ihn als den ägyptischen Gott Amun. Im Altertum stand an der Oasengruppe Siwa, im Westen Ägyptens, einer der bekanntesten Tempel zu seinen Ehren. Auch das Salz, das in dieser Gegend gefunden wurde, benannte man nach ihm: Die lateinische Bezeichnung lautete "sal ammoniacum". So wurde ein ägyptischer Gott zum Namensgeber des chemischen Stoffes Ammoniak. Die Skizze im Rätsel deutete diese Beziehung in Form eines Pfeils an: links Amun, rechts ein paar stilisierte Ammoniak-Moleküle, je drei Wasserstoffatome an einem Stickstoffatom.

In der Skizze wurde das Ammoniak von drei Rauten freigesetzt: Gemeint waren Salmiakpastillen, die typischerweise in dieser Form angeboten werden. Neben den üblichen Lakritzzutaten enthalten sie ein Salz namens Ammoniumchlorid, landläufig SALMIAK genannt, welches im Mund kleinste Mengen von Ammoniak freisetzt (größere wären ausgesprochen giftig, weshalb das Gesetz höchstens 8 Prozent Salmiak in der Lakritze zulässt).

Als Ursprung des Wortes Salmiak zeigte die Skizze einen Länderumriss: Dargestellt war Armenien, wo dieses Salz einst gewonnen wurde (wobei jene Gegend, die im Mittelalter so hieß, nicht mit der heutigen Landesfläche identisch ist). Man bezeichnete es damals als Armenisches Salz, lateinisch "sal armeniacum". Das klingt dem obigen "sal ammoniacum" zum Verwechseln ähnlich - und wurde später in Alchemiebüchern auch oft durcheinandergeworfen. Zudem verschliff und verkürzte man das "sal armeniacum" über die Jahrhunderte zu "Salarmaniak" und letztlich zu "Salmiak". Darum lässt sich heute nicht mehr zuverlässig nachvollziehen, wie viel Amun im Salmiak steckt.

7. Das folgerichtige Fragezeichen

Ernte Junge mit einem Bündel Quinoa Pflanzen Chenopodium quinoa Quivilla Provinz Huanuco Peru
(Foto: imago)

Vier Bilder zeigte dieses Rätsel: Honig, einen Sänger mit Laute und in altertümlicher Gewandung, ein Streichholz, die Erdkugel mit dick markiertem Äquator - und statt eines fünften Bildes nur ein Fragezeichen. Dass der mittelalterliche Sänger für den Begriff "Troubadour" stand, konnte man sich im weiteren Verlauf zusammenreimen, wenn man die fünf Kästchen betrachtete, in denen die Bilder präsentiert wurden: Jedes trug einen Streifen am oberen Rand, genauer gesagt Fragmente eines Streifens. Beim Äquator etwa zerfiel er in sieben gleichmäßige Abschnitte. Der erste fehlte, nur die Teile 2 bis 7 waren zu sehen.

Vervollständigte man (in Gedanken oder mit Stift und Lineal) die Streifen bei allen Bildern, so zeigte sich, dass jeder aus genau so vielen Teilen bestand, wie das Motiv Buchstaben zählte: Den Honig zierte ein fünfteiliger Streifen, den Troubadour ein zehnteiliger, und so weiter. Allerdings waren beim Honig nur der zweite und dritte Teil sichtbar - also die Vertreter der Buchstaben "on". Beim Troubadour waren es der siebte, achte, neunte, also die Buchstabenfolge "dou". Es folgten das "trei" aus "Streichholz" und das "quator" aus "Äquator". Die Fragmente buchstabierten also die Anfänge französischer Zahlwörter aus: Ergänzt man "on", "dou", "trei", "quator" noch um die Buchstaben "...ze", so entstehen die französischen Zahlen elf bis vierzehn, nämlich "onze", "douze", "treize" und "quatorze".

Als nächstes käme "quinze". Für das Kästchen mit dem Fragezeichen hieß das: Die gesuchte sechsbuchstabige "Nutzpflanze" musste mit "quin" beginnen. Es konnte nur QUINOA sein, die südamerikanische Pflanze, deren getreideähnliche, kringelige kleine Samen hierzulande gern als Superfood gehypt werden.

8. Das kuriose Fremdwort

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(Foto: imago)

Ein scheinbar unaussprechliches Wort war da skizziert: Nur die ersten beiden Buchstaben sollten zur Reihe der Vok ale a, e, i, o, u, ä, ö, ü gehören. Der ganze Rest des Wortes jedoch, sechs weitere Buchstaben, enthielt nichts davon. Ein garstiges Konsonantengestrüpp, so schien es - bis man bemerkte, dass in dieser Vokalreihe ein Buchstabe fehlte, der durchaus einen vokalischen Laut verkörpert: das y.

Als Bedeutung des gesuchten Adjektivs war angegeben, "dass ein Lebewesen in gewisser Hinsicht nicht allzu empfindlich ist". Korallen zum Beispiel brauchen warmes, aber nicht allzu warmes Wasser. Einer Lärche hingegen machen Temperaturschwankungen nichts aus. Darum werden Korallen als stenotherm bezeichnet, Lärchen als eurytherm. Diesem Begriffspaar "steno..." und "eury..." kann man allerhand Endungen geben: Kommt eine Kreatur gut mit schwankendem Salzgehalt zurecht, ist sie euryhalin. Wenn ihr der Luft- oder Wasserdruck eher egal ist, nennt man sie eurybar. Und wenn sie Feuchtigkeitsunterschiede gut verträgt, ist sie EURYHYGR. Das Wort wird tatsächlich so geschrieben, mit "...gr" am Schluss. Wie schwierig das auszusprechen ist, scheint die Biologen nicht zu stören - in der Medizin hingegen pflegt man sich ähnliche Fälle zu erleichtern, indem man ein e anhängt: Eine maligne Wucherung ist eher nicht "malign", sondern "maligne", so steht es auch im Duden. "Euryhygre" Pflanzen und Tiere jedoch sind "euryhygr".

Es gab noch ein zweites Wort mit passender Struktur: "Euryhydr" nennt man Pflanzen, wenn sie stark schwankenden Wasserdruck in ihren Zellen ertragen. Im Rätsel war zwar die Eigenschaft eines "Habitats" gesucht (also der Umgebung eines Lebewesens, nicht seines Inneren), weshalb eigentlich nur "euryhygr" gemeint sein konnte. Aber da es selbst in der Fachliteratur nicht immer sauber von "euryhydr" unterschieden wird, galten beide Antworten. Auch für das Lösungswort machte es keinen Unterschied.

... und das Geheimnis der Inseln

Die acht Rätselfragen waren diesmal Teil einer Seekarte mit acht Inseln. Die dargestellten Riffe und Atolle gibt es wirklich: Weit draußen im Pazifik, nahe der Datumsgrenze, bilden sie das Inselreich Tuvalu. Sein zugehöriges Seegebiet ist riesig, doch nach der bloßen Landfläche ist Tuvalu mit kaum 26 Quadratkilometern einer der kleinsten Staaten der Welt. Einer der abgelegensten sowieso. Und der am wenigsten besuchte: Jährlich kommen nur tausend bis zweitausend Menschen nach Tuvalu. Das einzige Hotel steht auf dem Hauptatoll Funafuti, dazu ein Appartmenthaus und ein paar Lodges. Auf den anderen Inseln sei man ganz auf sich gestellt, warnt der Reiseführer.

Mehr als tausend Jahre lang lebten die Menschen hier unbehelligt auf ihren Inseln. Ab dem 16. Jahrhundert kamen dann die Üblichen (spanische Seefahrer, Briten, Amerikaner) und brachten das Übliche (Sklavenhandel, Krankheiten, Christentum). 1916 annektierte Großbritannien die Inselgruppe, die inzwischen den Namen eines britischen Händlers bekommen hatte und noch heute auf vielen Karten "Ellice Islands" genannt wird. Erst seit 1978 ist Tuvalu unabhängig.

Eigentlich umfasst der Staat neun Inseln, das Rätsel zeigte aber nur acht davon, denn so viele sind es laut dem Landesnamen: "valu" ist das hiesige Zahlwort für acht. Der Wortteil "tu" wird unterschiedlich übersetzt, je nach Quelle bedeutet Tuvalu "acht Traditionen", "acht stehen zusammen" oder etwas Ähnliches. Die kleine Insel Niulakita, ganz im Süden, wurde von den Briten erst 1944 hinzugekauft.

Die Umrisse der acht Eilande waren im Rätsel zwar richtig dargestellt, aber sonst stimmte auf dieser Seekarte nichts: weder die Anordnung der Inseln noch ihre Größenverhältnisse - und es gab kein Norden. Die Inseln waren willkürlich zueinander verdreht, die Windrosen daneben dienten lediglich zur Aufnahme der Antwort, zeigten jedoch keine Himmelsrichtungen an. So schien es jedenfalls.

Tatsächlich aber deutete bei jeder Windrose einer der Arme genau nach Norden, und damit auch ein Buchstabe jeder Rätselantwort. Diese Nordbuchstaben bildeten das Lösungswort des Weihnachtsrätsels: Besuchte man die Inseln von Nord nach Süd, von Nanumea nach Nukulaelae, so buchstabierte sich das Wort MELUSINE - der Name einer Sagenfigur, einer schönen Geliebten, die beizeiten die Gestalt einer Nixe annimmt, wie sie sich gerne auf alten Seekarten herumtreibt.

2283 Leserinnen und Leser haben richtige Antworten eingesendet, 1431 von ihnen entdeckten sogar die Melusine. Das Los fiel auf René Tauschke aus Berlin: Er und seine Miträtslerin Britta Wach gewinnen eine exklusive Führung durch die Zoologische Staatssammlung in München, dazu zwei Nächte im 5-Sterne-Hotel München Palace. Herzlichen Glückwunsch! Bei den Gewinnern der Spiele melden wir uns noch.

(Foto: privat)

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© SZ vom 11.01.2020
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